Harburg
Harburg

Harburg im Bomben-Inferno

Geschichtswerkstatt plant eine Ausstellung zu der Zerstörung im Jahr 1944 – Fotos und Zeitzeugen werden gesucht

Harburg. Im Zweiten Weltkrieg ging am 25. Oktober 1944 ein Bombenhagel auf Harburg nieder, wie ihn die Einwohner des Hamburger Südens bis dahin noch nicht erlebt hatten. 623 Menschen starben. Bomberverbände der Alliierten flogen am 30. Oktober sowie am 4., 6., 11. und 21. November weitere Großangriffe. Bei den Angriffen auf die Mineralölindustrie und die strategisch wichtigen Eisenbahnanlagen wurden auch das Rathaus, das Helms-Museum, die Dreifaltigkeitskirche und St. Johannis zerstört.

Klaus Barnick von der Geschichtswerkstatt Harburg plant eine Ausstellung, um an die Zerstörung Harburgs im Jahr 1944 zu erinnern. 70 Jahre nach dem Inferno sucht der frühere Geschichtslehrer Fotos, Briefe oder Kriegstagebücher, die das Kapitel der Harburger Stadtgeschichte dokumentieren. Klaus Barnick bittet auch Zeitzeugen, ihm ihre Erinnerungen zu berichten.

Der heute 87 Jahre alte Peter Haffke hat die Luftangriffe als Flakhelfer miterlebt. Im Alter von 16 Jahren war der damalige Schüler am Johanneum-Gymnasium in Lüneburg nach Harburg abkommandiert worden. Zusammen mit seinen Klassenkameraden bezog er eine Baracke neben dem Luftabwehrgeschütz auf einem Brückenbogen der Eisenbahnbrücke über der Süderelbe. Der heute in Leverkusen lebende Zeitzeuge steht mit Klaus Barnick in Kontakt und hat sich bereit erklärt, im Rahmen der Ausstellung über seine Erlebnisse aus dem Jahr 1944 zu erzählen.

Klaus Barnick ist zuversichtlich, dass bisher noch nicht bekannte Dokumente von der Zerstörung Harburgs existieren. Fotoalben aus Nachlässen könnten Bilder enthalten, die längst in Vergessenheit geraten sind. So ging es dem früheren Lehrer an der Gesamtschule Harburg (1982–2011) selbst, als ihm aus dem Album seines Vaters kleine Schwarz-Weiß-Fotos von der Pionier-Kaserne und von Soldaten auf dem damaligen Herman-Göring-Platz in Harburg in die Hände fielen.

„Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind wenig dokumentiert“, sagt Klaus Barnick. Einen Grund dafür hat der 83 Jahre alte Kurt Darjus vor Kurzem im Abendblatt genannt, um an den 1. April 1944 zu erinnern, als alle Hamburger Schulen wegen der Bombenangriffe geschlossen wurden. Es sei verboten gewesen, Zerstörungen auf dem eigenen Gebiet zu zeigen. Seine Mutter, eine Luftschutzwartin, hatte trotzdem Aufnahmen gemacht, nachdem im Mai 1940 die ersten Bomben auf Harburg gefallen waren. Am nächsten Morgen seien Leute aus ganz Hamburg gekommen, um die Zerstörung zu sehen. So ungewöhnlich war das zu der Zeit noch.

Im Jahr 1995 hatte der damalige Stadtgeschichtler am Helms-Museum, Jörn Claußnitzer, in einer Ausstellung das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 in Harburg dokumentiert. Im Erinnerungsjahr 2015 werden alle Hamburger Geschichtswerkstätten das Thema aufgreifen. Der Arbeitstitel der geplanten Ausstellung lautet „Stunde Null“.

Die Ausstellung zur Zerstörung Harburgs im Jahr 1944 plant Klaus Barnick zurzeit allein. Sie wird voraussichtlich im September zu sehen sein. Der Ort ist noch offen. Ab 26. Oktober ist Klaus Barnick mit der Initiative Gedenken in Harburg an einer weiteren Ausstellung zum Nationalsozialismus beteiligt. Dann geht es um die Diskriminierung von Wohnungslosen in der Zeit. Die kirchliche Initiative wird das Thema in einer Ausstellung in der Bücherhalle Harburg aufarbeiten.

Wer zu der geplanten Ausstellung „Die Zerstörung Harburgs 1944“ Fotos und andere Dokumente beisteuern möchte oder als Zeitzeuge Erlebtes berichten kann, meldet sich bei Klaus Barnick, Telefon 040/768 16 44.