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Hollenstedt

„Regionalpark-Shuttle? Ohne uns“

Hollenstedter Gemeinden wollen kostenlosen Ausflugsbus nicht mehr finanzieren. Gastronomen an der Strecke verärgert

Hollenstedt. 5000 Personen und 1400 Fahrräder hat der Rosengarten-Shuttle in der Saison 2013 von Juli bis Oktober befördert. Das Regionalparkmanagement ist damit zufrieden und will den kostenlosen Ausflüglerbus nach der dreijährigen Testphase auch in diesem Sommer an den Wochenenden durch den Regionalpark Rosengarten fahren lassen. Mit einem Unterschied: Um die Samtgemeinde Hollenstedt wird der Bus einen Bogen machen.

Denn in den Mitgliedsgemeinden, die der Bus anfährt, überwiegt die Meinung, dass der Bus zu wenig genutzt wird und die Ortschaften, die das Projekt mitfinanzieren, nichts davon haben. Das Wort „Geisterbus“ macht die Runde unter den Politikern – obwohl an der Shuttle-Linie 1 beliebte Ausflugsziele der Gemeinden Appel, Moisburg, Hollenstedt und Wenzendorf liegen.

Die Gemeinderäte in Hollenstedt, Appel, Drestedt und Wenzendorf erwägen, aus dem Projekt auszusteigen. Allein der Gemeinderat Moisburg hat sich dafür ausgesprochen, das Angebot fortzusetzen. „Voraussetzung für uns ist jedoch, dass sich die bisher beteiligten Gemeinden innerhalb der Samtgemeinde Hollenstedt ebenfalls weiter daran beteiligen. Danach sieht es momentan leider nicht aus“, sagt Moisburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Steffens. Sein Kollege Reinhard Kolkmann aus Appel bestätigt: „Der Rat hat mehrheitlich beschlossen, den Regionalpark-Shuttle nicht über die dreijährige Probephase hinaus im Jahr 2014 mitzufinanzieren. Wenn der Shuttle nicht mehr durch die Gemeinde Appel fährt, bedeutet dies allerdings keinerlei Verzicht, denn der Zuspruch tendierte nach den Beobachtungen eigentlich gegen Null.“

Die Gemeinden wollen lieber in ein Anruf-Sammeltaxi investieren

In Wenzendorf ist die Entscheidung noch nicht gefallen, hier will man abwarten, was die anderen Gemeinden tun. „Wir sind aber verärgert über das Regionalparkmanagement, weil es keine detaillierten Fahrgastzahlen vorgelegt hat. Wenn es sich um ein Pilotprojekt handelt, sollten damit normalerweise entsprechende Auswertungen verbunden sein“, sagt Bürgermeister Manfred Cohrs. Dieser Meinung schließt sich Hollenstedts Gemeindebürgermeister Jürgen Böhme an: „Wir können die Zahlen nicht nachvollziehen. Unsere Beobachtungen zeigen, dass der Bus meist leer ist.“ Das Geld für die Beteiligung am Shuttle – pro Gemeinde 1200 Euro – wollen die Bürgermeister lieber für ein neues Anruf-Sammeltaxi ausgeben. „Davon haben die Bürger mehr“, glaubt Jürgen Böhme.

Thomas Wilken, dessen Büro „Kontor21“ mit dem Regionalmanagement beauftragt ist, widerspricht. „Das Argument, die Busse seien leer, stimmt so nicht. Es ist richtig, dass der Bus in den Randzeiten 9 Uhr und 18 Uhr wenig genutzt wird. Diese Fahrten fallen künftig weg, dafür wird die Saison wohl verlängert. Zudem planen wir eine Fahrgastbefragung.“ Die Zahlen zeigten, dass der Shuttle bekannter und mehr genutzt werde: „Bei den Personen haben wir gegenüber dem Vorjahr 80 Prozent Zuwachs, bei den Fahrrädern 110 Prozent.“ Auch sei nicht richtig, dass keine Zahlen im Detail vorliegen. „Der Vorstand hat aber beschlossen, dass diese nur intern genutzt werden.“ Das Kirchturmdenken der Hollenstedter Gemeinden sei nicht nachvollziehbar. „Dem Fahrgast ist doch egal, in welcher Gemeinde er sich aufhält. Wir würden uns freuen, wenn es ein Umdenken gäbe.“ Eine Veränderung der Linienführung nach dem ersten Jahr habe mehr Fahrgäste gebracht. „Diese Ergebnisse liegen den Bürgermeistern vor“, sagt Wilken.

Unverständnis daher bei den Betrieben entlang der Buslinie: „Ich bin beim Regionalpark von Anfang an dabei, ich verspreche mir davon etwas und stehe auch zum Shuttle“, sagt Sabine Küster-Ursic, Inhaberin des Hotel-Restaurants „Ferien auf der Heid“ in Eversen-Heide. „Der Shuttle hat uns noch keine Gästescharen gebracht, aber so etwas braucht eine Anlaufzeit. Inzwischen fragen viele Gäste nach dem Fahrplan.“ Sollte es dabei bleiben, dass der Bus künftig nicht mehr durch Hollenstedt fährt, müssten Kreis und Kommunen Alternativen im öffentlichen Personenverkehr bieten. Auch Carsten Vollmers, Inhaber des Ausflugslokals Appelbeck am See, ist verärgert. „Ich verstehe das überhaupt nicht. So etwas entwickelt sich nicht von heute auf morgen, auch der Heideshuttle hatte Anlaufschwierigkeiten. Der Rosengarten-Shuttle ist eine tolle Idee für die Region und wichtig für Leute, die nicht so mobil sind. Es geht nicht nur um Vorteile für die Gastronomie, die ganze Umgebung profitiert davon.“ Doch der Einfluss der Betroffenen ist gering: „Wir stehen hinter dem Shuttle und finden das Angebot gut. Aber es entscheiden nun einmal die, die das Projekt finanzieren müssen. Danach müssen wir uns richten“, sagt Marion Junker, Sprecherin des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Deren Außenstellen Moisburger Mühle und Museumsbauernhof Wennerstorf wären vom Wegfall der Buslinie betroffen.

Mehr Fahrgäste, wenn die Shuttle-Saison vorverlegt wird?

Bernd Oelkers, der mit seinem Hofcafé im Wenzendorfer Ortsteil Klauenburg binnen weniger Jahre ein beliebtes Ausflugsziel aufgebaut hat, will nicht so einfach aufgeben. „Ich bin im Gespräch mit dem Landkreis, ob es eine andere Lösung geben kann und will zu anderen betroffenen Betrieben Kontakt aufnehmen“, sagt Oelkers. Auch er meint, dass so ein Projekt eine längere Anlaufzeit braucht. Und er hat einen Verbesserungsvorschlag: „Vielleicht ist der Zeitraum, in dem der Bus fährt, nicht richtig. Statt Juli und August wären die Monate April bis Juni besser. Wir sind keine typische Urlaubsregion für die Sommerferien. Außerdem: Wer möchte bei 30 Grad Rad und Bus fahren?“ An seinem eigenen Betrieb sehe er, dass die Frühjahrsmonate besonders viel Zulauf bringen. „Ich würde mir wünschen, dass der Betrieb weitergeht, zumindest sollte die Testphase um ein, zwei Jahre verlängert werden.“

Sollte sich allein Moisburg für den Shuttle entscheiden, würde er die Ortschaft trotzdem nicht ansteuern, weil eine Linienführung, die alle anderen Teile Hollenstedts ausklammert, nicht möglich wäre. Auch das sieht Bernd Oelkers kritisch. „Wenn die Abstände zwischen den Haltestellen zu groß sind, haben die Fahrgäste das Gefühl, an den tollen Zielen vorbeizufahren.“ Ende des Monats wollen die Bürgermeister über das Thema Regionalpark beraten.