Harburg
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Doris Kunstmann will aufs Land

Der Film- und Fernsehstar sucht ein Zweifamilienhaus im Landkreis Harburg. Zurzeit spielt sie am Harburger Theater

Harburg. Die Schauspielerin Doris Kunstmann („Ein genialer Bluff“, „Tatort“, „Ein Fall für zwei“) plant, ihre Wohnung in Hamburg-Rotherbaum aufzugeben und aufs Land zu ziehen. Am liebsten käme sie wieder in den Landkreis Harburg zurück, sagte der Film- und Fernsehstar dem Abendblatt bei einem Gespräch am Harburger Theater. Dort spielt sie zurzeit die Hauptrolle in dem Familiendrama „Die Muschelsucher“ nach dem Roman von Rosamunde Pilcher.

Insgesamt neun Jahre hatte Doris Kunstmann bereits Ende der 1980er-Jahre und Anfang der 1990er-Jahre in einem Haus bei Klecken im Landkreis Harburg gelebt. Das seien die glücklichsten Jahre für ihren Sohn Marc gewesen, zu dem sie ein tolles Verhältnis habe. Das Leben auf dem Land stellt die 69-Jährige sich zusammen mit ihrem Sohn, dem Enkel und der Enkelin vor. „Ich bräuchte ein Zweifamilienhaus, in dem jeder seine Küche hat“, sagt die leidenschaftliche Köchin.

Dass sie in ihrer Geburtsstadt Hamburg nur ungern allein wohne, hatte Doris Kunstmann bereits der Zeitschrift „Das Neue“ anvertraut, als sie im Jahr 2011 in dem Musical „Sister Act“ mit großen Erfolg die „Mutter Oberin“ gab. Zwei Einbrüche in ihre Wohnung in den vergangenen zwei Jahren haben die Schauspielerin nicht gerade darin bestärkt, in dem noblen Stadtteil Rotherbaum zu bleiben. „Die haben sogar meinen 150 Kilo schweren Safe über den Balkon hinaus bugsiert“, sagt Doris Kunstmann.

Auf dem Land fühlt sich Doris Kunstmann wohl. Das sei auch in dem „bezaubernden Reetdachhaus“ in Seestermühe (Kreis Pinneberg) so gewesen, in dem sie gelebt hat, aber das sie ihrer Mutter zuliebe wieder aufgegeben hat. Bei soviel Landliebe fühlt sich die Schauspielerin auch in der aktuellen Kulisse des Harburger Theaters sichtlich wohl. Das mit nostalgischen Rosen bedruckte Bühnenbild steht abstrahiert für die prächtige Landschaft Cornwalls, wo Rosamunde Pilcher die Geschichte ihres Erfolgsromans „Die Muschelsucher“ angesiedelt hat. „Eine gelungene Lösung“, lobt Doris Kunstmann den Ausstatter. Denn eigentlich könne man ja gar nicht die Schönheit Cornwalls im Theater darstellen, sagt sie. Sie selbst kenne den Küstenlandstrich von Dreharbeiten her.

Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, die britische Bestsellerautorin habe der deutschen Diva die Rolle auf den Leib geschrieben. Doris Kunstmann spielt die alte Dame Penelope Keeling, die sich von ihren drei Kindern enttäuscht fühlt, es den Blagen noch einmal so richtig zeigt und am Ende ihres Lebens wahre Freundschaften findet. „Ich spiele die liebenswürdigste Person in dem Stück“, sagt Doris Kunstmann.

Das meist ältere Theaterpublikum in Harburg wird Parallelen zu Episoden des eigenen Lebens wiedererkennen und bewundernd zu der resoluten Mutter in Person Doris Kunstmanns aufschauen. Eine Parallele zwischen der Theaterfigur und ihrer Darstellerin ist unverkennbar: Doris Kunstmann wie Penelope hatten einen Ehemann, der sie um das gemeinsame Vermögen gebracht hat. „Während Doris Kunstmann drehte und Theater spielt wie verrückt („Ich musste ja Geld verdienen“), bewahrt Penelope ihr letztes Tafelsilber vor ihren Kindern: ein geheimnisvolles wertvolles Gemälde mit dem Namen „Die Muschelsucher“. Das Publikum bekommt es nie zu sehen.

Privat lese sie Romane von Rosamunde Pilcher nicht, verrät Doris Kunstmann. Wenn sie auf Tournee im Hotel übernachte, lese sie viel über Engel. „Ich bin esoterisch interessiert“, sagt sie. Doris Kunstmann lobt die Regiearbeit von Harald Weiler, dem es gelungen sei, die Stückfassung von Terence Brady und Charlotte Bingham ohne Kitsch und spannend zu inszenieren.

Nur vier Tage Zeit hatte das Ensemble am Harburger Theater Zeit, das Stück nach der Premiere in 2012 am Altonaer Theater wieder einzustudieren. Vier Schauspieler mussten neu integriert werden, für sie ist das Stück völlig neu. Nils Messner, Sprecher des Altonaer und Harburger Theaters, servierte Doris Kunstmann zur Stärkung sogar Pasta mit Sahne-Schinken-Sauce aus einem Harburger Restaurant, als die Theater-Gastronomie Ruhetag hatte.

Zu den Proben fuhr Doris Kunstmann übrigens selbst mit dem Auto. „Wenn man mich in eine U-Bahn steckt, komme ich nie an“, sagt sie. Den Stadtteil Harburg kennt sie ein wenig. Ihr Sohn Marc hatte hier die Gesamtschule Harburg besucht, wie die heutige Goethe-Schule damals hieß. Von der Parkplatznot im Harburger Zentrum ist Doris Kunstmann nicht betroffen. Ihr Vertrag beinhaltet eine Klausel, die ihr einen der wenigen exklusiven Parkplätze am Theater garantiert. Sie ist eben ein Star.

„Die Muschelsucher“ nach dem Roman von Rosamunde Pilcher, bis 2. März, Harburger Theater, Museumsplatz 2, Eintrittskarten (16 bis 32 Euro) unter Telefon 040/428 71 36 04