Harburg
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Finanzchaos führte in die Pleite

Trotz eines prominent besetzten Beirates konnte das Frauenkulturhaus Harburg nicht gerettet werden

Harburg. Wer die Homepage des Frauenkulturhauses Harburg besucht, findet dort auf der virtuellen Pinnwand einen gelben Zettel. Mit ihm werden werden weitere qualifizierte Honorarkräfte für Kurse in den Bereichen Kreatives, Bewegung, Sprachen und Gesundheit gesucht. In Wahrheit steht das gesamte Angebot des traditionsreichen Hauses in der Neuen Straße 59 seit dem Jahreswechsel infrage.

Wie bereits berichtet, hat der Trägerverein am 30. Dezember des Vorjahres Insolvenz angemeldet, nachdem die Verwaltung erhebliche Rückforderungen von Zuwendungen veranlasst hatte. Nur wenige Tage später zog das Bezirksamt auch seine Zuwendungsbescheide für 2014 in einem Gesamtvolumen von etwa 240.000 Euro zurück. Begründung: Mit dem Insolvenzantrag hätte der Trägerverein Frauenkulturhaus Harburg e.V. aufgehört zu existieren.

„Falsch“, sagt Rechtsanwältin Dr. Birthe Vietze, die eingesetzte Insolvenzverwalterin. Sie hält die Rückziehung der Zuwendungsbescheide für rechtswidrig. Fragwürdig erscheint aus Sicht von Heinke Ehlers, Vorstandsmitglied des Trägervereins, auch die Aussage von Sozialdezernent Holger Stuhlmann in der Bezirksversammlung, die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen würden weiter beschäftigt. „Kann schon sein, dass Herr Stuhlmann öffentlichkeitswirksam wünscht, die beiden Frauen sollten ihren Job behalten. Wie das aber funktionieren kann, sagt er nicht“, so Heinke Ehlers. Vielmehr habe das Bezirksamt alles getan, um die Situation weiter zu verschärfen.

Dass es im Trägerverein viele Probleme gibt, wurde bereits 2011 offenbar. Schon da sei die Abwicklung des Frauenkulturhauses für die Verwaltung ein ernsthaftes Thema gewesen, sagt Heinke Ehlers: „Gescheitert ist das Vorhaben jedoch am Veto der Bezirkspolitik.“

Im Ergebnis der Krisengespräche gab es nicht nur Auflagen für den Trägerverein. Es wurde zudem ein Beirat eingerichtet, in dem auch Vertreter der Verwaltung und der Parteien saßen, unter anderem Holger Reinberg, Leiter des Fachamts für Sozialraummanagement, und Barbara Levy von der SPD. Die grundlegenden Probleme bei der Führung des Frauenkulturhauses aber wurden nie gelöst.

„Als ich mich Ende 2012 bereit erklärte, in den Vorstand des Vereins einzutreten, gab es nicht wenige, die mich davor warnten“, so Heinke Ehlers. Schnell sei ihr auch klar geworden, warum: „Es gab dort niemanden, der sich auf dem schwierigen Feld des Zuwendungsrechts wirklich auskannte. Doch genau das wäre nötig gewesen, um die komplizierte Struktur des Hauses professionell managen zu können.“

Kernproblem ist das Drei-Säulen-Modell des Frauenkulturhauses. Es bietet Beratung und Information für Frauen (BIFF), ebenso diverse Kulturangebote, wie einen offenen Mädchentreff. Diese gewollte Vielfalt trug aber faktisch schon den Keim des Scheiterns in sich. „De facto gab es immer gravierende Probleme bei der Abrechnung, weil bestimmte Leistungen durch die zweckgebundenen Zuwendungsbescheide nicht abgedeckt waren“, erklärt Heinke Ehlers. Eine Einzelbelegprüfung, der sich alle freien Träger regelmäßig unterziehen müssen, führte letztlich dazu, dass das Bezirksamt Zuwendungen zurück forderte. Weil zum Beispiel die bis zu 25 Honorarkräfte aus Mitteln bezahlt worden sind, die dafür nicht vorgesehen waren.

Das sorgte zunehmend für Unruhe. Und zu offenen Vorwürfen gegen den Vorstand. Als einer langjährigen hauptamtlichen Mitarbeiterin 2011 gekündigt wurde, was in einen kostspieligen Arbeitsrechtsprozess mündete, geriet der Verein endgültig in eine aussichtslose finanzielle Schieflage.

Die Finanzierung des Vereins stand aber von Beginn an auf tönernen Füßen. Ein wesentliches Standbein, nämlich die Gastronomie im Erdgeschoss, brach schon mit der Entscheidung des Vermieters, der Stiftung Denkmalpflege, weg, eine Küche ohne Fettabscheider einzubauen. Überdies war die Konkurrenz durch die Restaurants in der benachbarten Lämmertwiete allzeit übermächtig. Heinke Ehlers: „So blieben die Mitgliedsbeiträge und Einnahmen aus der Parkplatzvermietung die einzigen echten Geldquellen. Dieses Konzept war zum Scheitern verurteilt.“

Wie es mit dem Frauenkulturhaus jetzt weiter geht, weiß zur Stunde niemand. Geplant sei ein Notbetrieb – Finanzierung unklar. „Einen Träger für alle drei Bereiche zu finden, ist so gut wie aussichtslos“, sagt Heinke Ehlers. So scheint das Ende des Kulturhauses in seiner jetzigen Struktur besiegelt.