Moorburg

Nach Großalarm: Einsatz im Kohlekraftwerk dauert an

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Denis Fengler und André Zand-Vakili

Im Kohlebunker des Steinkohlekraftwerks in Moorburg wird weiterhin ein Brand vermutet. Mehrere Tonnen Kohle wurden bislang umgeschichtet. Rund 20 Feuerwehrleute sind nach wie vor im Einsatz.

Moorburg. Nachdem sich am Freitagabend im Lagerraum des neuen Steinkohlekraftwerks ein Zwischenfall ereignet hatte, dauerten am Samstag die Arbeiten an. Im Kohlebunker werde weiterhin ein Brand vermutet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Kohle werde deshalb zunächst weiter umgeschichtet. 20 Feuerwehrleute seien im Einsatz. Wann die Feuerwehr abrücken kann, war zunächst unklar. Die abgelöschte Kohle sollte auf ein Schiff geladen und nach Brunsbüttel gebracht werden, die noch verwendbare im Kraftwerk verbleiben.

„Es wurden erhöhte Kohlenmonoxid-Werte gemessen“, hatte ein Feuerwehrsprecher am Freitagabend gesagt. Etwa 50 000 Tonnen Kohle hatten sich nach Angaben von Betreiber Vattenfall in dem Lager befunden; die Feuerwehr sprach von 70 000 Tonnen. „Wir gehen davon aus, dass es dort lokal brennt, glüht, was auch immer“, sagte ein Sprecher am Freitagabend. Nach Angaben der Feuerwehr bestand keine Gefahr für Umwelt und Bevölkerung.

Wie die Sprecherin des Energiekonzerns, Barbara Meyer-Bukow, gegenüber dem Abendblatt bestätigte, waren die Temperaturen in dem Lager bereits in den vergangenen Tagen kontinuierlich gestiegen. Daraufhin seien bereits in einem ersten Schritt 15.000 Tonnen Kohle auf dafür vorgesehene Freiflächen auf dem Kraftwerksgelände umgeschichtet worden. Das Problem verschwand dadurch jedoch nicht: Als am Freitag die Kohlenmonoxidwerte in die Höhe schnellten, habe man die Feuerwehr zur Hilfe gebeten.

Die Messungen des Umweltdienstes der Feuerwehr, die mit zwei Löschzügen und mehreren Messfahrzeugen zum Kraftwerk im Hafen eilte, bestätigten die Befürchtungen der Kraftwerksbetreiber. So sollen die Temperaturen in bestimmten Teilen, in sogenannten Wärmenestern, bereits fast 70 Grad Celsius erreicht haben, sagte Sprecherin Meyer-Bukow. Generell seien hohe Temperaturen im Kohlelager nicht ungewöhnlich, auch wenn etwa 30 Grad im Kern der Kohle normal seien. Ab 80 Grad steige jedoch die Entzündungsgefahr deutlich an.

Um die Temperatur im Lager zu senken, hat Vattenfall an der Rückwand des Lagers ein zusätzliches Tor geöffnet, das normalerweise geschlossen ist. Außerdem werde die Kohle von einer Befeuchtungsanlage besprüht. Zudem sollen weitere Tausende Tonnen Kohle aus dem Bunker geholt werden, um zu den erhitzten Stellen zu gelangen. Dafür ist neben der Feuerwehr auch das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz. Am Freitagnachmittag begannen THW-Kräfte damit, Kohle mit Radladern aus dem Lager zu schaffen. Die Arbeit ist äußerst mühsam und nur mit Atemschutz möglich.

Insgesamt sollen bis zu 5000 Tonnen Kohle umgeschichtet werden, was noch bis Sonntag dauern dürfte. Die Feuerwehr hält sich in dieser Zeit bereit, um sofort eingreifen zu können, sollte ein Schwelbrand entdeckt werden. Ob in dem riesigen Kohleberg bereits ein Brand schwele, oder die erhöhten Temperaturen allein auf den Oxidationsprozess der Kohle oder eine Wärmeentwicklung aufgrund des hohen Drucks im Kohleberg zurückzuführen seien, könne erst gesagt werden, wenn die Wärmequellen freigelegt seien, sagte Feuerwehr-Sprecher Manfred Stahl.

Nach Angaben von Vattenfall lagert die Kohle bereits seit mehreren Monaten in dem Bunker, da sie noch nicht gebraucht wird. Die Anlage befindet sich noch im Erprobungsbetrieb.

( (mit Material von dpa) )

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