Kommentar

Eine Frage der Ehre

Die Menschen im Kreis Harburg werden sich daran gewöhnen müssen, dass sich weltweite Krisen in ihrem Leben stärker auswirken.

Menschen, die vor Krieg und Verfolgung, vor Repressalien aus politischen Gründen oder schlicht vor der Armut flüchten, kommen häufiger nach Deutschland. Nach den Vorstellungen vieler ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Zumindest aber eine Region, in der ihre Rechte als Menschen ernst genommen werden.

Um dies deutlich zu sagen: Diese Ausländer kommen nicht freiwillig, sondern weil ihnen ihrer Überzeugung nach keine andere Möglichkeit bleibt. So gesehen ist es ein Kompliment für Deutschland und seine Rechtsordnung, dass sich Flüchtlinge für unser Land entscheiden.

Es wird in jedem Einzelfall zu beurteilen sein, wer länger bleiben darf und wer zurückgeschickt wird. Aber nach der Ankunft geht es erst einmal darum, sich um die Menschen zu kümmern, die alles hinter sich gelassen haben. Dazu gehört, ihnen eine Unterkunft zu geben, aber auch auf sie zuzugehen und sie nicht auszugrenzen. Natürlich soll jeder Bürger wissen, was die Verwaltung plant und wo die neuen Nachbarn auf Zeit künftig wohnen werden. Das Wissen aber sollte dazu dienen, Kontakte aufzubauen statt ängstlich und verärgert darüber nachzusinnen, welch schreckliche Dinge passieren könnten.

Die Stärke einer freien Gesellschaft erweist sich auch darin, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Dass die Bürger des Kreises hier vorbildlich agieren, ist eine Frage der Ehre.