Harburg

Hamburgs neuer Musikclub an der Elbe

Immer freitags geben Bands in der Harburger Inselklause intime Akustik-Konzerte

Harburg. 200 Menschen wollten den Singer und Songwriter Dennis Adamus bei seinem Konzert am Harburger Elbufer hören. 150 Fans ließen sich dort die musikalische Lesung mit Rocksängerin Jutta Weinhold nicht entgehen. Die Inselklause auf der Pionierinsel in Harburg-Neuland ist Hamburgs neuer Live-Musikclub an der Elbe. Immer freitags, von 18 bis 21 Uhr, geben Musiker am Schweenssand-Hauptdeich intime Akustik-Konzerte - und das bei freiem Eintritt. Am Sonnabend, 20. Juli, präsentiert die Inselklause sogar einen ganzen Tag lang bis Mitternacht verschiedene Bands. Dann hat das Inselfestival Premiere.

Andreas Koenecke heißt der Mann, der die Live-Musik an die Süderelbe bringt. Dazu arbeitet der 48-Jährige mit Heimo Rademaker, Musiker, Tontechniker und Chef des Harburger Musikclubs Marias Ballroom, zusammen. Rademaker habe die Kontakte und treffe eine Vorauswahl. "Ich wähle dann aus, was speziell für die Inselklause passend ist", erklärt Koenecke, wie die Zusammenarbeit beim Booking funktioniert. Rademaker und er seien schon ewig Freunde.

Andreas Koenecke betreibt die Inselklause seit Ostern. In den 1990er-Jahren hat er in der Rockband Ten Eyes Only Gitarre gespielt. Heute gibt Andreas Koenecke Bands eine Bühne - und was für eine: Geschützt von einem Zeltdach blicken die Musiker auf das Flusspanorama der Süderelbe. Segelboote, Schuten und kleine Frachtschiffe fahren an der Pionierinsel vorbei. Das Donnern der S-Bahnzüge von den nahe gelegenen Süderelbebrücken sorgt für kurze, ungewollte Basssequenzen.

Jeweils am Freitag ist die Inselklause ein Musikclub. Drei Stunden lang gibt es Live-Musik. Um 21 Uhr ist Schluss. Das ist eine behördliche Auflage, weil die kleine Holzgaststätte in einem Naturschutzgebiet liegt. In dem für Pistengänger ungewohnt frühen Ende sieht der Inselklause-Chef kein Problem. In nur wenigen Minuten erreichen seine Gäste mit dem Linienbus den befreundeten Club Marias Ballroom. Dort beginnen die Konzerte um 22 Uhr.

Für das erste Inselfestival hat Harburgs neuer Musikclub eine Sondergenehmigung eingeholt. Die wird er auch im September erhalten, wenn die Inselklause bei der Sued-Kultur Music Night, die Nacht der Clubs im Hamburger Süden, die Landkarte der Harburger Clubkultur erweitert.

An den übrigen Öffnungstagen (Montag ist Ruhetag) ist die Musikbar am Elbufer vor allem eine Fischgaststätte. Mit seinem Stremellachs hat sich Andreas Koenecke einen Namen gemacht. "Ich habe ein Geheimrezept mit neun verschiedenen Kräutern", sagt er. Es stammt von einem Portugiesen. "Er sagte, wenn du meine Tochter küssen willst, musst du Fisch probieren", erzählt Andreas Koenecke. Und weil man den Vater der Freundin nicht vergrätzt, lernte er als junger Mann, den Fisch zu lieben. Zuvor habe er nur Barsch, und den eher widerwillig, gegessen, fügt Andreas Koenecke seiner Anekdote noch eine Nuance hinzu.

Was ein Fisch-Gastronom wissen muss, lernte der gebürtige Heimfelder auf der Nordsee vor der niederländischen Küste. Andreas Koenecke bewirtete auf einem 27 Meter langen Plattbodenschiff die 20 bis 30 Gäste an Bord.

Das Bier aus dem Zapfhahn der Inselklause ist eine beinahe verschwundene Hamburger Spezialität. Das dunkelgoldene "Bergedorfer Bier" war im 19. Jahrhundert eine Erfolgsmarke und wurde bis 1914 gebraut. Einige Mitarbeiter der Holsten Brauerei haben es wiederentdeckt

Musikclub, Fischgaststätte, Café - der Clubchef vom Deich fügt seiner Inselklause noch ein weiteres Attribut hinzu: "Ich will eine Begegnungsstätte für Leute aus der Stadt und vom Land sein", sagt er. Deshalb verlange er auch keinen Eintritt zu den Konzerten.

Der Heimfelder ist an das Elbeufer gekommen, um zu bleiben. Auf der Pionierinsel ist das ein Problem, weil das Hochwasser im Winter in der Regel türhoch steigt. Vor allem die Elektrik und die Veranstaltungstechnik gerieten in Gefahr. Deshalb möchte der Clubwirt die 1958 gebaute Holzhütte hochwasserfest machen. "Man könnte sie auf eine alte Schute heben oder auf Stelzen stellen", sagt er. Damit er investieren kann, hofft Andreas Koenecke, von seinem Vermieter, der Hamburg Port Authority, möglichst schnell einen langfristigen Vertrag zu erhalten.