Neugraben

Anwohner: "Unser Freibad muss bleiben!"

Die Finanzierung des Neugrabener Freibades ist nicht gesichert. Für Kinder im Quartier ist es der Treffpunkt im Sommer. In dieses Freibad könne man seine Kinder auch mal allein hinschicken.

Neugraben. Johannes ist der ungekrönte "Arschbomben-König". In den Ferien kommt der sieben Jahre alte Junge jeden Morgen mit seiner Oma ins Freibad Neugraben. Und wenn gegen Mittag andere Kinder kommen, findet Johannes sofort Anschluss. Das Freibad ist klein, die Kinder kennen sich, ebenso wie die Erwachsenen. Seit vielen Jahren schon steht die Existenz des Freibades auf dem Spiel, denn weder Stadt noch Bezirk Harburg wollen oder können den Fortbestand des Bades auf Dauer garantieren. Inzwischen hat zwar die Bäderland GmbH die Trägerschaft für das kleine Freibad übernommen. Aber die Zusage, den Zuschussbetrieb auf Dauer zu finanzieren, gibt es nicht.

"Ich habe Haus und Garten, zur Not könnte ich mir auch einen Pool in den Garten stellen. Aber ich komme mit meinem Enkel hier her, wenn er in den Ferien bei mir zu Besuch ist. Es ist wichtig, dass dieses Bad erhalten bleibt. Denn für viele Kinder, die hier leben, ist es in den Ferien tatsächlich die einzige Attraktion. Es gibt hier sonst nichts anderes", sagt Marlen Stubbe und sieht ihrem Enkel dabei zu, wie er auf der Rutsche ins Wasser rutscht. Das Neugrabener Freibad, sagt die Rentnerin aus Neugraben, sei zwar im Vergleich zu anderen Bädern unmodern. Es biete aber alles, was ein Freibad Kindern bieten solle. "Sie können toben, schwimmen, rutschen und sich ein Eis kaufen. Und die Toiletten, Duschen und Umkleidekabinen sind wirklich sehr sauber. Es wäre bitter, wenn dieses Bad schließen müsste", sagt Marlen Stubbe.

Auf der Liegewiese des kleinen Freibades hat Stefan Franke aus Neugraben gerade für seine beiden Kinder Leonie, 8, und Lukas, 5, die Strandmuscheln aufgebaut. Da rennen die beiden schon mit ihren Taucherbrillen los zum Schwimmbecken, um mit den anderen Kindern im Wasser zu toben. Franke ist hier im Quartier zur Welt gekommen und aufgewachsen. Schon als kleines Kind ist er hier ins Neugrabener Freibad gekommen. Jetzt geht Franke mit seinen Kindern im Sommer ins Freibad, und wenn er rechtzeitig Feierabend hat, dann auch schon mal abends. "Natürlich haben wir die Befürchtung, dass das Bad geschlossen wird. Die Mitarbeiter von Bäderland haben zwar die abgeblätterte Farbe an den Beckenrändern abgekratzt, aber die Becken nicht neu gestrichen. Da kann man schon auf den Gedanken kommen, dass das hier nichts für die Ewigkeit ist", sagt Franke.

In dieses Freibad könne man, so Franke, seine Kinder auch mal allein hinschicken. Sie seien nicht lange mit dem Fahrrad, der Bahn oder dem Bus unterwegs, und er als Vater müsse sich keine Sorgen machen, dass hier etwas passiere. Neuwiedenthal und Neugraben seien eben Stadtteile mit sozialen Brennpunkten. Viele Menschen lebten hier, sagt Stefan Franke, die keine Arbeit hätten, dementsprechend sehr sparsam mit ihrem Geld umgehen müssten. "Für diese Leute ist es kaum machbar, mit ihren Kindern nach Harburg oder nach Neu Wulmstorf in die nächstgelegenen Freibäder zu fahren. Die Eintrittspreise dort sind höher als hier, und für manche Familie sind sogar schon die Fahrtkosten unerschwinglich. Ein Freibadbesuch mit der ganzen Familie wird da schon zum Luxus", sagt der Neugrabener.

1988 sei das Freibad schon mal geschlossen worden, erinnert sich Georg Peters. Schon damals sei das Bad für die Stadt nicht mehr finanzierbar gewesen. Erst massiver Protest von Peters und seinen Mitstreitern - Peters ist seit vielen Jahren Mitglied im Förderverein - habe damals dazu geführt, dass die Hamburger Wasserwerke das Freibad wieder geöffnet hätten. "Seitdem kämpfen wir nun schon für den Erhalt dieses Schwimmbades, das so wichtig für die Kinder aus den umliegenden Siedlungen ist. Die meisten Eltern hier können es sich doch gar nicht leisten, mit ihren Kindern in die Ferien zu fahren. Auch viele Rentner wie wir kommen her, um zu schwimmen", sagt Peters. Bäderland habe zwar, so Peters, die Eintrittspreise erhöht, zeige sich aber dem Förderverein gegenüber absolut kooperativ. Der Verein könne alle geplanten Aktivitäten wie Mondschein-Baden oder Schwimmunterricht weiter durchführen. "Unsere Vorsitzende Beate Pohlmann und ihre Gesprächspartnerin von Bäderland führen intensive Gespräche, und wir merken, dass Bäderland Interesse an unserem Engagement hat", sagt Peters.