Neugraben

Katholische Schule: Container für den Krisenherd

Die Ängste wachsen: Eltern bangen um Standort der Katholischen Schule Neugraben. Seit Jahren fehlen Sporthalle und Mensa.

Neugraben. Die Klassenzimmer an der Katholischen Schule Neugraben (KSN) sind weit mehr als nur Räume zum Lernen. Erst- und Zweitklässler nutzen sie auch schon mal zum Sportunterricht und Mittag gegessen wird dort ohnehin. Das geht nun schon seit Jahren so, ohne dass sich an der Situation irgendetwas geändert hätte. Mit dem Unmut wachsen auch die Ängste: Ist der Standort unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch haltbar?

Diese Ungewissheit treibt immer mehr Eltern um. Das wird unter anderem durch den Umstand deutlich, dass sich neben dem offiziellen Elternrat im Vorjahr ein Arbeitskreis KSN(plus) gegründet hat, der sich speziell der "zukunftsorientierten Weiterentwicklung" der Schule verschrieben hat. Initiator und Motor ist der Unternehmer Thomas Hartwig. Seit Tochter Luisa, 7, die KSN an der Cuxhavener Straße 379 besucht, verfolgt er intensiv die Rahmenbedingungen für den Unterricht - und mag sich mit den fragwürdigen Zuständen nicht mehr abfinden.

"Wir sind mit 750 Schülern der viertgrößte Standort des Katholischen Schulverbands Hamburg. Doch während in der jüngeren Vergangenheit in Billstedt und Blankenese Neubauten verwirklicht wurden und aus Denkmalschutzgründen 350.000 Euro in Sanierungsmaßnahmen am Turm des Stensen-Gymnasiums flossen, werden wir hier immer nur vertröstet", sagt Hartwig. Für ihn zeige sich darin auch fehlende Wertschätzung. "Schüler, Lehrer und Eltern haben nicht verdient, dass die Schule irgendwann auf der Streichliste landet", so Hartwig.

Anlass für seinen neuen Vorstoß ist die Schuloffensive, die Mitte 2012 vom Katholischen Schulverband ausgerufen worden ist. So sollen in den nächsten Jahren 50 bis 80 Millionen Euro in umfangreiche Bauvorhaben an den insgesamt 21 katholischen Schulen des Erzbistums investiert werden. Doch wie viel Geld wohin fließt, ist längst noch nicht entschieden.

Die Probleme an der Katholischen Schule Neugraben sind vielfältig und gravierend. Die ältesten Bauten entstanden vor mehr als 80 Jahren, die jüngeren vor über 60 Jahren. Die Bausubstanz ist entsprechend angegriffen, viele Fenster sind nur einfach verglast. Die KSN verfügt über keine eigene Sporthalle und keine Mensa. Zwar gibt es auf dem Schulgelände eine Sporthalle, doch deren Nutzung ist laut Vertrag mit der Stadt noch bis zum Schuljahr 2015/16 den Schülern des (staatlichen) Gymnasiums Süderelbe vorbehalten.

So müssen Erst- und Zweitklässler in den Saal des Gemeindehauses An der Falkenbek ausweichen, die älteren Schüler in die zwei Kilometer entfernte Uwe-Seeler-Halle auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger-Kaserne. Die Nutzungsgenehmigung für den Gemeindesaal war 2012 eigentlich ausgelaufen, konnte aber jetzt um ein Jahr verlängert werden. Die Seeler-Halle lässt sich laut Hartwig im Winter kaum auf 15 Grad erwärmen. Überdies gehe immer viel Zeit für den Transfer verloren, der für die jüngeren Schüler von der Schule aufwendig organisiert werden muss. Und auch der versprochene Spielplatzneubau lässt weiter auf sich warten.

Der Katholische Schulverband zeigt Verständnis dafür, dass es in Neugraben rumort. "Wir sind uns bewusst, dass hier Entscheidungen anstehen", sagt Sprecher Christoph Schommer. Welche Investitionen möglich seien, könne aber frühestens Ende April festgelegt werden, wenn das Erzbistum über die Gesamtplanung entscheide. Überdies gebe es konstruktive Gespräche mit der Stadt über eine Kostenbeteiligung.

In Sachen Mensa rechnet Schommer unterdessen mit einer raschen Interimslösung schon in diesem Sommer: "Zum neuen Schuljahr 2013/14 soll ein zweigeschossiger Containerkomplex stehen, in dem Speisesaal und Küche Platz finden. Das ist natürlich auch im Hinblick auf die Ganztagsbetreuung wichtig, die Anfang des laufenden Schuljahrs gestartet ist und wachsenden Zuspruch verzeichnet."

Darin sieht auch der kommissarische Schulleiter Wolfgang Pickartz einen zusätzlichen Knackpunkt. "Der GBS-Betrieb ist momentan mit einem hohen Improvisationsaufwand verbunden, der so auf Dauer kaum leistbar ist", sagt er. Der Verband müsse nun deutliche Zeichen setzen und das Generalvikariat zu schnellen Entscheidungen kommen. Dass ihm Vorgängerin Christa Maria Herrero ein schweres Erbe hinterlassen habe, wollte er so zwar nicht bestätigen, räumte aber eine "schwierige Situation" mit den Räumlichkeiten ein: "Dach, Fenster, Fassaden - es gibt einen gewaltigen Sanierungsstau. Fast noch wichtiger sind jedoch Sporthalle und Mensa. Wir haben einen sehr hohen Investitionsbedarf, da gibt es gar nichts zu beschönigen."

Noch aber seien die Anmeldezahlen konstant hoch, eine "Abstimmung mit den Füßen" habe noch nicht eingesetzt. "Das zeigt, dass wir als Schule vieles richtig machen müssen und damit ein positives Aushängeschild für den Katholischen Schulverband sind", so Pickartz. Die KSN befinde sich zwar in einer gewissen Randlage, sei für den Stadtteil aber von großer Bedeutung: "Ich denke, wir haben unsere Position klar gemacht und gezeigt, dass wir auch bereit sind zu kämpfen."

Dabei erhält die Katholische Schule zunehmend auch Unterstützung durch diverse Bezirkspolitiker. Neben dem CDU-Bürgerschaftsabgeordneten André Trepoll und Harburgs CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer ist auch Heinz Beeken von der SPD auf den "Krisenherd KSN" aufmerksam geworden. "Ich denke, es ist an der Zeit, dass nicht nur schwarzer oder weißer Rauch aufsteigt, sondern wirklich was passiert", sagt Elternvertreter Thomas Hartwig in Anspielung auf die jüngste Papstwahl. Und verspricht weiteren Druck aufs Erzbistum, sollte in naher Zukunft nichts passieren.