Finkenwerder

"In meinen Krimis watet man nicht im Blut"

In einer Kurzkrimi-Werkstatt an der Volkshochschule Harburg erklärt die Autorin Cäcilia Balandat, wie man eine Mordgeschichte schreibt

Finkenwerder. "Tatort" oder "Kommissar Wallander"? In der Glaubensfrage unter Krimifans kommt bei Cäcilia Balandat, 49, die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Lieber 'Tatort'", bekennt die Krimiautorin aus Finkenwerder. In den oft brutalen skandinavischen Krimis gehe es mehr um die Methode des Mordes. Im "Tatort", dem Flaggschiff des deutschen Fernsehkrimis, dagegen stehe die Motivation zu den Morden im Mittelpunkt. Genau wie bei Balandats Ermittlerin Celia Dörfner, die im Alten Land Verbrecher jagt.

"Bei mir watet man nicht in Blut", sagt die Krimiautorin. Sie gibt dem privaten Leben ihrer Kommissarin, die gar nicht zufällig wie sie selbst aus Köln stammt, viel Platz. Die Entwicklung des Charakters ist erwünscht. Und da jetzt die Glaubensfrage beantwortet ist, erleichtert es jedem die Entscheidung, ob er bei Cäcilia Balandat in die Krimischule gehen möchte. Die Autorin leitet Anfang April eine Kurzkrimi-Werkstatt - ein neues Angebot der Volkshochschule in Harburg. Wer mit dem Gedanken spielt, selbst Spannendes zu Papier zu bringen, bekommt von Cäcilia Balandat an insgesamt drei Tagen eine Handlungsanleitung für das Krimischreiben.

Am Ende der insgesamt 17 Unterrichtsstunden soll ein drei bis vier Seiten langer Kurzkrimi stehen. Ihren Crash-Kursus für Mordgeschichten eröffnet Cäcilia Balandat mit einer Lesung aus ihrem eigenen Krimi "Wort Gottes". Darin muss Kommissarin Dörfner den Mord an einem Kirchenvorstandsmitglied aufklären. Aber wie schreibt man nun einen Krimi?

Eine Werkstatt bedeutet Arbeit. In einer Krimiwerkstatt zerbrechen sich die Teilnehmer den Kopf, wie sie möglichst fantasievoll einen Menschen um die Ecke bringen. Bei Krimis gehe es darum, einen spannenden Plot zu entwickeln, sagt Cäcilia Balandat. Während sich beim Schreiben die Charaktere der Protagonisten durchaus entwickeln dürfen, muss der Handlungsrahmen feststehen. Vor dem ersten Kapitel steht also ein grobes Skript. Ein Krimiautor muss vorher wissen, wo sein Fall hinführt und was am Ende herauskommt.

Fernsehkrimis überfluten uns täglich mit immer perfideren Mordideen. Den Kommissaren sind Privatschnüffler, neugierige Staatsanwälte, ermittelnde Richter und Gerichtsmediziner, ja sogar Kriminalhistoriker und rechtschaffene Nonnen als Hauptdarsteller gefolgt, um dem Krimigenre etwas Neues hinzuzufügen. Bei dieser Reizüberflutung dürfte es immer schwerer fallen, einem Plot dem noch nie da gewesenen Schuss Originalität zu verpassen.

Woher also die Ideen nehmen? Cäcilia Balandat empfiehlt die Zeitungslektüre. "Es gibt darin so viele Geschichten, aus denen man etwas konstruieren kann", sagt sie. Bestattungsanzeigen zum Beispiel eigneten sich als Stoff für Mordgeschichten. Ein Kind, das trauert, könnte der Ausgangspunkt eines Krimis sein. "Wer bereit ist, etwas weiterzuspinnen, eröffnet sich unendliche Möglichkeiten", sagt die Autorin.

Cäcilia Balandat hat viele Jahre im Alten Land gelebt. Ihre Kommissarin Celia Dörfner, stammt wie ihre Schöpferin aus Köln. Die Autorin lässt ihre Mordgeschichten dort spielen, wo sie sich auskennt. Das empfiehlt sie auch angehenden Krimiautoren. Es sei wichtig, die Mentalität der Menschen zu kennen, über deren Umfeld man schreibt. Wer seine Handlung nach Harburg verlegt, sollte sich deutlich machen, welche Mentalitäten man den Harburgern im Verhältnis zu anderen Hamburgern nachsagt.

Ein Krimiautor muss sich Gedanken um Details machen, bevor er seine Geschichte in die Tastatur gibt. Die Jahreszeit, in der die Handlung spielt, ist so ein Detail. "Sie ist wichtig", mahnt Cäcilia Balandat zur Sorgfalt, "denn ich muss ja das Umfeld beschreiben." Im Winter, fügt sie hinzu, könne eine Ernte nicht verregnen.

Cäcilia Balandat rät Autoren, eine Liste mit den Charaktereigenschaften der Protagonisten anzulegen. "Wenn ich nicht weiß, dass meine Ermittlerin Mitte 30 ist, habe ich keine Möglichkeit, sie zu beschreiben", erklärt sie. Der Staatsanwalt in ihren Geschichten ist der Sohn eines Diplomaten. Ihn präge natürlich, dass er viel in der Welt herumgekommen ist. Wer einen Krimi schreibt, muss sich Gedanken machen, aus welchem Umfeld die Protagonisten stammen und wie sie aussehen.

Was braucht ein Krimi auf den ersten Seiten? "Atmosphäre", sagt Cäcilia Balandat. Ihren zweiten Roman "Verratendes Dorf" lässt sie mit der Vorbereitung des Mordes beginnen. Anders geht sie in dem Nachfolger "Wort Gottes" vor. Der erste Satz lautet: "Wir wollen die Vorstandssitzung eröffnen" und dürfte bei Literaturkritikern für Entsetzen sorgen. Die Krimiautorin wirft ihre Leser damit aber in die ihnen meist unbekannte klerikale Welt einer Kirchengemeinde auf dem flachen Land - und schafft Atmosphäre.

Mehr als 10 000 Exemplare ihres Debütkrimis "Tatort Altes Land" hat Cecilia Balandat verkauft. Das gilt in der Buchbranche als außerordentlich erfolgreich.

Ein Irrglaube sei aber, dass sie trotz der mittlerweile vierten Auflage davon leben könne. Die Krimiautorin arbeitet als Angestellte an der Stadteilschule in Finkenwerder und schreibt in der Freizeit. "Ein Autor", sagt sie, "verdient am wenigsten an seinen Büchern." Da bekommt die Buchbranche gleich etwas von einem Tatort.

Kurzkrimi-Werkstatt an der Volkshochschule in Harburg mit der Autorin Cäcilia Balandat, Freitag, 5. bis Sonntag, 7. April, Fr. 18 bis 20.15 Uhr, Sa. 10 bis 17 Uhr, So. 10 bis 15 Uhr, Preis: 68 Euro, Telefon 040/428 88 62 0.