Neugraben-Fischbek

Die Post kommt - aber nicht immer

Wegen des hohen Krankenstands bei den Zustellern bleiben Briefe und Pakete tagelang liegen

Neugraben-Fischbek . Mal kommt sie, mal kommt sie nicht. Und montags kommt sie meistens nicht. Die Rede ist von der Post im Bezirk Harburg. Seit 2008 hätten er und seine Nachbarn im Scheideholzhang 26 das Problem mit der Post, die Tage zu spät in den Hausbriefkästen lande, erzählt Reiner Böttcher aus Neugraben-Fischbek. Damals habe er sich auch schon schriftlich bei der Postzentrale in Bonn beschwert. In den Antwortschreiben sei man auch sehr freundlich auf sein Anliegen eingegangen. "Einmal haben sie mir sogar drei Briefmarken als Entschädigung geschickt. Die kann ich mir ohne weiteres selbst kaufen. Mir wäre lieber, sie würden die Probleme, die wir alle hier mit unserer Post haben, abstellen. Immerhin hat die Post den gesetzlichen Auftrag, täglich Briefe und Pakete zuzustellen", sagt der Rentner.

Es sei, so Böttcher, auch schon vorgekommen, dass er an einem Donnerstag eine Einladung zu einer Veranstaltung im Briefkasten hatte. Die Veranstaltung aber habe er nicht besuchen können, weil die schon am Mittwochabend gewesen sei. "Die Einladung war in der Woche vorher rechtzeitig abgeschickt worden. Das konnte ich am Stempel erkennen. Sie war eben nur zu spät bei mir gelandet", sagt Reiner Böttcher. Er pflege einen guten Kontakt mit den Zustellern in seinem Viertel, die aber, so Böttcher, könnten auch nur ihr Bestes geben.

Die Korrespondenz mit der Post in Bonn hat der Rentner aufgehoben. Da heißt es in einem Antwortschreiben vom 10. Oktober 2008 auf seine Beschwerde hin: "Sie können sicher sein: Auf die zuverlässige Beförderung und einwandfreie Auslieferung der uns anvertrauten Sendungen legen wir größten Wert. Daher haben wir die zuständige Betriebsleitung informiert." Als Grund für die mangelhafte Zustellung hatte die Zentrale des Unternehmens damals "kurzfristig nicht zu behebende personelle Engpässe" bei den Zustellern angegeben. Danach, so Böttcher, habe es eine ganze Zeit auch gut funktioniert mit der Zustellung. "Inzwischen ist es aber schlimmer denn je."

Böttcher ist zugewählter Bürger in der Harburger Bezirksversammlung. Im Namen seiner Nachbarn machte er die CDU-Fraktion auf das Problem aufmerksam. Die Abgeordneten haben inzwischen einen Antrag in der Bezirksversammlung eingereicht. Gefordert wird, dass sich der Vorsitzende der Harburger Bezirksversammlung bei den zuständigen Stellen für eine Verbesserung des "nicht hinnehmbaren Zustands" einsetzt.

Elke Awiszus aus Harburg ist wütend über das Verhalten ihres Zustellers und der Post, bei der sie sich inzwischen fast täglich telefonisch beschwert. "In den beiden vergangenen Wochen haben wir jeweils an drei Tagen keine Post bekommen. Die Werbung, die normalerweise sonnabends im Briefkasten liegt, habe ich bis heute nicht", sagt sie. Elke Awiszus wohnt in der Straße Am Weinberg in Harburg, und auch sie hat schon seit Jahren das Problem, dass ihre Post nur sehr unregelmäßig kommt. "Im Winter kann ich sehen, wenn der Zusteller am Verteilerkasten steht und dort die Post raus holt. Wenn er spät dran ist, teilt er einfach die Post nicht mehr aus, die er noch hat. Und wir haben eben das Pech, am Ende seiner Tour zu wohnen", sagt sie. Auch ihr habe die Post als Trostpflaster ein paar kostenlose Briefmarken versprochen, die man ihr per Post zusenden wolle, sagt sie. "Ich bin mal gespannt, ob und wann die denn ankommen", so Elke Awiszus. Am Freitag, 8. März, am Sonnabend, 9. März, und am Montag, 11. März blieb Elke Awiszus' Briefkasten jedenfalls wieder leer.

Bei der Deutschen Post in Hamburg ist das Harburger Problem durchaus bekannt. "Wir kämpfen seit Wochen mit einem erheblichen Krankenstand. So kommt es immer wieder dazu, dass Kollegen die Touren erkrankter Kollegen übernehmen müssen, aber nicht alle Post zustellen können", sagt Martin Grundler, Sprecher der Deutschen Post in Hamburg. Üblicherweise gehe die Deutsche Post von einem normalen Krankenstand von vier bis fünf Prozent aus. Derzeit aber, so Grundler liege der Krankenstand bei bis zu 15 Prozent. Das führe natürlich zu einer sehr dünnen Personaldecke. "Die Kollegen vor Ort", so Grundler, "tun das Menschenmögliche, um die Kunden zu bedienen." Derzeit seien aber auch die ungünstigen Witterungsverhältnisse schuld daran, wenn die Post mal nicht zugestellt werde, sagt Grundler. Neue Kollegen müssten erst eingearbeitet werden.

Außerdem gebe es eine Betriebsvereinbarung, so ein Post-Mitarbeiter, der nicht genannt werden will, laut der Zusteller nur eine bestimmte Anzahl an Überstunden machen dürften. Sei die erreicht, müssten sie die regulären Dienstzeiten bis Ende des Dienstplanes einhalten, weitere Überstunden dürften nicht mehr gemacht werden. Die Post bliebe dann eben liegen.