Kommentar

Eine verfehlte Personalpolitik

Auf ihrer Internetseite wirbt die Deutsche Post damit, dass 95 Prozent aller Briefe im Inlandverkehr nur einen Tag lang unterwegs sind, bevor sie beim Adressaten im Briefkasten landen. Für den Bezirk Harburg jedenfalls scheint diese Ansage nicht mehr zu gelten.

Für Empfänger kann es ärgerlich werden, wenn ein Brief Tage später im Briefkasten landet. Mitunter werden Behördenbriefe mit Fristen verschickt. Dem entsprechenden Amt erklären zu wollen, der Zusteller habe die Post nicht geliefert, funktioniert nicht immer.

Auch wenn der Post-Sprecher von einem aktuell überdurchschnittlich hohem Krankenstand unter den Zustellern spricht, scheint das Problem nicht erst jetzt aufgetaucht zu sein. Vielmehr schaffen es die Zusteller offenkundig schon seit Jahren nicht mehr, ihren Job in der vorgegebenen Zeit zu erledigen. Da kann eigentlich nur am System etwas nicht stimmen. Ein Indiz dafür, dass dem so ist, ist auch der hohe Krankenstand. Wer schon morgens zur Arbeit kommt mit dem sicheren Gefühl, die aufgetragene Arbeit nicht schaffen zu können, gerät in Stress. Das ist Stress, der krank macht.

Derzeit versucht die Post die Löcher in der Personaldecke nach Feuerwehrmanier zu stopfen. Aber so schnell geht es eben nicht, denn der Beruf des Zustellers ist ein Ausbildungsberuf mit einer zweijährigen Lehrzeit. Das nennt sich verfehlte Personalpolitik. Immer weniger Menschen müssen immer mehr leisten. Doch das gilt nicht nur für die Post.