Fähre Cranz-Blankenese

Tiefe der Fahrrinne kommt auf den Prüfstand

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg untersucht, ob sich die Ausbaggerung der Este für die Fähre Cranz-Blankenese lohnt.

Cranz. Unzuverlässig und unattraktiv - mit der Fähre Cranz-Blankenese verbinden viele Fahrgäste bereits seit einigen Jahren wenig Positives. Erst kürzlich war die Linie fast drei Wochen ausgefallen, nachdem sie im Mühlenberger Loch auf Grund gelaufen war. Um die Zuverlässigkeit des Betriebs wieder in den Griff zu bekommen, will das für Este und Außeneste zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Hamburg jetzt überprüfen, ob die Fahrrinne ausgebaggert werden kann.

"Wir haben dort eine sehr schwierige Ecke, und die Unterhaltung ist sehr teuer", sagt WSA-Leiter Detlef Wittmüß. Man wolle jetzt aber "in alle Richtungen" klären, wie der Fährverkehr weitestgehend am Laufen gehalten werden kann. Welches Ergebnis die Überprüfung der Tiefe haben wird, kann Wittmüß derzeit nicht sagen. "Wir prüfen ergebnisoffen." Das bedeutet, dass am Ende sowohl herauskommen kann, dass gebaggert wird, als auch, dass es sich nicht lohnt. Die Wirtschaftlichkeit des Unterfangens spielt eine wesentliche Rolle.

Wie berichtet, beobachten die Bewohner südlich der Elbe seit Jahren die zunehmende Verschlickung des Gebiets rund um das Estesperrwerk. Eine der Ursachen ist die Insolvenz der Sietas-Werft, deren auslaufende Schiffe früher die Sedimente in Bewegung hielten. Am Montagabend haben die Cranzer Bürger bei einem Gesprächstermin mit Vertretern des Fährunternehmens Hadag und der Hamburger Hochbahn im Gasthaus Zur Post ihre Unzufriedenheit auf den Punkt gebracht. "Ich fahre seit 20 Jahren mit der Fähre, aber so viele Ausfälle wie jetzt hat es früher nie gegeben", erklärte Gudrun Schittek.

Hadag-Vorstand Gabriele Müller-Remer betonte daraufhin gemeinsam mit Betriebsleiter Manfred Tiews, dass nicht die Hadag für die Ausfälle verantwortlich sei. Die Hadag habe nicht die Möglichkeit, die Fahrrinne selbst auszubaggern. Das WSA sei dafür zuständig. "Wir benutzen die Este so wie die Elbe als Verkehrsweg, und wenn wir nicht fahren können, stellen wir den Betrieb ein", erklärte sie. Aufgrund der Wetterlage fielen die Fähren im Winter aber generell häufiger aus als zur warmen Jahreszeit.

Mit dem WSA habe sich die Hadag nun darauf geeinigt, dass die derzeitige Fahrrinne nicht mehr reiche und man nach einer Lösung suchen müsse. "Uns ist vom WSA zugesagt worden, dass die Klärung erfolgt." Gabriele Müller-Remer geht davon aus, im Laufe des Februars eine Antwort zu erhalten - was insofern wichtig wäre, als tiefe Ausbaggerungen aus Naturschutzgründen nur bis Ende März erfolgen dürfen. Ob dieser Termin gehalten werden kann, dürfte fraglich sein. WSA-Chef Wittmüß erklärt auf Nachfrage, er könne dazu keine Angaben machen. Die Wahrscheinlichkeit eines Bagger-Beginns im Februar stuft er als sehr gering ein.

Für die Cranzer Bürger bedeutet das wieder einmal, sich weiterhin in Geduld zu üben. Im Gespräch mit der Hadag-Chefin wurde ihnen jedoch klar vor Augen geführt, dass alle Eingriffe von der Wirtschaftlichkeit der Fähre selbst abhängen. Und um die ist es nicht allzu gut bestellt. 90.000 bis 95.000 Fahrgäste transportiert die Linie im Jahresschnitt. Im vergangenen Jahr waren es wegen der Reparatur des Estesperrwerks sogar nur 65.000. Es gebe Tage, da nutzten nur 40 Gäste das Angebot, sagte Gabriele Müller-Remer. Kein Vergleich zur Linie 62 nach Finkenwerder, wo pro Stunde oft 500 Leute einstiegen.

Dass Angebot und Nachfrage sich aber auch gegenseitig bedingen, machte der Cranzer Bürger Boy Friedrich deutlich. "Wenn die Fähre nicht verlässlich fährt, wird sie von immer weniger Leuten genutzt."

Es sei deshalb wichtig, dass Touristen direkt an der Fährstation Informationen erhalten, was sie bei einem Ausfall der Fähre machen können. Langfristig, und da waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig, müsse Cranz aber an einer besseren touristischen Vermarktung arbeiten. Dann werde hoffentlich auch die Elbfähre wieder stärker frequentiert.