Harburg
Scheidender Bezirksamtsleiter

Meinberg sucht nach einer neuen Tätigkeit

Der scheidende Bezirksamtsleiter Meinberg denkt an seine berufliche Zukunft will auf seinen Erfahrungen im Staatsdienst aufbauen.

Harburg. "Immer schön oben bleiben", sagt Torsten Meinberg, Harburgs zum Jahreswechsel scheidender Bezirksamtsleiter. Und dieser kurze Satz hat für den 51 Jahre alten Juristen gleich zweierlei Bedeutung. Erstens denkt er dabei an seine berufliche Zukunft, will auf seine in fast sieben Jahren Verwaltungstätigkeit neu erworbenen Fähigkeiten aufbauen und möglichst weiter im Staatsdienst tätig sein. Und zweitens stecken Meinberg, seine Frau Birte und sein 1999 geborener Sohn Moritz mitten im Umzug, wollen dabei oben auf dem Geesthang bleiben und lediglich von Heimfeld nach Neugraben wechseln, in eine Doppelhaushälfte, nahe von Falkenbergsweg und Neugrabener Heide. Da ließe sich vor der Haustür Freizeitsport treiben. "Ja, ich habe mir vorgenommen, in Zukunft wieder etwas mehr mit dem Fahrrad zu fahren", sagt Meinberg.

Für den CDU-Mann, der noch vor einem Jahr für eine neue sechsjährige Amtsperiode wiedergewählt worden war, kam das Aus durch die seit der Bürgerschaftswahl im Februar allein regierende SPD. Die Sozialdemokraten hatten Vertrauensverlust angemeldet und Ende November in der Bezirksversammlung ihren Kandidaten Thomas Völsch zum neuen Bezirksamtsleiter gewählt. Kommenden Montag, 2. Januar, tritt Völsch seinen Dienst an, Meinberg wird verabschiedet. Staatsrat Karl Schwinke überreicht die Urkunden im Kreis von Mitgliedern der Bezirksversammlung und der Verwaltung.

Meinberg: "Harburg hat sich in den vergangenen Jahren wie kein anderer Bezirk entwickelt und verändert. An den Erfolgen haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen des Bezirksamts ihren Anteil. Dafür bedanke ich mich. Ich hätte gern weiter gearbeitet als Harburger Bürgermeister. Aber ich akzeptiere auch die nach den demokratischen Möglichkeiten zustande gekommene Neuwahl."

In seinem Büro im ersten Stock des Harburger Rathauses hat Meinberg während der vergangenen Tage seine Privatsachen eingepackt. Von seiner Sekretärin Ina Wyzinski bekam er einen Terminplaner geschenkt. "Der ist nun für mich notwendig. Um meine Termine kümmerten sich 18 Jahre lang Sekretärinnen", sagt Meinberg. Bevor er Anfang April 2005 Bezirksamtsleiter wurde, arbeitete er als Notar in Wedel.

Bereits sein erstes Amtsjahr bescherte ihm Erfahrungen der heftigsten Art. Am 27. März 2006 fegte ein Tornado über den Harburger Binnenhafen, riss zwei Baukräne um. Die beiden Kranführer starben. Wellblech-Dächer von Industriehallen wirbelten durch die Luft, trafen die Hochspannungsleitungen und sorgten für Stromausfall in weiten Teilen Harburgs. Im Rathaus brannte dennoch Licht, weil ein Notstromaggregat ansprang und Meinberg mit dem Katastrophen-Dienststab anfangen konnte, Hilfe zu organisieren. Meinberg: "Das war eine echte Bewährungsprobe. Und mir ist dabei klar geworden, wie wichtig funktionierende Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sind." Es sei ihm auch nicht leicht gefallen, mit den Angehörigen der beiden Todesopfer in Kontakt zu treten. Kurzfristig habe man den Hinterbliebenen zumindest mit einer Geldzahlung ein wenig helfen können. Meinberg: "Inzwischen ist der Katastrophenschutz auf dem neuesten Stand. Die Verwaltung handlungsfähiger." In sein erstes Jahr fielen auch Entscheidungen der Verwaltungs- und Gebietsreform. Wilhelmsburg wechselte in Folge zum 1. März 2008 von Harburg in die Zuständigkeit des Bezirksamts Mitte. Die Harburger Verwaltung schrumpfte um 150 auf 800 Mitarbeiter.

Meinberg denkt gern an seine Amtszeit zurück, freut sich über die positive Entwicklung des neuen Stadtquartiers im Binnenhafen, mit Wohnungsbau auf der Schlossinsel, dem Bau des neuen Verwaltungsquartiers Rathausforum, das kommenden Sommer mit seinen ersten beiden Abschnitten fertiggestellt sein soll. Positiv für die Stadtentwicklung sei die laufende Sanierung des Phoenix-Viertels mit Einweihung des Bildungs- und Gemeinschaftszentrums "Feuervogel" vor einem Jahr. Fertiggestellt sei ebenso das Bildungs- und Gemeinschaftszentrum Süderelbe im Neugrabener Neubaugebiet Elbmosaik. Einweihung soll am 29. Februar sein. Meinberg: "Die Jahre als Chef der Harburger Verwaltung waren der mit Abstand schönste Abschnitt meiner bisherigen Berufszeit."

Meinberg ist in Cuxhaven geboren, heißt komplett Martin Otto Torsten Meinberg, zog im Alter von zehn Jahren mit den Eltern nach Neugraben, besuchte das Gymnasium und trieb Sport beim TV Fischbek - Turnen und Badminton. Bis zu seiner Hochzeit 1996 gehörte er der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung an. Und mit der Geburt des Sohnes war die Familie 1999 von Neugraben nach Heimfeld gezogen. Jetzt geht es wieder zurück ins alte Quartier. Meinberg: "Der Umzug war schon längere Zeit geplant."