Kommentar

Konflikt in der Landwirtschaft

Die weltbekannte schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren hat sich entschieden: Sie würde lieber seltener ein gutes und etwas teueres Stück Fleisch essen als häufiger ein schlechtes.

Das hat sie 1996 der Regierung ihres Heimatlandes in einem Brief geschrieben. Damit hat sie einen gesellschaftlichen Konflikt beschrieben, der bis heute anhält und sich noch verschärft hat: Das ist die ungelöste Frage nach der Balance zwischen den Bedingungen der Tierhaltung und (günstigem) Fleischpreis.

Geht aber die Rechnung so pippilangstrumpfleicht auf? Könnten Deutschlands Schweinehalter tatsächlich bei Aldi, Lidl und Penny höhere Fleischpreise zugunsten einer Tierhaltung mit kleineren Beständen durchdrücken? Vermutlich ist das so wenig wahrscheinlich wie ein Mädchen mit Zöpfen, das Bösewichter auf Bäume schmeißt. Denn die billigen Schweinekoteletts dürften dann wohl aus der Ukraine und Russland kommen.

Bedeuten Forschung und Zucht den Ausweg? Kann ein Schwein ohne Schwanz den Konflikt zwischen Tierschutz und Überlebensberechtigung der Bauern lösen? Nein, Erfolge der Wissenschaft, wie sie in den deutschen Paradebranchen Maschinenbau oder Chemie funktionieren, lassen sich nicht auf den Konflikt in der Landwirtschaft übertragen. Eine Kreatur den Bedingungen der Massentierhaltung anzupassen, ein Ferkel ohne Ringelschwanz, das wird nicht die Akzeptanz in der Bevölkerung finden.