Harburg
Kommentar

Fernsehen kann spannend sein

Man stelle sich das mal vor: Die kreativsten Fernsehmacher des NDR, bestens bezahlt aus den Fernsehgebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, kommen in einer ihrer Konferenzen zu diesem Geistesblitz: Wir bringen nicht mehr die 73.

Wiederholung irgendeiner "Tatort"-Folge. Stattdessen zeigen wir Premieren. Noch nie gezeigte Streifen von jungen, unverbrauchten Regisseuren aus dem Norden - mit Lokalkolorit aus dem Norden. Und das nicht um 0.55 Uhr. Sondern zur besten Sendezeit, wenn die Menschen, für die wir Fernsehen machen, noch wach sind. Ein Programm für Cineasten. In direkter Konkurrenz zu den Freak-Inszenierungen der privaten Sender.

Eigentlich müsste eine solche Programmkonferenz gar keine Fiktion sein. Kohle satt garantiert, also Quote egal - das gilt nun einmal für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Trotzdem kommen norddeutsche Filmperlen wie "Madboy" von Henner Peschel nicht ins Fernsehen. Das gleiche Schicksal wird wohl auch dem Harburger Regisseur Dennis Albrecht mit seinem Fußballdrama "We all love football" widerfahren. Schade für all die Filmliebhaber, die verzweifelt auf Neues, Kreatives hoffen.

Nichts gegen Veronica Ferres oder Martina Gedeck. Aber auch Filme ohne diese Dauerbeschäftigten können unterhaltsam sein. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen sollte endlich sein Privileg nutzen, aus Gebühren sein Programm gestalten zu dürfen, neue Drehbuchgenies aufbauen und riskante Formate entwickeln!