Harburg

Buddeln für mehr Bürgernähe

Foto: Michelle Kossel

Hamburgs Bürgermeister Christoph Ahlhaus beim Spatenstich zum Harburger Rathausforum

Harburg. Es ist Bezirksamtsleiter Torsten Meinbergs großer Tag: Trotz klammer Kassen kann er gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU), Sprinkenhof-Vorstandschef Henning Tants und Architekt Michael Kitzmann an der Julius-Ludowieg-Straße, Ecke Knoopstraße zum ersten Spatenstich für den ersten Bauabschnitt des 24 Millionen Euro teuren Rathaus-Forums ansetzen. Dazu haben sich viele Gäste aus Politik und Verwaltung eingefunden.

Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus gibt sich bei seinem ersten Harburg-Termin locker. "Meine Sicherheitsleute müssen keine Angst haben. Wir stehen hier auf dem am besten durchsiebten Boden der Hansestadt", sagt er und spielt auf den jüngsten Weltkriegs-Bombenfund an, der auf dem Baustellengelände geborgen wurde. Da hat er schon mal die Lacher auf seiner Seite. "Die Harburger Verwaltung putzt sich raus", sagt Ahlhaus dann in seiner Ansprache. Denn in den Gebäuden, die von der städtischen Immobiliengesellschaft Sprinkenhof AG errichtet werden, sollen auf 6900 Quadratmetern Bürofläche das Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt (WBZ) und das soziale Dienstleistungszentrum (SDZ) angesiedelt werden. "Damit werden alle bürgernahen Anlaufstellen, bislang sind es elf Standorte, serviceorientiert gebündelt. Das Rathausforum ist ein Jahrhundertprojekt für Harburg, ein Zeitsprung ins moderne Leben", so Ahlhaus. Dafür spreche ebenfalls die Energieversorgung der Bauten, die über eine umweltfreundliche Pelletheizung erfolgen werden.

Im Rahmen eines zweiten Bauabschnitts - auf der Fläche des ehemaligen Polizeigebäudes - soll das Kundenzentrum (KUZ) künftig einziehen. Damit ersparen sich die Harburger künftig viele lästige Laufereien, denn es werden unter anderem Dienstleistungen wie KiTa-Gutscheine, Elterngeld, Wohnungsnotfälle, Seniorenberatung sowie Behördenstellen, die sich mit Bauen und Gewerbe befassen, unter einem Dach zu finden sein.

Bereits 2007 hatte der Hamburgische Senat mit dem Neubau des Rathausforums die umfangreiche Umstrukturierung der Bezirksverwaltung abgesegnet. Bis 2016 soll alles fertig sein. Mit 850 000 Euro beteiligte sich der Bezirk an seinem neuen Prachtbau, die Bezirksversammlung gab 400 000 Euro dazu.

Für Diskussionsstoff in der Politik sorgten in der Vergangenheit die laufenden Kosten, mit denen die Verwaltung rechnet: Für 2012 sollen es schon mal 685 000 Euro sein.

Ob die Realisierung eines solchen Vorhabens bei den rigiden Sparvorgaben heute noch möglich wäre, erscheint fraglich. Denn was offenbar für einen Verwaltungsbau finanziell "drin" war, ist es für Personal noch lange nicht. Sogar die Bezirksamtsleiter-Stelle stand, wie berichtet, zur Diskussion. "Die Harburger können beruhigt sein. Sie behalten ihren Bezirk in seinen Strukturen, ihren Verwaltungschef und ihre Bezirksversammlung", so Ahlhaus. Man müsse sich beim Sparen zwar anstrengen, aber ohne Verwaltungschef gehe es dann doch nicht.

An dieser Stelle lohnte es sich, genau hinzuhören. Denn das ungeliebte Thema Stellenstreichungen riss der Bürgermeister nicht an. "Es wird weitere Einsparmaßnahmen bei Ämtern und Behörden geben", so Ahlhaus im Gespräch mit dem Abendblatt. Wie viel Beamte in Harburg dran glauben müssen, sagte er nicht und verwies stattdessen an die Verkündung der Sparpläne am 22. September.

Klar, dass Meinberg damit nicht so recht zufrieden ist - obwohl er, wie Ahlhaus verkündete, seinen Schreibtisch nicht räumen muss. "Das freut mich schon. Aber die Stimmung ist schon angespannt, weil wir nicht wissen, was da noch auf uns zukommt und welche Folgen das hat", sagt er.

Daher weist er in seiner Rede auf die Bedeutung "seiner" Verwaltung im Stadtteil hin. "Wir sind wichtige Player vor Ort. Der Bau wird das Antlitz der Innenstadt völlig neu prägen", betont er. Die neuen Gebäude seien nicht nur ein praktisches Forum für Bürger, sondern eine wichtige Anlaufstelle für Wirtschaftsbetriebe. "Hier werden alle relevanten Dinge, ob Bauantrag oder Standortfragen, besprochen." Jeder Harburger wisse künftig, dass er im Rathausforum alles an einer Stelle finde.

Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Sören Schumacher hofft, dass das Rathausforum hält, was es verspricht. "Es wäre schön, wenn dieser große Neubau dazu beitragen könnte, dass die Behördengänge für die Bürger unkomplizierter und schneller werden."

Dann fährt der Bagger vor. Meinberg und Ahlhaus packen den Spaten. Der erste Spatenstich fürs Rathausforum ist getan, und es ist Zeit für den inoffiziellen Teil. Während Ahlhaus fleißig Autogramme gibt, blickt Rainer Maria Weiß, Direktor des Helms-Museums in eine Baugrube. Er hofft, dass keine weiteren Bomben gefunden werden, und ist froh, dass "seine" Archäologie-Mitarbeiter hier nicht buddeln müssen.