Harburg
Kommentar

Innovative Auszeiten

Innovation bedeutet etwas neu Geschaffenes. Im strengen Sinne etwa Neues, das auch zu Verbesserungen führt.

Das Wort wird heute überbeansprucht. Wer "in" sein will, reklamiert für sich, innovativ zu sein. Beinahe-Bundespräsidentenkandidatin Ursula von der Leyen (CDU) zum Beispiel. Sie hat sich ausgedacht, 34 000 Plätze für Hartz-IV-Bezieher zur gemeinnützigen Bürgerarbeit zu schaffen. Das sei ein "neuer, innovativer Lösungsansatz". Neu ist aber nur der Begriff "Bürgerarbeit". Das, was die Bundesarbeitsministerin vorgibt, neu geschaffen zu haben, gibt es schon lange: Früher hieß das ganz ordinär Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Was Innovation wirklich bedeutet, könnte Ursula von der Leyen in der Arbeitswelt eines kleinen Unternehmens in Buchholz beobachten. Die Keso GmbH, ein Spezialist für Schließsysteme. ist gerade als eines der 100 innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands 2010 ausgezeichnet worden. Hier erlaubt der Chef seinen Mitarbeiter, bezahlte kreative Auszeiten zu nehmen. Dabei ist es egal, ob die dabei ausgebrütete Idee tatsächlich zur Produktreife gelangt.

Neu ist, dass ein Chef im eher von Patriarchen dominierten Mittelstand auf beinahe grenzenloses Vertrauen setzt statt auf Knechtschaft. Die Verbesserung ist, dass diesem Klima tatsächlich neue Produkte entspringen, die dem Unternehmen neue Marktanteile sichern. Und nebenbei der Krankheitsstand gegen null tendiert.