Harburg
Kommentar

Der Protest geht alle etwas an

Eine Gastrasse mitten durch das Wohngebiet, vor der eigenen Haustür sozusagen - das ist kein schöner Gedanke. Verständlich, dass viele Stöckter große Sorgen haben - viele davon werden berechtigt sein.

Kategorisch "nein" zu einem solchen Groß-Projekt zu sagen, bringt einen allerdings nicht weiter. Das tun die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen die Norddeutsche Ferngasleitung (NEL) aber auch nicht. Eine alternative Trassenführung soll her. Und eine Alternative, die nicht so nah an Wohngebieten entlangführt, soll es wohl auch schon geben.

Es ist beeindruckend zu sehen, wie sehr sich manche Betroffene in den Kampf stürzen, stundenlang Akten wälzen, Gutachten studieren, Protestbriefe verfassen und sogar auf den Familienurlaub verzichten, um ihre Sache voranzutreiben. "Verbissen" oder "realitätsfern" nennen das manche. Das mag auf den einen oder anderen der Protestierenden zutreffen.

Nichtsdestotrotz ist es schade, wenn die Last des Protestes auf den Schultern einiger weniger lastet. Denn es gilt nicht, sich erst beim Anrücken der Bagger öffentlich zu beklagen und vorher einfach stillgehalten zu haben - weil man sich im schlimmsten Fall gar nicht mit dem auseinandergesetzt hat, was vor dort passieren soll. Denn dann wird es zu spät sein. Und es stellt sich die Frage: Was nur soll einen sonst auf die Palme bringen, wenn nicht das, was unmittelbar vor der eigenen Haustür passiert?