Harburg

Fassaden-Debatte um Moorburg

Foto: aufwind-luftbilder Aufwind / aufwind-luftbilder

Bezirk Harburg hat auf den Kraftwerkbau keinen Einfluss

Moorburg. Am Ufer der Süderelbe, am Moorburger Elbdeich, wächst derzeit auf Hamburgs größter Kompakt-Baustelle das vom Energieerzeuger Vattenfall in Auftrag gegebene Kohlekraftwerk Moorburg heran. Das auf gut 2,6 Milliarden Euro Investitionssumme geschätzte Kraftwerk soll mit der ersten Kesselanlage im Herbst 2012 in Betrieb genommen werden und voraussichtlich ein halbes Jahr später komplett fertiggestellt sein. Elf Terawatt (elf Millionen Megawatt) Stromleistung soll die Anlage pro Jahr liefern und zusätzlich Fernwärme für 280 000 Hamburger Haushalte. Die Stromversorgung Hamburgs wird zu einem Großteil von Moorburg geleistet werden können. Hamburgs große Stromverbraucher, die TriMet Aluhütte, die Aurubis Kupferhütte und die Stahlwerke, sollen damit auch eine verlässliche und preiswerte Stromversorgung sichergestellt bekommen.

Doch bei all dem, was dort am Ufer der Süderelbe auf Harburger Gebiet passiert, sind weder Bezirksverwaltung noch Kommunalpolitiker bislang auch nur ansatzweise eingebunden. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Harburger Stadtplanungsausschusses deutlich, der sich mit Anträgen von SPD und FDP zum Bauprojekt befasste. Harburgs Baudezernent Jörg Heinrich Penner (GAL) sagte, er könne sich lediglich an eine wasserrechtliche Stellungnahme erinnern, die vor langer Zeit angefordert worden war. Ansonsten ist das gesamte Planungs- und Genehmigungsverfahren auf höchster Ebene, in Hamburgs Behördenstuben, angesiedelt.

So waren Hamburgs Oberbaudirektor, Prof. Jörn Walter, und der Hamburger Architekt Asmus Werner in die Ausschusssitzung nach Harburg gekommen, um zu Planungsdetails und Änderungsmöglichkeiten Stellung zu nehmen, die von den Parteien gefordert waren.

Muammer Kazanci (SPD) bedauerte die schon fast vollendeten Tatsachen. Denn das Kraftwerk wird seine Schokoladenseite, eine mit roten Ziegelsteinen verklinkerte Fassade, zum Elbufer in Richtung Wilhelmsburg und Hamburg zeigen und die optisch weniger ansprechende Seite mit viel Technik und Trapezblech in Richtung Harburg. Architekt Asmus Werner wies darauf hin, dass auch große Bauwerke wie die beiden Kohle-Kreislager auf der nach Harburg weisenden Richtung verklinkert seien. Und überhaupt: Verklinkert werde das Kraftwerk nur bis zu einer Höhe von etwa 20 Meter, darüber hinaus werde eine silbergraue Farbe gewählt, die der Himmelsfärbung nahe komme. Werner: "Man wird trotz der gewaltigen Dimensionen die tatsächliche Größe des Bauwerks nicht wirklich schätzen können."

Die Abgeordneten mussten zur Kenntnis nehmen, dass sie an der Gestaltung des Kraftwerks nichts mehr ändern können. Aber es gibt da noch ein gesondertes Genehmigungsverfahren. Vattenfall will auf dem Kraftwerksgelände noch bis Jahresende ein kleines für Notfälle vorhandenes Kraftwerk mit Gasturbine abreißen lassen und an der Stelle für den Betrieb des Kohlekraftwerks einen Hybrid-Kühlturm aufstellen. Derzeit wird mit Fachverbänden an der Umweltverträglichkeitsprüfung gearbeitet. Die FDP fordert, dass der Bezirk bei der Gestaltung des Kühlturms mitwirkt.