Harburg
Kommentar

Ängste der Bürger ernst nehmen

Harburg: So viele Probleme, so wenig Lösungen. Und jetzt in der Bezirksversammlung auch noch die Kapitulation vor den Bürgern.

Anders kann man es nicht auslegen, wenn Politiker bei wichtigen Themen wie Innenstadtverwahrlosungen, Manifestation einer Trinkerszene und Kriminalität die Achseln zucken. In der Tat ist es vor Ort bei knappen Haushaltskassen und wenig Einflussmöglichkeiten schwierig, aktiv zu werden. Aber es lohnt sich, einmal einen genaueren Blick auf die Instrumente zu werfen, die da von den Politikern auf den Weg gebracht werden, um miese Entwicklungen zu stoppen. Aufsuchende Sozialarbeit ist vielleicht für unbelehrbare Vertreter der Alt-68er eine tolle Sache, verfehlt aber hier vor Ort eindeutig das Ziel. Jeden Tag finden sich bis zu 60 Alkoholiker vor dem Rathaus ein, darunter auch Betäubungsmittelabhängige und Psychotiker. Jeder bürgernahe Beamte in Harburg weiß, mit welcher schwierigen Klientel er es hier zu tun hat. Diese Leute haben nicht gerade darauf gewartet, dass ein Sozialarbeiter sie zur Arbeit schickt. Da sollte man die 30 000 EU-Taler besser für einen Trinkerraum bereit stellen und sich zusätzlich doch zu einem Alkoholverbot durchringen. Was für Hamburg-Mitte gut ist, kann für Harburg nicht schlecht sein.

Es darf außerdem nicht sein, dass Harburger sich nicht mehr trauen, über den Rathausplatz zu gehen.

Und es darf erst recht nicht sein, dass Politiker die Bedenken und Ängste der Bürger ignorieren.