Harburg

Offene Türen für die Modellschule

Foto: Laura Fölmer

Harburger Kreistag stimmt dem Konzept von Jesteburg und Leuphana-Universität zu

Nenndorf. Es ist ein klares Votum für den Schulstandort Jesteburg, das der Kreistag des Landkreises Harburg in seiner jüngsten Sitzung in Nenndorf abgegeben hat. Die einstimmige Abstimmung für die Jesteburger Modellschule zum jetzigen Zeitpunkt könnte einen Start der "Leuphana-Campus-Schule" schon zum Schuljahr 2011/2012 bedeuten, wenn das Land Niedersachsen mitspielt. Diese Schule, in der alle Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet und ganz speziell gefördert werden, hätte Modell-Charakter für neue Schulformen insbesondere in ländlichen Gegenden und wäre in Niedersachsen einzigartig.

"Auf diesen Beschluss haben die Jesteburger lange gewartet. Wir freuen uns außerordentlich, dass unser Konzept so viel positive Resonanz erfährt", sagte Nathalie Boegel von der Schulinitiative Jesteburg nach der Kreistagssitzung. Das Kultusministerium, mit dem die Kreisverwaltung jetzt in Verhandlung für die Modellschule tritt, hatte bereits bei einer ersten Vorstellung des Jesteburger Konzepts offene Türen signalisiert.

Die Finanzierung der Schule, die räumlich und pädagogisch eng mit der Jesteburger Grundschule zusammenarbeiten soll, muss das Land Niedersachsen übernehmen. Und die Jesteburger Schüler und Eltern konnten ein zweites positives Signal von der Kreistagssitzung mit nach Hause nehmen: Die Jesteburger Außenstelle der Hittfelder Realschule wird zwar geschlossen, wie es der Schulausschuss des Kreistages empfohlen hatte. Aber entgegen der zweiten Empfehlung des Ausschusses, alle Jesteburger Realschüler ab den Sommerferien nach Hittfeld zu schicken, hat der Kreistag beschlossen, für diesen Einzelfall die Schulbezirke-Regelung aufzuheben. Die Realschüler müssen also nicht den weiten Weg nach Hittfeld machen, sondern können sich an näher gelegenen Realschulen im Kreisgebiet anmelden (das Abendblatt berichtete mehrfach). CDU-Fraktionschef Hans-Heinrich Aldag aus Jesteburg hatte sich in der Sitzung für den Antrag seines Samtgemeindebürgermeisters Hans-Heinrich Höper stark gemacht und somit für eine Mehrheitsentscheidung in diesem Punkt gesorgt.

Weitaus weniger entscheidungsfreudig zeigte sich die Mehrheitsfraktion aus CDU und FDP für den Vorstoß der Grünen, eine Grundsatzentscheidung für eine zweite Integrierte Gesamtschule (IGS) in Winsen zu fällen. Die Grüne Monika Dicke hatte den Antrag für einen Grundsatzbeschluss gestellt: "Der Zeitpunkt, sich für eine zweite IGS zu entscheiden ist jetzt, denn die Zeit drängt, wenn wir wirklich im nächsten Jahr in Winsen starten wollen." CDU und FDP bleiben dabei, sie wollen erst einmal den Standort prüfen, insbesondere die Auswirkungen, die eine IGS auf die bestehende Schullandschaft hätte.

Oliver Berten von den Freien Winsenern hielt den Mehrheitsfraktionen vor, den Elternwillen, der ganz eindeutig eine IGS für Winsen fordere, zu ignorieren. "Früher haben Sie die Gesamtschule aus ideologischen Gründen abgelehnt. Heute fehlt Ihnen das klare Bekenntnis zur IGS, aber Sie sagen es nur nicht so deutlich wie früher. Und im nächsten Jahr werden Sie die IGS in Winsen eben ablehnen, weil sich mit Sicherheit aus Ihrer Sicht genügend Gründe finden lassen, die gegen den Standort sprechen."

Erhard Schäfer von den Grünen hielt der Mehrheitsfraktion vor, sich nicht an ihr Wort zu halten. "Im Kreistagsbeschluss von vor einem Jahr hieß es, dass wir unmittelbar nach Vorlage der Anmeldezahlen für Buchholz über Winsen entscheiden, und das ist heute, Herr Aldag."

Dass sich aber auch die CDU nicht mehr gegen die Entwicklung im Bereich Schulangebot im Landkreis Harburg wird stellen können, zeigen die Anmeldungszahlen für die erste IGS in Buchholz, die ihren Schulbetrieb nach den Sommerferien aufnehmen wird. 414 Anmeldungen gingen ein. Aufgenommen werden können nur 150 Schüler, die jetzt in einem komplizierten Losverfahren ermittelt wurden. Die künftigen IGS-Schüler wurden nach einem Leistungsschlüssel ausgewählt, um Kindern aller Leistungsstufen die Möglichkeit zu geben, die Gesamtschule besuchen zu können. Allein aus Buchholz wurden 132 Kinder anmeldet. Aus dem ganzen Landkreis liegen Anmeldungen für die IGS vor, die jetzt dreizügig starten wird.