Harburg

Eiskalt erwischt

Foto: Anima Berten

Die Spargelbauern ernten wegen des Wetters zum Teil nur die Hälfte der sonst üblichen Menge

Winsen. Was an Pfingsten in den meisten Haushalten auf den Tisch kommt? Spargel - das hat Tradition. Doch dieses Jahr sah das bei vielen Familien anders aus. Die Regale und Auslagen der Supermärkte und Einzelhändler waren in der vergangenen Woche nur dürftig bestückt, was die Kilo-Preise in die Höhe getrieben hat. Das schreckte zahlreiche Kunden ab.

Schuld an der Spargel-Knappheit war das schlechte Wetter der letzten Wochen. Fünf Grad war der Mai im Durchschnitt zu kalt. "Und das feuchtkalte Klima hatte dazu geführt, dass nur die Hälfte der üblichen Spargelmenge geerntet werden konnte", so Dietrich Paul, Vorsitzender der Vereinigung der Spargelbauern in Niedersachsen. Das Edelgemüse braucht Wärme und Licht, um gedeihen zu können.

In der Regel beträgt die Brutto-Ernte für einen Hektar 200 Kilogramm Spargel. In den letzten Wochen seien nicht einmal 100 Kilogramm geerntet worden. Miserable Bedingungen, unter denen Spargelbauern in ganz Deutschland leiden. Betroffen davon waren sowohl der weiße, aber insbesondere der grüne Spargel. Einbußen, die kaum noch ausgeglichen werden können.

Susanne Fahning, Mitarbeiterin des Bio-Betriebs Cassenshof in Inzmühlen, bezeichnet die Situation sogar als Existenz bedrohend. "Das ist die schlechteste Saison seit 20 Jahren", so die Gemüse-Expertin. Ein noch größeres Problem als die niedrigen Temperaturen seien dabei die fehlenden Sonnenstunden.

Kundenbestellungen mussten abgesagt werden

"Verfrühung" heißt die Zwei-Folien-Methode, bei der in einem Folientunnel über den Erdwällen durch die Sonneneinstrahlung höhere Temperaturen erzeugt werden sollen. Nur: Wenn die Sonne nicht scheint, ist diese Methode hinfällig. "Vor Christi Himmelfahrt war das Wetter dann so schlecht, dass der Spargel sein Wachstum ganz eingestellt hat, eine Katastrophe." 50 Prozent wurden bisher auf der 25 Hektar großen Ackerfläche weniger als üblich geerntet. "Wir mussten sogar schon Bestellungen von Kunden absagen", so Susanne Fahning.

Mit höheren Preisen können die Bauern diese Verluste nicht ausgleichen, auch wenn auf dem Cassenshof mittlerweile zehn Euro pro Kilo verlangt werden. Mehr geht nicht. "Der Kunde akzeptiert nicht jeden Preis."

Auch Achim Peters vom Brookhoff hat die niedrigen Temperaturen vor den Pfingstfeiertagen zu spüren bekommen. "Unser Grünspargel ist komplett erfroren", so der Gemüsebauer. Ein Ernteausfall, der die Familie rund 7000 Euro kostet. Und das in der Haupt-Spargelzeit.

"Nach Pfingsten haben die Kunden in der Regel nicht mehr so große Lust auf Spargel", weiß Achim Peters aus Erfahrung. Trotzdem hofft er nun auf bessere Tage. "Pfingsten war so warm und sonnig, da haben wir endlich wieder richtig ernten können." Trotzdem: Die Saison bis in den Juli hinein auszudehnen hält er für nicht ratsam. "Am 24. Juni bilden sich die Johannistriebe, die für ein erneutes Gedeihen des Spargels im nächsten Jahr sorgen. Die dürfen dann auf keinen Fall mehr abgetrennt werden."

Seit den sonnigeren Feiertagen haben auch die polnischen Erntehelfer bei den regionalen Bauern wieder mehr zu tun. "Anfang Mai sind sie morgens um 5.30 Uhr raus aufs Feld gefahren und um 8.30 Uhr wieder zurückgekommen, weil es einfach nichts zu tun gab", erinnert sich Susanne Fahning. Ein Problem, denn viele der ausländischen Arbeitnehmer sind hier, um im Akkord viel Geld zu verdienen.

Polnische Erntehelfer sind zum Teil abgereist

"Wir haben unseren Erntehelfern deshalb ihren Stundenlohn weiter gezahlt", so Achim Peters. Damit sie nicht abreisen - wie es auf manch anderen Spargehöfen geschehen ist. "Die haben ein Problem. Schließlich geht es jetzt weiter mit der Ernte", so der Unternehmer. Bernd Oelkers vom Hof Oelkers in Wenzendorf schätzt die Situation weniger dramatisch ein. "Wir konnten auch während des schlechten Wetters immerhin 70 Prozent der üblichen Ertrags-Menge einbringen", so der Spargelbauer. Doch er kennt das Problem: "Spargel ist ein Edelgemüse. Jetzt haben wir noch einmal vor Augen geführt bekommen, dass wir von der Natur abhängig sind und nicht einfach immer mehr und mehr produzieren können. Es gibt Grenzen. Und die zu erkennen, ist gar nicht so schlecht", sagt er.