Harburg
Handel: Der Streit um die Standortfrage wird heftiger

"Läden am Sand können zu machen"

Foto: Michelle Kossel

Der Markt muss zurück an den alten Platz, bekam Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg zu hören .

Harburg. Ein belebter Rathausplatz - ein Anblick, den Harburgs Verwaltungschef gerne, aber allzu selten sieht. "Ich bin positiv überrascht, dass die Bürger den Standortwechsel des Wochenmarktes so gut angenommen haben. Hier ist ja jeden Tag viel los", sagt Meinberg.

Gemeinsam mit Bürgerservice Dezernent Bernhard Schleiden und Behörden-Pressevertreterin Petra Schulz unternahm er einen Wochenmarkt-Rundgang und informierte sich bei Händlern und Kunden über das Geschäftsklima. Ali Kashgar, Besitzer eines Kiosks am Sand, hat sich ebenfalls zu Meinbergs Marktbummel eingefunden. Mit Protestplakat. "Der Harburger Sand muss lebendig bleiben. Der Markt gehört an den Sand, Nein zur Marktverlegung", steht auf einem Schild, das er demonstrativ hochhält. "Wenn der Markt dauerhaft hier stattfindet, dann können am Sand alle Geschäfte dichtmachen", sagt er. Sind die Markthändler am Sand, klingelt bei ihm die Kasse. Jetzt ist es ruhig in seinem kleinen Laden geworden. Meinberg beruhigt den aufgebrachten Mann. "Voraussichtlich Ende März werden die Sielbauarbeiten am Sand beendet sein. Dann werden die Stände wieder dort aufgebaut." Dass der Markt dauerhaft vor dem Rathaus ausgerichtet wird, sei mit anderen Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt und Tanz in den Mai nicht vereinbar.

Blumenhändler Jörg Pech würde allerdings lieber auf dem Rathausplatz verkaufen. "In den wenigen Tagen, die wir nun hier sind, habe ich bis zu 50 Prozent mehr Umsatz gemacht. Hier kommen außer der Stammkundschaft auch noch andere Leute her", sagt er. Und das sei auch an den eher schwachen Verkaufstagen Montag und Dienstag der Fall. "Es ist immer etwas los. Am Sand dagegen müssen wir manchmal lange auf die Kunden warten", so Pech. Gemüsehändler Uwe Gehrke stimmt zu. "Es ist schön hier für uns und die Kunden. Beinahe so ein Altstadt-Flair wie in Lüneburg. Das zieht viele Leute an."

Pech hat auch schon eine Idee, wie man den Platz am Sand für die dort ansässigen Geschäfte aber auch für die Verwaltung "vergolden" kann: "Einfach kostenpflichtige Parkplätze einrichten. Das spült Geld in die Staatskasse und die Leute kommen trotzdem dorthin." Viele Marktbesucher machen Meinberg während seines Bummels darauf aufmerksam, dass es auf dem Rathausplatz doch viel sauberer sei als auf dem Sand.

Doch Meinberg ist dagegen, will eher den Standort stärken. Wie das gehen könnte, zeigt das Hafen-City-Universität (HCU)-Gutachten, das sich, wie berichtet, mit den Perspektiven des Marktes am Sand auseinandersetzt. So ganz zu einer der dort angeführten Varianten, wie etwa dem Bau einer Markthalle, hat Meinberg sich noch nicht durchgerungen. Allerdings könne er sich ein hochwertigeres Sortiment des Marktes und längere Öffnungszeiten "bis in den Nachmittag hinein" vorstellen. "Und dann muss auch das 1970er-Jahre-Ambiente verschwinden. An der Gestaltung des Sand muss sich schnell etwas ändern." Außerdem solle der Wochenmarkt stärker beworben werden. Schützenhilfe erhält er von Citymanager Matthias Heckmann. "Die Einkaufsgewohnheiten der Menschen haben sich verändert. Daher macht es Sinn, wenn die Marktleute ihre Waren bis in den Nachmittag anbieten könnten und dafür morgens nicht ganz so früh anfangen."

Eines ist allen klar: Der Wochenmarkt ist der wichtigste Kundenfrequenzbringer für Harburger Geschäftsleute in der City. Daher ist die Standortfrage immens wichtig. "Wir haben leider noch keinen anderen Magneten, keine andere Attraktion für unsere Innenstadt", so Meinberg.