Familie Dallmann vermarktet ihre Milch selber

"Unser Bauernhof hat Zukunft"

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Laura Fölmer

Vier Generationen leben und arbeiten in dem Betrieb in Dohren. Die Kunden zahlen gern etwas mehr Geld für die Naturprodukte.

Dohren. Opa Dallmann kümmert sich um die Kälbchen, Vater Jürgen und Sohn Henrik sind für die Organisation auf dem Hof zuständig. Sprössling Jannis ist mit seinen sechs Wochen zwar noch zu klein, um im Familienbetrieb mitzuhelfen - aber wer weiß, vielleicht freundet er sich ja bereits in einigen Jahren mit den Kühen auf dem Hof Dallmann an.

Vier Generationen der Familie leben und arbeiten gemeinsam auf dem Milchbauernhof in Dohren bei Tostedt und sorgen dafür, dass das Unternehmen trotz des immer weiter sinkenden Milchpreises erfolgreich weiterläuft. Seit mehreren hundert Jahren besteht der Hof bereits und wurde immer wieder von Generation zu Generation weitergegeben.

Und das Geheimnis des erfolgreichen Familienunternehmens? Für Annegret Dallmann und ihren Ehemann ist diese Frage ganz einfach zu beantworten. "Wir vermarkten rund die Hälfte unserer Produkte selbst", so die 54 Jahre alte hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, die sich um die Koordination kümmert. "Das ist zwar wahnsinnig viel Arbeit, aber nur mit dem Verkauf der Milch an die Molkerei würde man im Moment nicht weit kommen."

Und dass die Familie mit Leib uns Seele dabei ist, das wird besonders bei Jürgen Dallmann sichtbar. Wenn er von seinen Kühen und dem Hof erzählt, dann leuchten die Augen. Er ist Landwirt durch und durch - das ist unübersehbar. "Wir haben alle das Bauerngen in uns", sagt der 54-Jährige. "Ich bin auf dem Hof aufgewachsen und bei mir kamen nie Zweifel auf, ob ich den Hof übernehmen sollte oder nicht." Mit viel Herzblut gehen er und seine Familie morgens ans Werk. Die 80 Kühe müssen gemolken werden - da ist man sich einig. "Aber wenn es um die Pflege und die Fütterung der Tiere geht, da prallen schon einmal die Generationen aufeinander", sagt Mutter Annegret und lacht. "Unser Sohn Hendrik ist Agraringenieur und hat von der Universität neue Ideen mit auf den Hof gebracht. Und die passen manchmal nicht mit der Überzeugung meines Mannes zusammen." Einig wird man sich trotzdem irgendwann, denn das wichtigste sei ja, dass es den Tieren gut geht. Und die stehen zufrieden in ihrem Stall, fressen ihr besonders nährstoffreiches Futter.

Und glückliche Kühe geben dementsprechend gute Milch - das ist ja allgemein bekannt. Und dass die Milch der Dallmanns gut sein muss, das beweisen die vielen Kunden, die vom Hof direkt beliefert werden. Mehr als 100 Kindergärten und 1200 Familien aus Hamburg und Umgebung werden regelmäßig mit Milchprodukten versorgt. Besonders beliebt ist die sogenannte Vorzugsmilch, unbehandelt, direkt von der Kuh, lediglich gekühlt. "Diese Milch unterliegt natürlich besonderen Hygienemaßnahmen aber schmeckt umso besser, weil es ein reines Naturprodukt ist", erklärt Annegret Dallmann. "Das Bewusstsein der Kunden über die von ihnen verzehrte Nahrung ist in den letzten Jahren extrem angestiegen. Sie wollen wissen, wo die Milch her kommt und wollen sich sicher sein, dass die Produkte gut sind." Und da wird auch gerne 1,25 Euro pro Liter Milch bezahlt. Wenn gleich drei Liter gekauft werden, dann wird pro Liter ein Euro fällig. Zudem stellt Annegret Dallmann viele andere Milchprodukte her. Neben verschiedensten Joghurtsorten gibt es Quarkspeisen und Frischkäse in etlichen Variationen, also eigentlich alles, was man auch Milch machen kann. Diese Produkte bekommen die Kunden, die nördlichsten in Rissen und Bahrenfeld, die südlichsten in Sittensen. "Die ganze Koordination und Vermarktung macht schon eine Menge Arbeit", sagt Annegret Dallmann. "Aber wir wissen, wofür wir es tun, denn dieser Hof hat eine Zukunft."

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