Bezirk Hamburg-Nord

Hunderte Überstunden wegen Software-Umstellung in Behörde

Im Bezirk Hamburg-Nord wurden für den Monat Juli im Bereich der Sozialhilfe 490,5 Überstunden verzeichnet (Symbolbild).

Im Bezirk Hamburg-Nord wurden für den Monat Juli im Bereich der Sozialhilfe 490,5 Überstunden verzeichnet (Symbolbild).

Foto: imago images / Bernhard Classen

Die CDU-Bezirksfraktion übt massive Kritik und befürchtet verspätete Auszahlungen von Sozialleistungen. Das sagt die Behörde.

Hamburg. Die Umstellung von IT-Programmen in großen Unternehmen oder Behörden verläuft selten reibungslos und ist in der Regel mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden. Das haben in den vergangenen Monaten auch viele Mitarbeiter der Ämter für Grundsicherung und Eingliederungshilfe in den sieben Hamburger Bezirken zu spüren bekommen. Der Grund: Im Bereich der Sozialhilfe wird das alte Programm "Prosa" durch die neue Software mit dem Namen "Prosoz" abgelöst. „Es ist unzumutbar, was die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten leisten mussten“, sagt Andreas Schott, Fraktionsvorsitzender der CDU-Hamburg-Nord.

Im Bezirk Hamburg-Nord wurden für den Monat Juni im Bereich der Sozialhilfe 88,3 Überstunden verzeichnet, im Juli waren es bereits 490,5 Mehrstunden. Im August schoss die Überstundenzahl in dem Fachamt nochmals auf 643,63 hoch. Das geht aus einer Antwort des Bezirksamtes auf eine Kleine Anfrage der CDU hervor. „Hamburg-Nord ist nur eines von insgesamt sieben Bezirksämtern in Hamburg“, gibt Schott zu bedenken, „in den anderen Ämtern sieht es ähnlich aus".

Software-Umstellung: Mitarbeiter hatten Alarm geschlagen

Vonseiten des Bezirksamtes heißt es, dass davon auszugehen sei, dass es sich bei den angegebenen Überstunden "um angeordnete Überstunden im Zusammenhang mit der Einführung von Prosoz" handelt. Neben der Sozialhilfe werden über diese Software die Obdachlosenhilfen, die Wohngeldzuschüsse, die Aufstockungen zur Rente aber auch Eingliederungshilfen (Unterstützung für behinderte Menschen) gewährt. Die CDU weist darauf hin, dass daran ebenfalls Zahlungen an freie Träger hängen, die sich im Rahmen der Eingliederungshilfe engagieren.

Ende August hatten Mitarbeiter der Ämter für Grundsicherung und Eingliederungshilfe in den Bezirken Alarm geschlagen, weil sie wegen der Computerumstellung nicht mit ihrer Arbeit hinterherkämen. Sie klagten über doppelte Buchführung, steigende Fallzahlen und hohen Zeitdruck. Deshalb hatten 450 Beschäftigte einen Aufruf unterschrieben, in dem sie eine Entlastung ihrer Arbeit forderten.

CDU: Mitarbeitern fehlt Zeit, um Auszahlungen vorzubereiten

Die CDU-Bezirksfraktion kritisiert, dass trotz der Überstundenexplosion eine reibungslose Auszahlung der Leistungen an Empfänger von Sozialhilfe nicht gewährleistet werden könne. "Während sich die einen durch den Tag der Deutschen Einheit auf eine kurze Arbeitswoche freuen, kann der Monat für Hamburger Sozialhilfeempfänger unschön beginnen", heißt es in der aktuellen Mitteilung der Christdemokraten. Denn den Mitarbeitern der Sozialämter fehle Zeit, um die Auszahlungen der Sozialleistungen durch die neue Software Prosoz vorzubereiten.

Das Bezirksamt Hamburg-Nord stellt das gemäßigter dar. In der Antwort auf die Kleine Anfrage heißt es: "Aufgrund der mit der Softwareumstellung durch die Beschäftigten in den Dienststellen vorzunehmenden Vorarbeiten kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass sich einzelne Zahlungen geringfügig verzögern." Hierauf seien die Dienststellen vorbereitet und könnten im Bedarfsfall umgehend Hilfe leisten. "Wir befürchten jedoch, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handelt", sagt der CDU-Politiker Schott.

Alle Bezirksämter sind in die Projektarbeit eng eingebunden

Zum 1. Oktober soll die Software-Umstellung im Wesentlichen abgeschlossen sein. Für die Einführung von Open/Prosoz wurde in der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration im Sommer 2017 ein Projekt mit 14 Mitarbeitern eingerichtet, die die Software-Umstellung konzipieren und steuern. "Alle Bezirksämter sind in die Projektarbeit im Hinblick auf die fachliche Beratung, die Tests der Software sowie die Durchführung der Vorbereitungsarbeiten durch die Fachamtsleitungen sowie ausgewählte Beschäftigte eng eingebunden", heißt es in der Drucksache des Bezirksamtes Hamburg-Nord.

Um die Belastungen der Dienststellen zu kompensieren, werden nach Angaben der Behörde vom Projekt für die Bezirksämter 31 Stellen für Stützkräfte für zwei Jahre finanziert. "Darüber hinaus konnten in den Bezirksämtern weitere Stellen im Vorgriff auf anstehende Vakanzen eingerichtet werden", heißt es vonseiten des Bezirksamtes Hamburg-Nord. "Zusätzlich werden durch das Projekt 45 Hilfskräfte für die Bezirksämter temporär finanziert."