Nahverkehr

Startprobleme in Hamburg bei neuer HVV-Chipkarte

Die HVV-Card
soll in allen U,
S- und
Regionalbahnen sowie in den rund 650 Buslinien der Verkehrsunternehmen gelten, die im HVV vertreten sind

Die HVV-Card soll in allen U, S- und Regionalbahnen sowie in den rund 650 Buslinien der Verkehrsunternehmen gelten, die im HVV vertreten sind

Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Der elektronische Kundenausweis sollte zum Herbst 2017 eingeführt werden. Die Umstellung verzögert sich – und es gibt Ärger.

Hamburg.  Ob Stockholm, London oder Barcelona – in vielen europäischen Ländern wurden elektronische Fahrkarten schon vor Langem eingeführt. Ende vergangenen Jahres gab auch der HVV bekannt, auf E-Tickets umrüsten zu wollen. Ende 2017 sollte ein Großteil der Kunden mit der HVV-Card ausgestattet sein.

Doch die Umstellung verzögert sich. Die Absicht, ab September alle Abonnenten sukzessive mit einer HVV-Card auszustatten, wurde auf Januar 2018 verschoben. „Es gab vielfältige Gründe für diese Verzögerung“, so HVV-Sprecher Rainer Vohl. Dazu gehören unter anderem Probleme mit der Software, aber auch die Tatsache, dass alle 650 Buslinien, U-, S- und Regionalbahnen sowie die 10.000 Haltestellen mit Lese- und Kontrollgeräten ausgerüstet werden müssen. Bisher haben vor allem die HVV-Abonnenten aus dem Umland ihre HVV-Card erhalten (etwa 27.000). Außerdem nutzen in Hamburg rund 8000 Gelegenheitskunden die elektronische HVV-Card, die es auch als Prepaid-Variante gibt.

Als Anna Blume (Name geändert) Ende 2016 in der Zeitung las, dass man künftig auch in Hamburg bargeldlos mit Bus und Bahn fahren können sollte, erschien ihr das ein ideales Angebot für ihren 15-jährigen Sohn zu sein. Ihr schwebte ein einfaches Verfahren ähnlich wie bei der Londoner OysterCard vor. Auf dieser wird durch das Passieren elektronischer Schranken der Fahrpreis berechnet und automatisch vom Konto abgebucht, und die Karte lässt sich unproblematisch an jedem Ticketautomaten aufladen. „In Hamburg ist das aber leider deutlich komplizierter“, mussten sie und Sohn Tim jedoch feststellen. Nach sechs Monate langem Ärger wollen sie das Abenteuer jetzt abbrechen.

Ein Papierticket ist noch nötig

Die Schwierigkeiten begannen schon beim Start: Die 40 Euro, die Anna Blume auf die Karte laden wollte, musste sie auf ein Konto der Deutschen Bahn überweisen, damit der Betrag der Karte gutgeschrieben wurde. Das dauerte einige Tage. Nächstes Ärgernis: Tim konnte die HVV-Karte nur an bestimmten Bahnhöfen nutzen, da noch nicht alle Fahrkartenautomaten für die HVV-Card umgerüstet waren. Teilweise dauerte es mehrere Minuten, bis der Einkauf auf der Karte gespeichert war – und dann musste er noch auf den Ausdruck eines Fahrscheins warten. Ein Kontrolleur, dem er die HVV-Card einmal zeigte, konnte damit nichts anfangen und bestand auf der Vorlage des ausgedruckten Tickets.

Richtig ärgerlich aber fand sie, dass Tim mit der HVV-Card trotz Prepaid-Funktion mehrmals ins Minus rutschen konnte. „Es gab bei der Grenze von 15 Euro eine Warnmeldung, dann passierte nichts – bis irgendwann die Karte nicht mehr funktionierte.“ Sie überwies einen neuen Betrag. Vergeblich. Im Mai erhielt Tim eine kostenlose Ersatzkarte.

Rund elf Millionen Euro kostet die Umstellung

Im Juli wiederholte sich alles. Die Karte funktionierte nicht, ein neues Guthaben wurde auf das Konto der Deutschen Bahn überwiesen, die Karte funktionierte wieder nicht. Bei der Hotline stellte man zwar fest, dass die Karte gesperrt war: Tim hatte unwissentlich ein Minus von sieben Euro angehäuft. Eine Mitarbeiterin versprach, die Karte zu entsperren – die anschließend trotzdem nicht funktionierte. Ein neuer Anruf in der Hotline, wo keiner eine Lösung für das Problem wusste. Und eine dritte Karte. Tim und seiner Mutter reicht es jetzt. „Sobald das Guthaben aufgebraucht ist, ist für uns Schluss.“

Laut HVV-Sprecher Vohl sollen Probleme und Ärgernisse bald aus dem Weg geräumt sein. So sollen die Einzahlmöglichkeiten für die Prepaid-Karte deutlich erweitert werden und künftig auch an Automaten oder in den Servicestellen erfolgen können. Der Verkaufsvorgang, der derzeit etwa zehn Sekunden dauere, werde in Kürze beschleunigt. Und auf einen Kontrollbeleg aus Papier soll man künftig auch nicht mehr warten müssen, da bald flächendeckend Lese- und Kontrollgeräte zur Verfügung stehen sollen.

Rund elf Millionen Euro kostet die Umstellung auf die HVV-Card. „Dem stehen hohe Einsparungen gegenüber“, so Vohl. Künftig könne man sich Druck, Versand und die Ausgabe von Wertmarken sparen. „Unterm Strich wird die HVV-Card wirtschaftlich sein.“ Und besser als die Londoner OysterCard. Dort gelte im Bus ein Einheitstarif – unabhängig, ob man eine oder 30 Haltestellen fährt. In der Bahn müsse man ein- und auschecken, jeweils Drehkreuze passieren und beim Umstieg immer neu „bezahlen“. Beim HVV dagegen gelte seit 1965 das Prinzip, dass man mit nur einer Fahrkarte sowohl Bus, Bahn und Fähre nutzen kann.