Langenhorn

Stolpersteine für zwei ermordete Soldaten verlegt

Die Stolpersteine für Karl-Heinz Barthel und Otto Berger liegen an der Langenhorner Chaussee 623 vor dem Gelände des ehemaligen Kettenwerks.

Die Stolpersteine für Karl-Heinz Barthel und Otto Berger liegen an der Langenhorner Chaussee 623 vor dem Gelände des ehemaligen Kettenwerks.

Foto: Heike Linde-Lembke

Otto Berger und Karl-Heinz Barthel schufteten als Zwangsarbeiter in Langenhorner Munitionsfabrik. 1944 wurden sie in Berlin hingerichtet.

Hamburg. „Dieses Land ist mein Land“ und „Freedom“ spielte Uwe Levien auf der Gitarre bei der Stolperstein-Verlegung für zwei Luftwaffensoldaten. Der Musiker ehrte Karl-Heinz Barthel und Otto Berger, die 1944 in Berlin-Plötzensee wegen Fahnenflucht hingerichtet wurden. Zuvor hatte sie ein NS-Feldgericht wegen Urlaubsübertretung, Schwarzmarkthandel und dem Schreiben eines kritischen Spruchs auf einer Toilettenwand zu Zuchthaus und Zwangsarbeit in der Munitionsfabrik Hanseatisches Kettenwerk in Hamburg-Langenhorn verurteilt. Von dort konnten Barthel und Berger am 4. Januar 1944 nach Berlin flüchten, ihre Heimatstadt. Doch die Polizei fasste sie. Nach kurzem Prozess verurteilte ein Sondergericht des Landgerichts Berlin die beiden zum Tode. Am 6. Juli 1944 wurden sie in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Jetzt verlegte die Willi-Bredel-Gesellschaft Stolpersteine für Karl-Heinz Barthel und Otto Berger. Der eine war Bauer und Schlosser, der andere Flugzeugfeinmechaniker und Schlosser. Sie wurden nur 21 und 23 Jahre alt. Karl-Heinz Barthel, geboren am 27. August 1922, und Otto Berger, geboren am 1. Oktober 1920, waren zwei von 206 Strafgefangenen, die in den Hanseatischen Kettenwerken Munition für die NS-Vernichtungskriege bauen mussten.

Stellvertretend für alle 206 Strafgefangenen setzte Gunter Demnig, Initiator der Stolpersteine, die Messing-Gedenksteine mit den Lebensdaten der Hingerichteten in den Gehweg, dazu einen größeren Stein mit der Inschrift: „Hanseatisches Kettenwerk 1935–1945. Zwangsarbeit für den deutschen Endsieg. 6000 Zwangsarbeiter, 750 KZ-Häftlinge und 200 Strafgefangene müssen für die deutsche Rüstung arbeiten.“ Inhaftiert waren die Strafgefangenen im „Straf- und Jugendgefängnis Glasmoor“ und im Zuchthaus Fuhlsbüttel, verurteilt wegen NS-Straftatbeständen wie „Asozialität“, „Rassenschande“, „Wehrkraftzersetzung“.

Die Stolpersteine liegen an der Langenhorner Chaussee 623 im Gehweg vor dem Gelände des ehemaligen Kettenwerks gegenüber der Fibigerstraße zwischen der U-Bahn-Station Ochsenzoll und der Essener Straße und damit genau dort, wo Karl-Heinz Barthel und Otto Berger ihre Flucht wagten.

Beide Soldaten hatten den untersten Dienstgrad Flieger und waren am Fliegerhorst Schleswig-See im Oktober 1943 vom Feldgericht des Kommandeurs der dritten Flakdivision zu je fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Obwohl das Feldgericht verfügte, dass sie erst nach Kriegsende ihre Strafe antreten sollten, kamen sie am 28. Dezember 1943 ins Zuchthaus Fuhlsbüttel. Von dort wurden sie jeden Tag zur Zwangsarbeit ins Kettenwerk transportiert. Otto Berger war von den Nazis schon 1938 unter „Schutzaufsicht“ in den „Kattendorfer Hof“ bei Kaltenkirchen gesteckt worden.

Die Stolpersteine finanzierten Paten, darunter Fabienne Eckstein und ihr Sohn Sebastian Eckstein. „Ich finde es wichtig, dass wir an die Menschen erinnern, die von den Nazis ermordet wurden“, sagte Fabienne Eckstein.

René Senenko von der Willi-Bredel-Gesellschaft verlas die Biografien der hingerichteten Soldaten, die er auch in der Broschüre „Flucht aus dem Kettenwerk“ festhielt. Seine Enkelin Lilli ließ mit ihren Freunden Moritz und Lukas Luftballons für den Frieden steigen.