Verkehr

Anwohner klagen über gefährliche Ampelschaltung in Eppendorf

Eine Schülerin wartet an einer Ampel in Hamburg (Symbolbild)

Eine Schülerin wartet an einer Ampel in Hamburg (Symbolbild)

Foto: Mascha Brichta / picture alliance / dpa Themendienst

An der Ecke Tarpenbekstraße/Martinistraße fühlen sich Fußgänger durch Rechtsabbieger gefährdet. Eltern sind besorgt.

Hamburg.  In Eppendorf gibt es eine Ampelschaltung, die einzigartig ist in Hamburg: Fußgänger, die die Tarpenbekstraße an der Kreuzung zur Martinistraße überqueren wollen, haben durch eine verlängerte Grünphase extra viel Zeit dafür. Das funktioniert so: Die Aktivierung erfolgt nicht mehr per Tastendruck, stattdessen springt die Ampel für Fußgänger automatisch auf Grün. Wer dennoch den Sensor betätigt, dehnt die Grünphase weiter aus.

Doch die Ampelschaltung ist offenbar nicht nur innovativer, sondern auch gefährlicher geworden. Martin Berghoff, ein Anwohner der Kreuzung, beobachtet täglich Zwischenfälle von Autofahrern und Fußgängern auf der viel befahrenen Hauptstraße. Er warnt: „Es ist eine Frage der Zeit, bis jemand stirbt.“

"Kreuzung ist eine absolute Katastrophe"

Seit dem Umbau im vergangenen Jahr seien die Führung der Kreuzung und die Ampelschaltung so verwirrend geworden, dass Autofahrer, die von der Martinistraße kommend links in Richtung Norden auf die Tarpenbekstraße einbiegen, trotz grüner Fußgängerampel ungebremst über den Fußgängerbereich fahren würden. Nachdem sie den Gegenverkehr durchgelassen hätten, beschleunigten sie und rechneten offenbar nicht mehr mit querenden Fußgängern. „Ich begleite meinen Sohn jeden Tag zur Schule. Alleine lasse ich ihn nicht mehr über die Kreuzung gehen“, sagt der 37 Jahre alte Familienvater.

"Die Kreuzung ist eine absolute Katastrophe und Zumutung für Autofahrer und Fußgänger zugleich – und direkt daran liegt eine Grundschule", sagt auch eine Mutter, die täglich die Kreuzung mit ihrem Sohn quert. "Wer diese Kreuzung überqueren muss, um zur Schule zu kommen, ist verzweifelt, weil sie den Kindern allein einfach nicht zumutbar ist", sagt sie.

Polizei bewertet Verkehrsknoten als unauffällig

Laut Berghoff würden sich insbesondere ältere Menschen nicht mehr trauen, die Hauptstraße zu überqueren. Das wäre besonders fatal, denn der Verein MartiniErleben hat sich unter anderem wegen der umliegenden Altenstifte für einen Umbau und eine verlängerte Grünphase eingesetzt.

Nach Aussagen der Hamburger Polizei wird der Verkehrsknoten dennoch als unauffällig bewertet. „Es gab und gibt Unfälle, aber nicht in einer Dichte oder Qualität, dass hieraus ein Unfallschwerpunkt entstanden ist“, sagt ein Sprecher der Polizei. Bei schwerwiegenderen Verkehrsunfällen sei nach derzeitigem Ermittlungsstand ein individuelles Fehlverhalten der Beteiligten als Unfallursache zu sehen. Der Sprecher erklärt weiter: „Die Schaltung der Anlage oder der Aufbau des Knotens war in keinem Fall die Unfallursache.“

Zusätzlicher Blinker und Rotmarkierung der Radwege

Dennoch räumt die Polizei eine Rechtsabbiegerproblematik an der Ecke Tarpenbekstraße/Martinistraße ein. Der Autofahrer muss zunächst den parallelen Radverkehr beachten und anschließend die abgesetzte Fußgängerfurt. „Es kann aus verschiedensten Gründen dazu kommen, dass ein Kraftfahrzeugführer seine Sorgfaltspflicht außer Acht lässt und Fußgänger übersieht“, sagt der Polizeisprecher.

Ein Warnsignal für Linksabbieger gebe es bereits. Nun sei der Auftrag erteilt worden, dass das Signal auch für Rechtsabbieger deutlicher erkennbar sein muss, teilte die Polizei auf Abendblatt-Anfrage mit. Auch ein zusätzlicher Blinker und eine Rotmarkierung der Radfahrerwege seien angeordnet worden.