Nachbarschaftskonflikt

Baum-Streit ruft Feuerwehr und Polizei auf den Plan

Die beiden Ahornbäume am Hofweg im Stadtteil Uhlenhorst

Die beiden Ahornbäume am Hofweg im Stadtteil Uhlenhorst

Foto: privat / HA

Fehde um zwei rund 50 Jahre alte Ahornbäume im Stadtteil Uhlenhorst spitzt sich zu. Am Dienstag mussten sogar Einsatzkräfte anrücken.

Hamburg.  Es ist ein Nachbarschaftsstreit, der inzwischen groteske Züge annimmt – und am Dienstagabend sogar Feuerwehr und Polizei auf den Plan rief. Streitpunkt sind zwei rund 50 Jahre alte Ahornbäume auf einem Grundstück am Hofweg im Stadtteil Uhlenhorst. Seit Monaten schon streiten Grundstückseigentümerin Susanne Nack und eine Sylter Grundstücksgesellschaft, um den Erhalt beziehungsweise die Abholzung der beiden Bäume.

Hintergrund: Der Bauherr will auf dem Nachbargrundstück ein Stadtpalais mit elf Wohneinheiten und einer zweigeschossigen Tiefgarage errichten. Letztere aber soll bis an die Grundstücksgrenze reichen, auf der jedoch die beiden Ahornbäume wachsen – und genau da beginnt das Problem. Geht es nach der Grundstücksgesellschaft, sollen die Bäume dafür weichen. Susanne Nack denkt jedoch nicht daran, "zwei große, Sauerstoff spendende Bäume zu opfern".

Gericht untersagte, die Bäume zu fällen

Eine Einigung zwischen den beiden Streitparteien scheint so gut wie ausgeschlossen. Eine Ausgleichszahlung für die beiden Bäume oder auch eine Ersatzpflanzung lehnte Nack ab. In der Folge reichten beide Seiten Gutachten und entsprechende Gegengutachten über den Zustand der Berg-Ahorne ein. "Nicht verkehrssicher", heißt es in einem Gutachten, dass die Grundstücksgesellschaft in Auftrag gab. Es bestehe eine "akute Gefahr für Personen und Sachen". Stimmt nicht, sagt Nack, die ebenfalls eine Untersuchung in Auftrag gab. "Die Standsicherheit scheint augenscheinlich gegeben zu sein", heißt es darin.

Im Februar untersagte ein Richter des Hamburger Landgerichts der Grundstücksgesellschaft, die Bäume zu fällen. Bei einem Verstoß drohe eine Zahlung von bis zu 250.000 Euro oder bis zu sechs Monate Ordnungshaft. Für Susanne Nack schien der Fall damit erledigt zu sein.

Unbekannte sägten die Bäume an

Doch in den vergangenen Wochen verschafften sich Unbekannte wiederholt Zutritt zu dem Grundstück und beschädigten die beiden Ahornbäume. Tiefe Kerben haben die Täter dabei an der Rinde der Stämme hinterlassen – Verletzungen, die für die rund 50 Jahre alten Bäume das Ende bedeuten könnten. Um sie zu schützen, griff Nack zum Selbstschutz: "Ich ließ die Bäume dreilagig in Kaninchendraht wickeln. In der ersten Nacht bewachte mein Sohn die Bäume mit Hund und Feuerschale", berichtet die 58-Jährige. Später wurden sogar Scheinwerfer und eine Kamera installiert.

Davon ließen sich der oder die Täter nicht abschrecken. Zuletzt schlugen sie Ende April zu und sägten die Stämme rundherum mit einer Tandem-Säge an. Die Nachtaufnahmen der Überwachungskamera lieferte jedoch nur schemenhafte Bilder. Die Polizei ermittelte daraufhin wegen "Sachbeschädigung an einem Baum". Um die Bäume zu schützen, wurden beide Ahorne zuletzt fixiert.

Feuerwehr sollte Bäume fällen

Am Dienstagabend erreichte der Konflikt dann seinen vorläufigen Höhepunkt. Um kurz vor 19 Uhr rückten Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr am Hofweg an. "Wir wurden von einem Anrufer alarmiert, dass die Standsicherheit dieser beiden Bäumen auf dem Grundstück bei dem starken Wind nicht mehr gegeben sei und diese daher von der Feuerwehr gefällt werden müssten", sagte ein Feuerwehrsprecher dem Abendblatt. Die Einsatzkräfte seien aber ohne tätig zu werden, wieder abgerückt. "Der Einsatzleiter konnte keine Gefährdung der Standsicherheit feststellen." Bei der Feuerwehr will man sich angesichts der ereignisreichen Vorgeschichte offenbar nicht vor den Karren spannen lassen.

Das zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord teilte auf Nachfrage am Mittwoch mit, dass man eine Fällgenehmigung nach derzeitigem Sachstand nicht erteilen würde. "Der Erhalt der beiden Bäume ist nach unseren Informationen bislang nicht gefährdet, damit gibt es keine Rechtfertigung, die Bäume zu fällen." Ein Antrag sei jedoch bislang nicht gestellt worden.

Das Immobilienunternehmen war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.