Flughafen Fuhlsbüttel

Viel Lärm um Explosion der Fluglärmbeschwerden

4579 Fluglärmbeschwerden gab es im ersten Quartal

4579 Fluglärmbeschwerden gab es im ersten Quartal

Foto: Christian Charisius / dpa

Bürgerinitiativen fordern eine Entschuldigung von der Behörde. Die These von automatisierten Beschwerden sei „geschmacklos“.

Fuhlsbüttel.  Die Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm haben der Umweltbehörde vorgeworfen, „Lärmopfer zu diffamieren“. Ihnen würde „Täuschungsabsicht unterstellt, um die behördliche Untätigkeit zu kaschieren“, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Alstertal Walddörfer (BAW), Martin Mosel. Die Behörde hatte angesichts der Verfünffachung der Lärmbeschwerden im ersten Quartal 2016 davon gesprochen, dass „offenbar ein großer Teil der Fluglärmbeschwerden automatisiert erstellt“ werde. Die BAW forderte eine Entschuldigung.

Die Statistik des Flughafens zählte im ersten Quartal 4579 Fluglärmbeschwerden. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 890 gewesen.

Auf Nachfrage konkretisierte Behördensprecher Jan Dube den Verdacht und nannte „Indizien“ für eine automatisierte Aufregung: „Ein großer Anteil der eingehenden Beschwerden enthält beispielsweise oft nur eine Uhrzeit und eine Absender-Adresse – ohne weitere Angaben.“ Die von der BAW und der BIG, dem Dachverband der Initiativen gegen den Fluglärm geforderten Belege lieferte Dube nicht. Die Abendblatt-Anfrage, wie stark die Zahl der Lärmbeschwerden sinken würde, wenn die Statistiker verdächtige Mails abzögen, ließ er unbeantwortet.

Initiativen: 16-Punkte-Plan der Bürgerschaft nicht umgesetzt

Mosel wies darauf hin, dass die Umweltbehörde eigentlich auf Seiten der Lärmopfer stehen müsse und nicht nach „Ausreden für die schlechte Lärmbilanz des Flughafens suchen sollte.“ Schließlich unterstehe die Fluglärmschutzbeauftragte der Umwelt- und nicht der Wirtschaftsbehörde. Hamburg hält die Mehrheit am Flughafen Fuhlsbüttel, weshalb die Lärmschutzinitiativen den Behörden immer wieder Doppelzüngigkeit vorwerfen.

Hintergrund des Streits um die auch für BIG und BAW überraschend hohe Zahl der Lärmbeschwerden ist der 16-Punkte-Plan der Bürgerschaft zur Reduzierung des Fluglärms. Er wurde vor der Bürgerschaftswahl im Februar 2015 verabschiedet und sah unter anderem vor, die Fluglärmschutzbeauftragte direkt am Flughafen anzusiedeln und ihr mehr Kompetenzen zu geben. Zu diesem „bürgerschaftlichen Ersuchen“ werde der Senat in Kürze berichten, sagte Dube.

Aus Sicht der Initiativen wurde bisher nichts umgesetzt. Sie fordern eine strikte Einhaltung der Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr.