Winterhude

Das Grundwasser am Goldbekplatz ist verseucht

Das Gift stammt aus einer alten Fabrik. Das ist seit 20 Jahren bekannt, aber schlimmer als angenommen.

Hamburg. Historische Industriebauten aus Backstein, ein beliebter Wochenmarkt, hübsche Altbauwohnungen, Kleingärten, ein Kanal und ein Spielplatz – die Aufenthaltsqualität ist hoch rund um den Goldbekplatz in Winterhude. Unterhalb des beliebten Treffpunktes sieht es anders aus. Dort ist das Grundwasser massiv durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) belastet. Da es ständig in Bewegung ist, reicht der Schaden mittlerweile südlich bis zum Poelchaukamp (400 Meter) und seitlich bis zum Kuhnsweg (170 Meter).

Als Verursacher gilt die ehemalige Maschinen- und Metallwarenfabrik Rieck und Melzian am Goldbekplatz 2, deren Gebäude 1994 saniert wurden und seitdem gewerblich genutzt werden. Um den Grundwasserschaden zu sanieren, wurden bereits im Juni 2005 unter anderem zwei Förder- und Infil­trationsbrunnen sowie zwei Luftaktivkohlefilter installiert.

In Betrieb war die Anlage jedoch nur von April 2006 bis Dezember 2008. Dann wurde sie abgestellt. In einer Kleinen Anfrage des CDU-Abgeordneten Andreas Wankum gab der Senat zu, es habe sich damals bei einer Kontrolle herausgestellt, dass trotz Funktionsfähigkeit der Anlage „keine wesentliche Reduzierung der Schadstoffkonzentration“ zu verzeichnen war. Was der Senat auch bekannt gab: Zwischen 2009 und 2012 wurde der Untergrund rund um die ehemalige Maschinenfabrik aufwendig untersucht. Dabei sei festgestellt worden, dass der Schaden größer war als angenommen und dass die bislang verwendete Sanierungsmethode ungeeignet war; die Schadstoffe seien bereits in Torflinsen eingedrungen.

Dass saniert werden muss, steht für die Behörde fest. „Wir müssen nur klären, wo die Quelle wirklich ist und wer für die Kosten aufkommt“, sagt ein Sprecher. Man sei in Verhandlungen mit dem Grundeigentümer, dessen Grundstück als Quelle gilt. Da es ein laufendes Verfahren sei, werde man sich dazu aber nicht äußern. Nach Abendblatt-Informationen soll der Grundeigentümer nicht bereit sein, die Verantwortung zu übernehmen; daher zieht sich das Verfahren bis heute hin.

Eine Gefährdung des neben dem Grundstück verlaufenden Mühlenkampkanals oder der menschlichen Gesundheit ist nach Behördenangaben nicht gegeben. Dennoch sind viele Anwohner verunsichert. „Der Grundwasserschaden ist seit 20 Jahren Gegenstand der Diskussion“, sagt Bernd Kroll von der Initiative „Unser Mühlenkamp“. „Es ist uns unbegreiflich, dass die Behörde die Bürger – seien es die betroffenen Grundeigentümer, die Gewerbetreibenden oder die Anwohner – nicht über die Ausbreitung des Schadens informiert hat.“