Extremismus

Verfassungsschutz nimmt Burschenschaft Germania ins Visier

Es gibt Anhaltspunkte für den Verdacht, dass zumindest von Teilen der studierenden Mitgliedern rechtsextremistische Bestrebungen ausgehen und dieser Personenkreis die Ausrichtung der Burschenschaft maßgeblich beeinflusst.

Winterhude . Der Verfassungsschutz nimmt die Burschenschaft Germania schärfer ins Visier. Grund sind verstärkte politische Aktivitäten. „Uns liegen Erkenntnisse über Mitglieder der Hamburger Burschenschaft Germania vor, die aktuell Verbindungen zur rechtsextremistischen Szene unterhalten oder die selber Mitglied in einer rechtsextremistischen Gruppierung sind oder waren“, sagt Marco Haase, Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz.

„Wir sehen insgesamt Anhaltspunkte für den Verdacht, dass zumindest von Teilen der studierenden Mitglieder rechtsextremistische Bestrebungen ausgehen und dieser Personenkreis die politische Ausrichtung der Burschenschaft maßgeblich beeinflusst“, so Haase. Bereits im vergangenen Jahr sei die Burschenschaft der Behörde verstärkt aufgefallen. So stellte sie nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes im Juli 2013 ihre Räume an der Sierichstraße der bereits länger als rechtsextremistisch eingestuften „Pennalen Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ zu Verfügung. Unter deren rund 30 zumeist inaktiven Angehörigen seien auch NPD-Mitglieder. Es gebe, so der Verfassungsschutz, auch Überschneidungen bei den Mitgliedern beider Organisationen.

Im vergangenen Jahr war die Burschenschaft Germania auch im Internet aktiv. Mehrfach veröffentlichte sie dort Stellungnahmen zu aktuellen politischen Ereignissen und Entwicklungen in Hamburg. Auch Flugblattaktionen wurden durchgeführt. „Dabei fiel die Burschenschaft unter anderem durch fremdenfeindliche Parolen auf“, so Verfassungsschutzsprecher Haase.

Gast beim „Germanenabend“ in Hamburg

Enge Kontakte der Burschenschaft Germania soll es laut der Behörde auch zu Norbert Weidner geben. Weidner, der einer rechtsgerichteten Bonner Burschenschaft angehört und in den 1990er-Jahren für die 1995 verbotene neonazistische „Freiheitliche Arbeiterpartei“ (FAP) aktiv war, wurde nach diffamierenden Äußerungen über Dietrich Bonhoeffer 2011 wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt. Weidner pflegt laut Verfassungsschutz enge Kontakte zur Burschenschaft Germania und war im vergangenen April bei einem „Germanenabend“ in Hamburg zu Gast. Als im Oktober vergangenen Jahres der als Kriegsverbrecher verurteilte ehemalige SS-Angehörige Erich Priebke starb, postete Weidner an dem Tag auf Facebook: „R.I.P. E.P." (Rest In Peace Erich Priebke, ruhe in Frieden). Dieser Eintrag wurde von Mitgliedern der Hamburger Burschenschaft mit „Gefällt mir“ markiert.

Ein weiterer Beleg für die rechte Gesinnung der Hamburger Burschenschaft: Auf dem Waldfriedhof in Aumühle legten Mitglieder von Germania einen Kranz am Grab von Georg von Schönerer nieder. Der Österreicher war ein radikaler Antisemit, dessen Weltanschauung auch Einfluss auf Adolf Hitler gehabt haben soll.

Einen Internetbeitrag mit weiteren Informationen zur Hamburger Burschenschaft Germania finden Sie hier.