Barmbek-Nord

Neues Akustikkonzept: Schüler freuen sich über mehr Ruhe

Schaumstoffplatten sollen Lärm in den Klassenräumen der Helmuth-Hübener-Stadtteilschule schlucken. Schüler finden das prima.

Hamburg. Der Klassenraum der 6d in der Stadtteilschule "Helmuth Hübener" ist kein gewöhnlicher Klassenraum. Die gesamten Wände und die Decke sind mit viereckigen Schaumstoffplatten beklebt, die mit einer Art Filz überzogen sind. Sie sollen mehr Ruhe in den täglichen Unterricht bringen, Schall und Lärm „schlucken“ – ein bislang einzigartiges Projekt an Hamburger Schulen.

Die elfjährige Kira freut sich, dass ihr Klassenzimmer als eines von bislang elf Räumen der Schule vor knapp einem Jahr die Schaumstoffplatten bekam. Denn natürlich geht es auch in ihrer Klasse ab und an etwas lauter zu. Stühle werden hin und her gerückt, es wird gekichert, geplappert und getobt. "Das tat mir oft in den Ohren weh", sagt Kira. "Jetzt ist es aber leiser und ich kann mich besser konzentrieren."

Der Grund für die neue Ruhe im Klassenraum ist ein Akustik-Konzept, das Dirk Labatz, Diplom-Ingenieur für Raumakustik, Lärmschutz und Akustik-Design, entwickelt hat. Sowohl Material als auch Anordnung des Schaumstoffs sind dabei ausschlaggebend. Sogenannte Schallschluckplatten, die aus einem speziellen Schaumstoffgemisch bestehen, dämmen den Raum. "Die Platten wirken wie ein offenes Fenster. Der Schall wird nicht wie normalerweise von der Wand zurückgeworfen, sondern entweicht. Das bedeutet weniger Lärm", erklärt Labatz. Mithilfe von digitalen Simulationsverfahren und unterschiedlichen Anordnungen der Platten ermittelte Labatz die optimale Wirkung in den Räumen.

Das Konzept nützt seitdem nicht nur den Schülern, sondern auch den Lehrern. Schulleiterin Barbara Kreuzer ist sich sicher: "Lärm ist der Stressfaktor Nummer eins im Schulalltag. Zum einen können Schüler nicht konzentriert arbeiten, zum anderen macht Lärm die Lehrer krank." Insbesondere für das Lernbüro – eine neue Unterrichtsform, bei der sich Teamarbeit und freies Lernen abwechseln – sei Lärm zum Problem geworden. "Das ist ein Arbeiten wie im Großraumbüro", sagt Kreuzer. Die Räume hätten dementsprechend akustisch angepasst werden müssen. "Mit dem neuen Akustik-Konzept ist der Unterricht viel persönlicher geworden, man kann wesentlich leiser sprechen. Das spart viel Kraft", meint die Schulleiterin.

Für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6d haben die weißen Schallschluckplatten nur einen Nachteil. "Sie sehen nicht schön aus", sagt der elfjährige Marvin. Ihm sind die Platten zu dick, dazu gebe es keinen Platz für Plakate oder Bilder an den Wänden. Seine Klassenkameradin Rana hat aber eine Idee: "Bunte Platten. Vielleicht wäre das ja in weiteren Räumen möglich." Die Schule plant derzeit jedenfalls, auch Kantine und Treppenhaus gegen Schall auszustatten.

Soundingenieur Dirk Labatz bietet allen Hamburger Schulen und Kitas eine kostenlose Akustikberatung für ihre Räume an. Ein Quadratmeter mit Lärmabsorbern kostet ab 30 Euro. Kontakt unter Tel. 040 – 67 30 87 93 oder per Mail an info@soundingenieur.de