Hamburg-Nord

Abendblatt.de testete die neue Veloroute in Barmbek-Süd

Am kommenden Montag wird die Strecke, auf der Fahrradfahrer Vorfahrt haben, offiziell freigegeben. Abendblatt.de fuhr am Eilbekkanal Probe.

Hamburg. Nach rund zehn Monaten Bauzeit ist in Barmbek-Süd eine 1,6 Kilometer lange neue Fahrradstrecke fertiggestellt worden. Die Route von der Uferstraße, Von-Essen-Straße und Lortzingstraße dürfen ausschließlich Fahrradfahrer benutzen. Sie haben absolute Vorfahrt - erlaubt sind auf der kleinen Durchfahrtstraße lediglich die Autos von Anwohnern. Die Autofahrer müssen jedoch zu jeder Zeit Rücksicht nehmen auf die Radler. Die Strecke wird am kommenden Montag um elf Uhr von Wirtschaftssenator Frank Horch und Dr. Michael Bigdon, Baudezernent des Bezirksamtes Hamburg- Nord, offiziell dem Verkehr übergeben. Abendblatt.de hat die Strecke schon vorab getestet.

An diesem Freitagvormittag wird die neue Route bereits von einigen Fahrradfahrern genutzt. Einige sind allerdings auch auf dem schmalen Weg an der Uferstraße unterwegs, auf dem sich bisher Fußgänger und Radfahrer gemeinsam am Eilbekkanal entlang bewegten. Ist die neue Fahrradstraße also unnütz? "Nein", sagt Helma Krstanoski, Pressesprecherin der Verkehrsbehörde. "Der Weg ist nun ausschließlich Fußgängern vorbehalten. Dass der ein oder andere dennoch weiterhin dort mit dem Rad fährt, ist reine Gewohnheitssache. Warten wir einmal die Umstellungsphase ab."

+++ Hamburger Senat verzögert den Radwege-Bau +++

+++ Mehr für die Radfahrer tun +++

Bei der Testfahrt fallen vor allem Unsicherheiten im Umgang mit den Verkehrsregeln auf. "Wer hat hier eigentlich Vorfahrt?", fragt ein Anwohner, der mit seinem Fahrrad unterwegs ist. In der Straßenverkehrsordnung ist dies klar geregelt - aber vor Ort hilft das wenig. Wer hat schon eine "StVO" dabei? Auf einer Veloroute sollen sich die Autos den Radfahrern unterordnen. Aber haben Radler damit auch automatisch Vorfahrt?

Sandra Levgrün von der Polizei erklärt: "Durch die Einrichtung einer Fahrradstraße verliert die Straße automatisch ihren Status als 30er-Zone. Somit erlischt die Rechts-vor-Links-Regel." Außerdem sollen Schwellen im Übergang zu Querstraßen und Einfahrten den Autofahrern signalisieren, dass die Radfahrer Vorfahrt haben. Mehrere Schilder weisen entlang der Strecke darauf hin, dass es sich um eine Fahrradstraße handelt.

Positiv fällt bei unserem Abendblatt-Test auf der neuen Veloroute auf: Entlang der Strecke wurden beim Ausbau auch zwei neue Stadtrad-Stationen eingerichtet.

Die neue Route ist ein Teilstück der sogenannten Veloroute 6, die am Ende von der Innenstadt über Hohenfelde und Farmsen nach Volksdorf führen soll. Das Hamburger Netz der Velorouten umfasst insgesamt 280 Kilometer. Allerdings sind noch nicht alle Strecken so ausgebaut wie am Eilbekkanal. Ziel des Velorouten-Netzes ist, dass Radfahrer sich zwischen dem Stadtzentrum und ihren Stadtteilen möglichst gefahrlos hin- und herbewegen können. Geplant sind 14 Routen auf insgesamt 280 Kilometern.

Bereits in den 90er Jahren wurden solche Strecken in Hamburg ausgebaut. Inzwischen forciert die Politik den Ausbau der Velorouten, Nummer 6 am Eilbekkanal ist die fünfte von insgesamt 14 Strecken. "Drei Strecken im Grindelviertel und eine in Bergedorf sind bereits fertig", sagt Helga Krstanoski von der Verkehrsbehörde.

Fazit: Die neue Route macht Lust aufs Radeln und ist deutlich angenehmer zu befahren als die Strecken im üblichen Stadtverkehr.