Kommentar

Mehr für die Radfahrer tun

Hamburg vernachlässigt den Ausbau der Velo-Routen

Ein Radfahrer touchiert in Rotherbaum eine Radfahrerin, sie stürzt so unglücklich, dass Lebensgefahr besteht. Ein anderer Radfahrer erleidet bei einem Unfall in Heimfeld schwere Kopfverletzungen - und niemand kann erklären, was passiert ist. Ist er aus Unachtsamkeit gestürzt? Musste er einem Autofahrer ausweichen? Oder einem Hindernis? Zwei Polizeimeldungen von gestern, die zeigen, dass Radfahrer in Hamburg gefährdet sind. Gefährdet, weil sie sich selbst überschätzen, gefährdet, weil sie auch mal unaufmerksam sind, gefährdet, weil andere nicht auf sie achten. Andere - das sind abbiegende Autofahrer, Fußgänger im Gespräch vertieft, Jogger mit Musik im Ohr. Unfälle haben hier häufig schlimme Folgen - und meist sind Radfahrer die Leidtragenden.

Umso wichtiger ist es, dass Radwege auch tatsächlich Radwege sind und keine Holperpisten, die von Wurzeln durchlöchert sind; oder so schmal, dass Radfahrer und Fußgänger kaum aneinander vorbeikommen, ohne sich zu belästigen. Oder so zugewuchert, dass abbiegende Autofahrer Radfahrer erst sehr spät erkennen können. All das trifft beispielsweise auf die Bundesstraße in Eimsbüttel zu. Sie steht exemplarisch für viele andere Strecken in der Stadt. Wer hier sicher unterwegs sein will, wird regelrecht auf die Straße genötigt.

Geschätzt zwölf Prozent aller Fahrten in Hamburg werden mit dem Rad erledigt. Die Landesregierung tut viel zu wenig dafür, dass die Zahl steigt. Der Senat setzt auf ein Busbeschleunigungsprogramm - viel mehr fällt ihm zum Thema Verkehr in der Stadt nicht ein. Das äußerst erfolgreiche Projekt StadtRad der schwarz-grünen Vorgängerregierung zeigt, dass es auch in einer Großstadt wie Hamburg populär ist, Rad zu fahren. Aber es reicht nicht, rote Leihräder an inzwischen 122 Stationen zur Verfügung zu stellen. Vielmehr haben Radfahrer ein Recht auf gute Radwege oder Radstreifen. Jeder, der mit dem Rad zur Arbeit fährt, zum Einkauf oder zu Freunden, lässt sein Auto stehen. Aber auf solch vorbildliches Verhalten fährt die Landesregierung leider nicht ab.