Hilfsprojekt für Afrika

Kindern in Kenia helfen - das Schulbeispiel

Udo-Lindenberg-Stiftung zeichnet Gabriele Bentlage für ihr Engagement bei der Ausbildung junger Afrikaner aus. Kenia war lange ihre zweite Heimat.

Hamburg. Gabriele Bentlage hat schon viel von der Welt gesehen. Die gebürtige Rheinländerin führt in Winterhude ein Reisebüro und war deshalb berufsbedingt oft unterwegs. Und sie hat festgestellt, dass es naturgemäß nicht überall so sauber, ordentlich und geregelt zugeht wie in Deutschland. Als sie im Jahr 2005 nur wenige Kilometer entfernt von einem Strandhotel in Kenia Kinder im Dreck sitzen sah, ohne Aussicht auf regelmäßige Ernährung, auf Schulbildung und auf eine Zukunft, "Da wusste ich mit einem Mal, dass ich etwas tun muss und diesen Kindern helfen will, den Menschen in Kenia etwas zurückgeben möchte", sagt Gabriele Bentlage. Bis heute hat die Reiseexpertin dort einen Kindergarten und eine Schule aufgebaut.

Für die Geschäftsfrau war das afrikanische Land lange wie eine zweite Heimat. "Ich habe Ende der 70er-Jahre und Anfang der 80er-Jahre viel Zeit in Kenia verbracht, bin mindestens 50-mal dort gewesen", erzählt Gabriele Bentlage. Sie besuchte europäische Freunde, "wir lebten wie in einem luxuriösen Kokon und merkten nichts von den Problemen der Einheimischen." Einmal erzählte der Hausdiener ihr von seinen kranken Kindern. Bentlage gab ihm etwas Geld, damit er den Arzt und die Medikamente bezahlen konnte.

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1984 verlor das ostafrikanische Paradies seinen Reiz für Gabriele Bentlage. Bis vor sieben Jahren. Da lud ihre Freundin Angelika Janicke, die in Mombasa mit einem Kenianer verheiratet ist, die Hamburgerin ein, auf alten Spuren zu wandeln. "Ich bin also hingefahren und habe nach 21 Jahren alles wieder abgeklappert." Und in einem Hotel an der Küste nördlich von Mombasa erkannte die Kenianerin Jane Schiffer die Deutsche wieder.

"Jane berichtete mir von den Zuständen in der Nähe des Hotels. Für die Touristen ist alles picobello hergerichtet, und einen Kilometer weiter leben verdreckte Kinder im Müll." Jane nimmt die Hamburgerin mit in ihr Dorf Mtwapa, wo die Hotelangestellte in einer Hütte so etwas wie einen Kindergarten eingerichtet hat. "Aber es fehlte an allem", erinnert sich Gabriele Bentlage. Statt baden und sonnen am Strand fährt sie jetzt jeden Tag nach Mtwapa, spielt mit den Kindern, kauft Lebensmittel von ihrem Urlaubsgeld und finanziert eine medizinische Grundversorgung. Nach ein paar Tagen spricht eine Familie aus Passau sie im Hotel an. "Sie wollte wissen, wo ich immer herkäme und warum ich so erschöpft sei." Gabriele Bentlage berichtet von ihrer Urlaubsbeschäftigung. Die deutschen Kinder spenden spontan ihr Taschengeld, die Eltern kaufen Matratzen für den Kindergarten. Bis heute gehören die Passauer zu den wichtigsten Unterstützern der Afrika-Aktion.

Gabriele Bentlage fliegt nach Deutschland zurück. Sie erzählt Freunden und Kunden von den Zuständen in Kenia, sammelt Spenden, bringt die Sachen regelmäßig privat nach Afrika. Dort packen Angelika Janicke und Jane Schiffer mit an.

Mittlerweile stehen eine Schule und ein neuer Kindergarten. Zehn Lehrer und zwei Kindergärtnerinnen sorgen für die 230 Kinder zwischen zwei und 17 Jahren. Außerdem kümmern sich zwei Köchinnen sowie ein Hausmeister um die Anlage rund um einen riesigen Mangobaum. In acht Klassen wird unterrichtet. "Wenn die Kinder unsere Schule verlassen, können sie lesen, schreiben und rechnen. Und sie sprechen Englisch. Wenn sie zu uns kommen, können sie nur ihren Dialekt", sagt Gabriele Bentlage. Die Versorgung eines Kindes mit Lehrmitteln, Schuluniformen und Verpflegung kostet rund 20 Euro im Monat. Auf ihre Freundinnen Jane und Angelika kann sie sich verlassen. "Die verwalten die Spenden, kaufen Lebensmittel auf dem Markt, lassen die Schuluniformen beim örtlichen Schneider anfertigen, bezahlen die Handwerker und die Lehrer."

Im Herbst 2011 hat die erste achte Klasse die Schule verlassen. Damit endet in Kenia die Schulpflicht. Eine weiterführende Schule kostet rund 700 Euro im Jahr. Viele Jugendliche können aus finanziellen Gründen ihre Ausbildung nicht fortsetzen oder werden in der Familie gebraucht. "Wir möchten unsere guten Schüler weiterfördern", sagt Gabriele Bentlage. Um ihre Arbeit für Afrika auch in Deutschland besser zu organisieren, hat sie zusammen mit der Hamburger Sozialarbeiterin Inge Lindenberg im vergangenen Jahr einen Verein gegründet: "Watoto wa Kenya", Suaheli für "Unsere Kinder aus Kenia".

Gabriele Bentlages gute Taten haben sich in Kenia herumgesprochen. Seit Kurzem unterstützt ihr Verein an der Schule im Slum von Bombolulu am Rande von Mombasa 33 Aids-Waisen. Dank der Hilfe bekommen diese Kinder jeden Tag ein warmes Mittagessen.

Etwa 20 000 Euro kann Watoto wa Kenya jedes Jahr nach Afrika schicken. Verwaltungskosten fallen nicht an, Buchführung, Steuerberatung und Internetauftritt werden ehrenamtlich gemacht. Für 2012 fällt die Bilanz noch besser aus, denn an diesem Wochenende bekam Gabriele Bentlage 15 000 Euro von der Udo-Lindenberg-Stiftung. Beim Hermann-Hesse-Festival in Calw, bei dem Nachwuchsbands um den Panikpreis streiten und auch Lindenberg selbst auftritt, würdigt der Musiker die Afrika-Hilfe aus Hamburg mit einem entsprechenden Betrag.

Internet: www.watotowa.de , Konto: Watoto wa Kenya e. V., Kontonummer 12 07 14 47 16, Haspa (BLZ 200 505 50)