Immobilien

Wohnungsnot: Familie bietet 3000 Euro für Tipp

Zettel an Laternenmast. Verbraucherzentrale: "Die Regeln des normalen Mietvermittlungsmarktes scheinen nicht mehr zu funktionieren."

Hamburg. Die angespannte Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt treibt Wohnungssuchende zu ungewöhnlichen Methoden. "3000 Euro Belohnung für den entscheidenden Tipp!": Mit diesem auf einen Laternenmast geklebten Angebot sucht ein Ehepaar in Hamburg-Alsterdorf ein Haus "in dieser Gegend zur Familiengründung".

Eine Anzeige, bei der so viel Geld nur für die Vermittlung geboten werde - der Preis liegt sonst zwischen 300 und 500 Euro -, sei "Auswuchs der angespannten Wohnungslage", sagt Siegmund Chychla, Leiter der Rechtsabteilung des Mietervereins zu Hamburg. Früher seien es Studenten gewesen, die günstig eine "Bude" mieten wollten. "Später kamen Wohnungssuchende mit geringem Einkommen hinzu." Jetzt hofften junge Familien, auf diesem Weg eine bezahlbare Wohnung zu erhalten.

+++ Bezahlbare Wohnungen verzweifelt gesucht +++


Auch Edda Castelló, Leiterin der Rechtsabteilung der Verbraucherzentrale Hamburg, macht die Lage auf dem Wohnungsmarkt für eine derartige Anzeige verantwortlich. Dies sei "Ausdruck der Verzweiflung" einer wohnungssuchenden Familie, sagt die Verbraucherschützerin. "Die Regeln des normalen Mietvermittlungsmarktes scheinen nicht mehr zu funktionieren."

Dem Mieterverein zufolge fehlen in Hamburg zwischen 30.000 und 40.000 Wohnungen. "Wir sprechen von einem ausgeglichenen Wohnungsmarkt, wenn das Angebot die Nachfrage um drei bis fünf Prozent übersteigt", sagt Chychla. Insgesamt gibt es in der Hansestadt derzeit rund 890.000 Wohneinheiten. Zwar lebten nur in rund 20 Prozent der Hamburger Haushalte Familien mit Kindern unter 18 Jahren, sagt Chychla. Für diese sei die Lage aber besonders problematisch. Es gebe zu wenige Wohnungen mit vier oder fünf Zimmern, und diese wenigen Wohnungen seien vielfach zu teuer. So kosteten familiengerechte Wohnungen in der Neuvermietung rasch 1500 und mehr Euro. Um diese Miete sicher aufbringen zu können, sei eigentlich ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von mehr als 5000 Euro Voraussetzung.

Axel E. Kloth, Vorstandschef des Immobilienverbands in Hamburg, sieht in dem Vorgehen der Inserenten zwar kein rechtliches Problem. Allerdings sei der Versuch, so die Maklercourtage zu umgehen, auch Ausdruck dessen, wie wenig die Öffentlichkeit über die umfangreiche Arbeit eines Wohnungsmaklers Bescheid wisse. "Ein guter Makler betreut einen Wohnungsinhaber intensiv und hat selbst ein Interesse daran, dass der Mietpreis marktgerecht ist." Die Mieter sähen dagegen "immer nur den kleinsten Teil unserer Arbeit".