Winterhude

Eigentum statt Sozialwohnungen am Heidberg

Der Bauherr versprach bezahlbare Mietwohnungen für Bauprojekt im Innenhof. Der neue Eigentümer verkauft nun Eigentumswohnungen.

Hamburg. Es ist ein Bauprojekt, das für erheblichen Widerstand gesorgt hat: Im vergangenen Sommer erfuhren die Anwohner am Heidberg 21-23, dass in ihrem Innenhof ein neues Wohnhaus entstehen soll. Zahlreiche Beschwerden bei Bezirk und Behörde gingen ein, die Nachbarn klagten vor dem Gericht. Doch Eigentümer Michael Börner hielt an seinem Plan fest, in dem Innenhof zwischen Heidberg und Krohnskamp ein Wohnhaus mit 14 Einheiten zu bauen. „Bezahlbarer Wohnraum für junge Familien“, betonte Börner stets. Die Anwohner kämpften weiter – ohne Erfolg. Rund zehn Monate später steht fest: Das Haus wird gebaut. Doch bezahlbare Mietwohnungen entstehen in dem Winterhuder Neubau nicht. Und der Eigentümer des Grundstücks heißt auch nicht mehr Michael Börner. Stattdessen bietet die Firma Liscard die Wohnungen seit Kurzem im Internet an. 14 Eigentumswohungen für einen Einzelpreis von bis zu 585.000 Euro. Was ist passiert?

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Anfang des Jahres hat Eigentümer Börner das Grundstück in dem Innenhof an Liscard GmbH verkauft. „Es ist so viel Unschönes passiert. Es wurde ganz gezielt negative Stimmung gemacht, die in mein privates Umfeld ausgestrahlt ist“, sagt der Bauherr. Die Nachbarn glauben dieser Aussage nicht. Sie vermuten einen gezielten Plan von Anfang an. „Wir fühlen uns getäuscht“, sagt Anwohnerin Annelie Kirchner. „Herr Börner wollte zu keinem Zeitpunkt bezahlbaren Wohnraum bauen“, behauptet Kirchner, die sich auf eine Anfrage bei der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt bezieht, wonach Börner keinen Förderantrag gestellt hat. Der Bauherr verteidigt sich: „Wir haben nie an einen Verkauf gedacht, sondern immer eine langfristige Finanzierung geplant“, sagt Börner. Der Widerstand gegen das Bauvorhaben habe ihn am Ende müde gemacht.

Ein neuer Eigentümer fand sich schnell. Die Firma Liscard kaufte Börner das Grundstück im Januar ab und übernahm sowohl die Baugenehmigung als auch den Bauplan.

Einzig das Bauvorhaben „sozialer Wohnraum“ hat Liscard nicht übernommen. Laut zuständigem Bezirksamt Nord ist das aber kein Vertragsbruch. „Baurechtlich ist in diesem Fall nichts zu beanstanden. Wir prüfen lediglich Sicherheitsfragen. Die Frage nach Miet- oder Eigentumswohnungen ist nicht Bestandteil des Vertrags“, sagt Sprecherin Katja Glahn. „Die Baugenehmigung ist drei Jahre gültig, der Rest ist Sache der Privateigentümer“. Eine Täuschung läge nicht vor. „Selbst für ein Penthouse mit Luxuswohnungen hätte Herr Börner die Baugenehmigung bekommen. Wir können keinen Einfluss nehmen auf die Geschäftsideen von privaten Eigentümern“, so Glahn. Der Bezirk fühle sich aber verpflichtet, bei neuen Bauvorhaben mindestens 30 Prozent an sozialem Wohnraum zu schaffen.

Die Nachbarn am Heidberg sind über das Vorgehen der Eigentümer enttäuscht. „Es scheint sich in unserer Stadt eine Vorgehensweise zu etablieren, wie man sich Baugenehmigungen erschleicht, um dann ganz groß Kasse zu machen“, sagt Annelie Kirchner. Sie spielt an auf den Fall Fuhlsbütteler Straße 294 in Barmbek. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Firma Onevest von Andreas Wankum dort nicht wie versprochen 115 Sozialwohnungen, sondern teure Eigentumswohnungen baut. Ein ähnlicher Fall wie am Heidberg. Die Bezirkspolitik habe derzeit ein Auge auf Fälle wie diese, so Katja Glahn vom Bezirksamt Nord.

Trotz der jüngsten Beispiele sieht Glahn keinen Täuschungstrend auf dem Immobilienmarkt. „Auf Bezirksebene gibt es keine Markttendenzen“, sagt sie. Und auch bei städtischen Immobilien gäbe es keine Anzeichen dafür, dass Bauherrn sich mit falschen Versprechungen Baugenehmigungen erschleichen, wie die Finanzbehörde bestätigt.

Der neue Eigentümer des Baugrundstücks am Heidberg, Liscard GmbH, wehrt sich gegen Vorwürfe einer Täuschung. „Wir weichen keinen Zentimeter von der Baugenehmigung ab“, sagt ein Mitarbeiter. Im Sommer plant die Firma den Baubeginn. Im Herbst 2013 soll das Wohnhaus fertig sein. „Wir lassen uns von den Protesten nicht aufhalten“, so der Mitarbeiter.