Grüne Oase

Wo uns in Hamburg der Frühling blüht

Dieter Hüttenrauch, technischer Leiter von Planten und Blomen, hinter einer Kornelkirsche

Dieter Hüttenrauch, technischer Leiter von Planten und Blomen, hinter einer Kornelkirsche

Foto: Klaus Bodig

In Planten un Blomen haben Vorbereitungen für die Saison begonnen. Die Gärtner pflanzen Blumen, damit der Park bis Ostern gut aussieht.

Neustadt.  Fast scheint es, als hätten sie sich abgestimmt, um gemeinsam den Frühling einzuläuten. Die Vögel, die in den vergangenen Tagen unüberhörbar munterer wurden. Die Sonne, deren Strahlen, sofern man windgeschützt ist, schon wärmen. Und die Wildkrokusse, die seit Wochenbeginn ihre lila Spitzen bei Planten un Blomen aus der Erde strecken. „Perfekte Rahmenbedingungen“, freut sich Dieter Hüttenrauch, der für Hamburgs berühmtesten Park die Verantwortung hat.

In dieser Woche haben dort die Frühlingsvorbereitungen begonnen. Bis Ostern sollen sämtliche Hinterlassenschaften des Winters aus der 45 Hektar großen Anlage im Herzen der Stadt entfernt sein.

Gehölze und Stauden müssen zurückgeschnitten, altes Laub und Tannenzweige, die als Frostschutz dienten, schubkarrenweise aus den Beeten geräumt werden. Auf dem Eulenberg und in den Bürgergärten des alten, 1935 angelegten Parkbereichs zu Füßen des Fernsehturms sind die Arbeiten in vollem Gange.

Alpenveilchen, Krokusse und Christrosen blühen schon

In den Beeten, die schon frühlingsfein gemacht wurden, blühen Alpenveilchen, Krokusse, Christrosen und Märzbecher, an den Osterglocken brechen langsam die Knospen auf. „Ostern werden sie in voller Blüte stehen“, verspricht Hüttenrauch. Denn an der Zuverlässigkeit der Natur habe sich trotz des Klimawandels nichts verändert. „Die Linden knospen noch genau wie zu meiner Kindheit nie vor dem 5. Mai“, sagt Hüttenrauch. Er wisse das so genau, weil er an diesem Tag Geburtstag habe.

Während er die Termine des Knospens und Blühens getrost der Natur überlassen kann, ist er für alles andere verantwortlich. 17 Gärtner und Handwerker sind für ihn in Planten un Blomen unterwegs, dazu sieben Auszubildende.

Weil sie besonders den arbeitsreichen, rund dreiwöchigen Frühjahrsputz in Planten un Blomen nicht alleine schaffen, bekommen sie in der Zeit Unterstützung von bis zu 20 Externen. Diese übernehmen beispielsweise die Reinigung von Wasserbecken und Gräben. „Während sie Schlamm und Modder entfernen, werden unsere Goldorfen und Goldkarpfen übergangsweise hier untergebracht“, sagt Hüttenrauch und zeigt auf ein achteckiges Wasserbecken in unmittelbarer Nähe der Bürgergärten.

Im Park gibt es etliche exotischeGewächse, die kräftig gewachsen sind

Die hofartigen Gärten sind durch weißgestrichene Mauern voneinander getrennt. Mit deren Farbe konkurrieren die Stämme einer Himalaya-Birke, die – anders als die heimischen Birken – strauchartig wächst: Ihr Weiß blitzt mit dem strahlend blauen Himmel um die Wette, als hätte sie ihren Frühjahrsputz schon hinter sich.

Sie ist nicht das einzige exotische Gewächs in der Umgebung. In Kübeln wachsen Palmen-Lilien, dazwischen verschiedene Ahornarten und Lebensbäume. Ein Stückchen weiter weg ragen mehr als zehn Meter hohe Sumpf-Zypressen und der Urweltmammutbaum, auch Chinesisches Rotholz genannt, empor.

„Als ich hier 1977 anfing, waren sie nicht größer als ich, sodass ich sie mit der Hand beschneiden konnte“, erinnert sich Hüttenrauch, der seine Laufbahn bei Planten un Blomen als einfacher Gärtner begann, dann zunächst seinen Meister machte und 1994 den Posten als technischer Leiter übernahm.

Langweilig ist ihm in der langen Zeit noch nie geworden. „Mit Natur und Pflanzen umzugehen, hat nichts mit Fließbandarbeit zu tun – schließlich ist jedes Frühjahr und jeder Sommer anders“, sagt Hüttenrauch. Spannend fände er auch das veränderte Pflanzensortiment – und dass sich auch hier Modetrends abzeichneten. „Heute sind kleinblättrige, wildförmige Pflanzen modern. Während früher ganze Beete mit einer Sorte bepflanzt wurden, findet man heute auf einem Quadratmeter drei bis vier Arten.“

Jedes Jahr werden 5000 bis 10.000 Zwiebeln in die Erde gesteckt

Mit einem kleinen Wagen kommen Gärtner Marten Borgstädt und Azubi Niklas angefahren. Sie streuen Rinderdung aus – nicht gerade zur großen Freude der Parkbesucher: Es riecht wie auf dem Land. „Wir düngen das, was man noch nicht sieht“, sagt Borgstädt, während er den zu Röllchen gepressten Dung zwischen kahlen Büschen auf der nackten Erde verteilt. „Bald wird das hier eine blühende Staudenfläche sein mit Storchschnabel, Ziest, Felberich und Bachnelkenwurz“, sagt Hüttenrauch.

Die Märzenbecher, die gleich Riesenschneeglöckchen in der Nähe wachsen, brauchen keinen Dünger. Seit er sie vor gut 20 Jahren gepflanzt hat, haben sie sich ordentlich vermehrt. Auch Osterglocken, Krokusse und Tulpen kommen jahrelang immer wieder. Dennoch bestellt Hüttenrauch im Jahr 5000 bis 10.000 Zwiebeln. „Durch Umpflanzungen oder Ausgraben von Stauden gehen immer wieder Zwiebeln verloren“, so der Pflanzenexperte.

Während die Zwiebeln bereits im Herbst gesetzt wurden, müssen Frühlingsblumen wie Stiefmütterchen, Ranunkeln und Primeln noch gepflanzt werden. 35.000 Stück hat Hüttenrauch bestellt. Überall im Park warten Beete und Kübel mit satter, schwarzer Erde auf die bunte Pracht; auch hier soll zu Ostern alles in voller Blüte stehen.

Mit dem Einzug des Frühlings beginnt die Saison. Rund drei Millionen Besucher werden auch dieses Jahr wieder durch den Park bummeln, angelockt von Musikdarbietungen, Theatervorstellungen, Wasserlichtkonzerten, dem Kinderspielplatz, Themengärten – und den vielen Pflanzen, die von Dieter Hüttenrauch und seinem Team gehegt und gepflegt werden.