St. Pauli

Konzept für Bunker-Stadtgarten soll im Herbst stehen

Das Dach des Bunkers an der Feldstraße soll man über eine begrünte Rampe erreichen können

Das Dach des Bunkers an der Feldstraße soll man über eine begrünte Rampe erreichen können

Foto: Hilldegarden

Initiatoren des Projekts Hilldegarden wollen auf dem Dach in St. Pauli eine grüne Oase verwirklichen. Sie könnte 2017 fertig sein.

St. Pauli. Noch ist alles grau in grau, nur Massen von Beton und auf dem Dach jede Menge Kies, ein wuchtiger Klotz ohne große Schönheit oder Charme. Doch in nicht allzu ferner Zeit könnte sich die Außenfläche des Bunkers an der Feldstraße zu einer grünen Oase mausern, mit einem üppigen Stadtgarten auf dem Dach, ein Magnet für Freunde der Natur, erreichbar für jedermann über eine einladende Rampe voller Pflanzen. Schon im Frühjahr 2017, so hoffen die Initiatoren des Projektes Hilldegarden, soll ihre Vision Wirklichkeit werden: die neue Stadtnatur auf St. Pauli.

Wo bei dem im Jahr 1942 in nur 300 Tagen hochgezogenen Bunker früher unter anderem die Flakgeschütze und Munitionsbunker standen, sollen mehr als 8000 Quadratmeter öffentliche Grün- und Gemeinschaftsflächen entstehen, ein Dachpark sowie Wegeflächen und eine begrünte Rampe, die auf Straßenniveau beginnt und um das Gebäude herum auf das Dach des Bunkers führen soll. „Erst durch diese Rampe wird das Dach des Bunkers erstmalig zugänglich gemacht“, erklärt Tobias Boeing, gemeinsam mit seiner Kollegin Charlotte Dieckmann Koordinator von Hilldegarden (Kunstwort aus „hill“ und „garden“), einem Projekt, das mit zurzeit rund 35 Aktiven ein Konzept für den Stadtgarten auf dem Bunker entwickelt. Im Herbst soll das Konzept stehen. „Die Umsetzung durch die Fachplaner soll im September beginnen, dann wird voraussichtlich auch der Bauantrag eingereicht“, erklärt Boeing den Zeitplan. „Schon im Frühjahr 2016 könnte der Bau beginnen.“ Die Aktiven gehen dann von einer Bauphase von etwa einem Jahr aus. Sprich: Im Frühjahr übernächsten Jahres wäre demnach das Projekt Realität.

Beim „Bergfest“ für die Planung, das am Wochenende gefeiert wurde, konnten Interessierte auf das Dach des Bunkers steigen und gleichzeitig in die bewegte Geschichte des Gebäudes als Verteidigungs- und Schutzbunker eintauchen wie auch in seine mögliche Zukunft.

Aus einer Idee wurde mehr

Am Anfang war es nur eine originelle Idee einiger Anwohner. Menschen wie unter anderem Sonja Brier, die an der Marktstraße wohnt und die ihrem Sohn regelmäßig beim Fußballtraining zusah, immer wieder mit dem Blick auf den Bunker. „Ich dachte, hier muss was Grünes her“, erzählt die Filmemacherin, die sich mit anderen Visionären zusammenschloss. Bald fand man weitere Mitstreiter, und die Gruppe rief Hilldegarden ins Leben. Es gelang ihnen, den erbauberechtigten Pächter des Bunkers, den Unternehmer Prof. Thomas Matzen, von einer Vision einer völlig neuen Stadtnatur zu überzeugen.

Auf dem Dach des Bunkers, so die Planungen von Hilldegarden, können Park-, Garten- und Erholungsflächen mit Gemüseanbau und Bäumen entstehen. „Wir haben Experten dazugeholt zu der Frage, welche Pflanzen bei dem hier herrschenden Wind gedeihen“, erklärt Koordinator Boeing. „Es wird eine mehrstufige Bepflanzung geben.“ Ebenfalls auf dem Dach ist eine Gedenkstätte geplant, als permanente Ausstellung. Der sogenannte Kragen des Bunkers, der wie ein umlaufender Balkon etwa sechs Meter unterhalb des Dachs aus der Wand herausragt, könnte großflächig bepflanzt werden, auch mit größeren Gewächsen von bis zu acht Metern Wuchshöhe. Und an der Nordseite des Bunkers, also zur Feldstraße hin, soll eine etwa 300 Meter lange und sechs Meter breite Rampe entstehen. „Sie wird wie ein begrüntes Parkband“, so Boeing. Sie führt den Planungen zufolge direkt auf den Kragen des Bunkers und ist Hauptzugang zum Dachgarten. Auch diese Rampe soll mit Pflanzen aller Art begrünt werden, knöchelhohem Grün und auch Büschen und Bäumen. Auf das Dach führt dann ein sogenannter „Bergpfad“.

In fünf Arbeitsgruppen (AG) werden seit Monaten die unterschiedlichen thematischen Perspektiven des Projekts diskutiert und an einem tragfähigen Konzept gefeilt. Die AG Prozess befasst sich mit den Zielen und der Nutzung der öffentlich zugänglichen Flächen in einer dafür geeigneten Rechtsform. In der AG Außenflächen nehmen Ideen unter anderem für die Wildblumenwiese, Laubengänge, eine Ruheoase, Baumhäuser oder eine Kräuterspirale Gestalt an. Zurzeit ist geplant, einen Teil der Grünflächen für regelmäßige Gärtner zur Verfügung zu stellen, ein anderer Teil soll von allen spontan Interessierten zum Gärtnern und Anschauen genutzt werden.

Eine weitere AG kümmert sich um die innen liegenden Räume, bei denen insgesamt rund 500 Quadratmeter mietfrei für soziale Zwecke zur Verfügung stehen sollen. Das Ziel einer weiteren AG ist unter anderem Energieversorgung. Und schließlich die AG Mahnmal und Gedenkstätte, die den Bunker als Mahnmal würdigen und das Gedenken an Zwangsarbeiter und Kriegsopfer erhalten will. Hier werden noch Zeitzeugen gesucht. Sie und weitere Interessierte sind herzlich willkommen. (info@hilldegarden.org)