Preis

Stefan Fink ist Hamburgs Handwerker des Jahres

Der Drechsler und Schreibgerätehersteller Stefan Fink in seiner Werkstatt

Der Drechsler und Schreibgerätehersteller Stefan Fink in seiner Werkstatt

Foto: Roland Magunia

Spatz und Kiebitz heißen die neuesten Kreationen des Drechslermeisters. Wim Wenders ist schon länger Fan seiner Produkte.

Hamburg.  Seine neuesten Schreibwerkzeuge heißen Spatz und Kiebitz. Ob handgefertigte Füllfederhalter, Tintenroller oder Skizzierstifte aus Holz, alle erhalten die Namen von Vögeln. „Das liegt doch nahe, ich heiße schließlich Fink“, sagt der Drechslermeister aus St. Georg. Die Vogelnamen vergibt der Hamburger Stefan Fink nicht zufällig. Spatz und Kiebitz sind Taschenfüllfederhalter, im geschlossenen Zustand kaum länger als der Mittelfinger eines Mannes. Zusammengeschraubt ergeben Griffstück und Verschlusskappe einen vollwertigen Füller. Einen, wie ihn Filmemacher Wim Wenders für unterwegs immer haben wollte. „Er ist ein guter Kunde, ein Freund und hat mich jahrelang traktiert, einen solchen Füller zu entwickeln“, sagt Fink, der am Donnerstag als „Handwerker des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Vergeben wird der Handwerkerpreis von der Haspa und der Handwerkskammer.

Seine beiden Taschenfüllfederhalter wurden schon als Manufaktur-Produkt des Jahres 2016 ausgezeichnet. Den einzigen Kompromiss, den Fink wegen der Größe eingehen musste, war der Einsatz einer Tintenpatrone. „Aber bei dem Format geht das nicht anders“, sagt er. Schnellgewinde ermöglichen einen schnellen und stabilen Zusammenbau der Füller, die aus Grenadill-Holz sind. Die Feder ist aus Titan. Zwei bis drei Tage dauert es, bis Fink ein solches Schreibgerät gefertigt hat. Er ist Deutschlands einziger professioneller Füllermacher. Knapp 200 Schreiber, die zwischen 270 und 1700 Euro kosten, kommen pro Jahr aus seiner Manufaktur, die er mit seiner Frau betreibt.

Der Vater machte Frühstücksbretter

Mit Holz ist Stefan Fink aufgewachsen. Doch bis er seine Erfüllung mit Füllern und Stiften gefunden hat, war es ein langer Weg. Sein Vater betrieb eine Tischlerei und fertigte Frühstücksbretter. Das war nicht seine Welt. Fink lernte Drechsler, ein Handwerk, das er als die Königsklasse der Holzverarbeitung sieht und das heute auszusterben droht. In der Lehre und während der Gesellenjahre hat er vieles ausprobiert. „Ich habe Gefäße, Haushaltsgeräte Treppensprossen und Dosen gedrechselt“, sagt Fink. Er begeisterte sich für Stilkunde, Proportionen und die Formensprache, studierte Industriedesign an der Hochschule der Bildenden Künste Hamburg und machte sich schließlich 1987 mit einer eigenen Werkstatt selbstständig.

Einige Designaufträge von indus­triellen Schreibgeräteherstellern brachten Fink in die Erfolgsspur. Aber die Materialien, mit denen dort gearbeitet wird, waren nicht seine Welt. „Indus­trielle Stifte und Füller sehen vielleicht auch gut aus, aber sie haben alle ein Griffigkeitsproblem“, sagt Fink. Sein erster Skizzenstift aus Holz hieß Kauz und war recht dick und sehr griffig. „Wer es schafft, aus einem Alltagsgegenstand ein Museumsobjekt zu machen, der ist ein Vorbild für nachfolgende Handwerksgenerationen“, sagte
Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang in seiner Laudatio.

Alle Modelle entwickelt Fink selbst. Am liebsten nimmt er ein Stück Holz und drechselt zunächst die Form oder knetet ein neues Modell. Die Metallteile lässt er vorfertigen, veredelt sie aber selbst. „Das Holz muss sieben bis neun Jahre trocknen, bevor es verarbeitet werden kann“, sagt Fink. Er benutzt Wildolive, Eibe, Palisander, Perückenstrauch oder auch Rosenholz, weil diese Hölzer eine schöne Maserung haben.

Über junge Kunden freut sich Fink am meisten

Seine Kunden sind nicht nur Prominente wie Wim Wenders oder Schauspieler Stefan Kurt. „Neulich hat sich ein Konfirmand einen Füllfederhalter bei mir gekauft“, sagt Fink. „Ich freue mich, wenn meine Kunden jung sind.“ Es sind alle Schichten vertreten: Vom Intellektuellen bis zum Taxifahrer.

Demnächst geht Fink für zwei Monate nach Japan. Einst hatte der Gallerist Elmar Weinmayr zufällig seine Schreibgeräte in Hamburg entdeckt, zehn Stück gekauft und sie innerhalb von wenigen Stunden in Japan in seiner Galerie verkauft. Seitdem ist Japan Finks einziger Auslandsmarkt. Ein Drittel der Jahresproduktion wird dort abgesetzt. Anfragen von Luxus-Schreibwarengeschäften in London und Zürich, die seine Schreibgeräte vertreiben wollten, hat er abgelehnt.

Die Fertigung hochfahren, ein paar Mitarbeiter einstellen und so expandieren? Fink lacht nur. „Nein, so geht das nicht.“ Er will sich nicht durch Expansion treiben lassen. „Ich müsste erst drei Jahre jemanden ausbilden“, sagt Fink. Arbeitsschritte nur zeigen und erklären – das reiche nicht. Mehr als 300 Handgriffe sind nötig, bis ein Stift oder Füller fertig ist. „Jedes Holz ist anders, kann unterschiedlich schnell bearbeitet werden. Dazu braucht es Erfahrung und Gefühl“, sagt Fink. Jetzt denkt der 58-Jährige darüber nach, sein Wissen weiterzugeben. Er kann sich vorstellen, dass es zwei Japaner sind, denen er seine Erfahrungen anvertraut. Fink: „Dort ist das Interesse und die Wertschätzung für meine Arbeit besonders groß.“