Persönlich

Cornelia Prüfer-Storcks: Senatorin für Alster und Kanu

Lebt erst seit fünf Jahren in Hamburg: Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) leitet die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

Lebt erst seit fünf Jahren in Hamburg: Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) leitet die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Die Neuhamburgerin Cornelia Prüfer-Storcks ist gerne auf dem Wasser – und genießt es, unerkannt mit Bus und Bahn zu fahren.

St. Georg.  Das Literaturhauscafé am Schwanenwik hat Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) für das Interview vorgeschlagen. Hier sei sie schon länger nicht mehr gewesen, obwohl sie ganz in der Nähe wohnt, erzählt die Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz bei Cappuccino und Mineralwasser.

Wobei länger ein relativer Begriff ist: Prüfer-Storcks lebt erst seit rund fünf Jahren an der Elbe, ist quasi noch Neuhamburgerin. Ihr selbst gewähltes Outfit könnte indes nicht hanseatischer sein: dunkelblaues Kostüm, wenig Schmuck, dezentes Make-up. Hamburg sei schon immer eine ihrer Lieblingsstädte gewesen, auch wenn sie beruflich zunächst in Nordrhein-Westfalen war. Erst als Redakteurin der „Ruhr-Nachrichten“, dann lange Zeit im Staatsdienst, unter anderem im Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann (was man an ihrer Akribie, stets die weibliche und männliche Form zu verwenden, merkt).

Von 1999 bis 2005 war sie Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie in Nordrhein-Westfalen. Anschließend ging die gebürtige Essenerin in den Vorstand der AOK Hamburg/Rheinland. Und gerade als sie dachte, der „Zenit meiner Karriere“ sei erreicht, kam der Ruf von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nach Hamburg. „Das mit dem vielen Wasser passt auf jeden Fall“, sagt sie salopp. „Im Urlaub fahre ich auch lieber ans Meer als in die Berge.“ Alster oder Elbe? Sie ist klar ein Alstertyp, geht mit ihrem Mann gern Kanu fahren, fährt viel mit dem Fahrrad. In der Woche ist die 59-Jährige mit dem Dienstwagen unterwegs. Am Wochenende genießt sie es wie alle anderen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren – weitestgehend unerkannt.

Prüfer-Storcks schätzt Diskretion der Hamburger

„Außer bei offiziellen Terminen werde ich kaum angesprochen“, sagt die Senatorin, die laut Umfrage einen Bekanntheitsgrad von 70 Prozent unter den Hamburgern hat. „Vielleicht werde ich erkannt, und die Hamburger sind einfach so diskret und zurückhaltend. Das rechne ich ihnen hoch an“, sagt sie lachend. Dennoch: Viel weiß man nicht über die rotblonde Rheinländerin. Perfekt vorbereitet sei sie, sagen selbst Kollegen aus anderen politischen Lagern. Das mache es schwer, sie anzugreifen. Sie redet nicht gern über sich, bei Fragen zum Privatleben wird sie schnell skeptisch, lehnt sich zurück. Lieber bleibt sie sachlich, bringt Themen voran, wie die Krankenhausreform. Auch auf bundespolitischer Ebene mischt Cornelia Prüfer-Storcks mit.

Woran sie sich allerdings gewöhnen musste, war eine Hamburgensie der politischen Art: das Feierabend-Parlament. „Bürgerschaftssitzungen, Ausschüsse, Arbeitskreise, Veranstaltungen – vieles in der Hamburger Politik spielt sich abends ab. Das ist zeitlich durchaus herausfordernd, ganz besonders natürlich für die Abgeordneten.“

Ihr perfekter Abend sieht auf jeden Fall anders aus: „Wenn die Woche gut gelaufen ist und ich ohne Stress zu meinem Mann nach Hause komme, wenn wir gemeinsam kochen und uns unterhalten.“ Obwohl der Job private Planung kaum zulässt, versucht sie möglichst oft Freunde zu treffen oder ins Theater zu gehen. „Ich möchte mich nicht nur auf das politische Amt reduzieren lassen.“ Sehr gern geht sie ins Schauspielhaus, allein oder in Begleitung von Kultursenatorin Barbara Kisseler, mit der sie befreundet ist.

Mitarbeitern schenkt sie gern Bücher zum Geburtstag

Gefragt nach der besten Eigenschaft, die Politiker haben sollten, antwortet die Wahlhamburgerin, die „schon immer ein politischer Mensch“ war, aber erst nach Beendigung ihrer journalistischen Tätigkeit der SPD beitrat: „Man sollte in die Politik gehen, weil man das Leben der anderen besser machen will und nicht das eigene.“ Cornelia Prüfer-Storcks liegen die Themen Älterwerden und Pflege besonders am Herzen. „Die meisten Menschen möchten doch so lange wie möglich selbstbestimmt und in ihrem gewohnten Umfeld leben. Deshalb fördern wir gezielt Alternativen zum klassischen Pflegeheim, etwa Wohngemeinschaften für Senioren, weil wir hier in Hamburg noch Nachholbedarf haben.“

Von ihren Mitarbeitern erwartet die auch für den Arbeitsschutz zuständige Senatorin keine ständige Erreichbarkeit, weil sie weiß, dass dies zu einer psychischen Überlastung führen kann. „Einige Politikerinnen und Politiker veröffentlichen fast nonstop ihre Statements über soziale Medien. Da wären meiner Meinung nach etwas mehr Ruhe und Besonnenheit angesagt.“ In der Hinsicht sei sie altmodisch. Verabredungen trifft sie schon mal per E-Mail, „aber ich würde nachts nicht aufstehen, um zu sehen, ob ich eine Nachricht bekommen habe“.

Dazu passt, dass sie ihren Mitarbeitern in der Behörde zum Geburtstag Bücher schenkt, selbst ausgewählt. „Immer wenn ich ein interessantes Buch entdecke, notiere ich es mir und gehe dann mit einer langen Liste in den Buchladen. Die Liste wird dann abgehakt, und ich komme mit einem riesigen Stapel Lektüre nach Hause.“ Wie bei ihren öffentlichen Auftritten gilt auch hier: Frau Prüfer-Storcks ist auf alles bestens vorbereitet.