Neue Flaniermeile

Alter Wall wird Einkaufsboulevard – nur Händler fehlen noch

Der Alte Wall soll wieder zu einem Einkaufsboulevard werden. So wie in diesem Entwurf entstehen hinter historischen Fassaden neue Läden und Büros.

Der Alte Wall soll wieder zu einem Einkaufsboulevard werden. So wie in diesem Entwurf entstehen hinter historischen Fassaden neue Läden und Büros.

Foto: Cadman / Art-Invest

Grundsteinlegung für 12.000 Quadratmeter Ladenflächen hinter dem Rathaus. 2018 soll die frühere Einkaufsstraße wiederbelebt werden.

Altstadt.  Der Alte Wall war um das Jahr 1900 eine pulsierende Einkaufsstraße. Doch in den vergangenen Jahrzehnten verfiel der Abschnitt, der direkt an das Rathaus grenzt, in eine Art Dornröschenschlaf. Schon im Sommer 2018 soll die Straße aber wieder zu einem belebten Einkaufsboulevard werden. Dafür steckt der Projektentwickler Art-Invest rund 250 Millionen Euro in das ehemalige Gebäude der Vereins- und Westbank .

Zu dem Komplex gehören fünf Häuser. Auf einer Länge von rund 150 Metern sollen nach der Fertigstellung rund 18.000 Quadratmeter Bürofläche und 12.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche entstehen. Die denkmalgeschützten Fassaden bleiben erhalten.

Für den Neubau hinter den historischen Mauern ist am gestrigen Donnerstag der Grundstein gelegt worden. Der Schauplatz dafür ist spektakulär: Die riesige Baugrube ist 20 Meter tief, 90 Meter lang und 30 Meter breit. 45.000 Kubikmeter Erde wurden insgesamt ausgehoben. Hier soll 40 Meter in die Höhe gebaut werden. Auch eine vierstöckige Tiefgarage mit 228 Stellplätzen soll hier entstehen.

„Synthese von belebendem Handel und schönen Künsten“

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sprach bei der Grundsteinlegung als „Nachbar“ zu den rund 200 geladenen Gästen. Scholz ging auch auf den geschichtsträchtigen Ort ein: „Am Alten Wall ist schon immer viel gebaut worden. Erst wurde hier die Stadtmauer gebaut, dann wurde sie durch eine Wallanlage ersetzt. Weil die zu klein war und die Stadt wuchs, baute man im 16. Jahrhundert den Neuen Wall“, sagte Scholz.

Der Bürgermeister verbindet große Hoffnungen mit dem Neubau: „Das Konzept von Art-Invest und den Architekten gmp knüpft an die Traditionen an und wird das Areal enorm aufwerten. Das Projekt wird den Alten Wall neu beleben.“

Was hier entstehen soll, fasste Professor Volkwin Marg von gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner , so zusammen: „Zuletzt von Banken genutzt, hatte das Gebäudeensemble über die Jahrzehnte seine ursprüngliche Nutzung als Ort des städtischen Handels weitgehend verloren. Jetzt entsteht eine neue Architektur, die die Synthese von belebendem Handel und schönen Künsten am traditionsreichen Boulevard Alter Wall ermöglicht.“

In dem Gebäudekomplex wird auch das Bucerius Kunst Forum untergebracht, in dem bedeutende Ausstellungen gezeigt werden. Als erster Büromieter hat die internationale Rechtsanwaltskanzlei DLA Pipa einen Mietvertrag über 3000 Quadratmeter unterzeichnet. Mit weiteren Interessenten laufen Gespräche.

Für die Ladenflächen gibt es bislang noch keinen Mieter. Aber Art-Invest Projektleiter Theja Geyer hat schon klare Vorstellungen: „Wir wollen nicht den Neuen Wall kopieren, sondern den Alten Wall zu einer Flaniermeile mit gehobenem Einzelhandel machen.“ Wichtig sei auch die Individualität der einzelnen Konzepte, sagte Geyer weiter. Es werden Flächen von 50 bis 2500 Quadratmeter angeboten.

Alter Wall soll die ganze City aufwerten

Auch die Straße Alter Wall wird in diesem Abschnitt neu gestaltet. Granitplatten, Bänke und Kunstinstallationen sollen für mehr Atmosphäre sorgen.

Durch eine Passage gelangen die Besucher bis zum Alsterfleet. Hier ist eine Gastronomie geplant. Herzstück ist das lichtdurchflutete Atrium – das durch eine rund 90 Meter lange Glasfläche überspannt wird. Das Ensemble wird über eine Fußgängerbrücke mit den Alsterarkaden verbunden. „Das Projekt ist ein städtebaulicher Meilenstein zur Weiterentwicklung der westlichen Innenstadt um das Rathaus herum. Hervorzuheben ist, dass die alte Fassade der ehemaligen Reichsbank erhalten bleibt und zugleich modernste Gebäudeteile entstehen“, sagte SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf. Durch die Verlagerung der oberirdischen Stellplätze wandele sich der Alte Wall vom Parkplatz zum neuen, attraktiven öffentlichen Raum für alle, sagte Kienscherf.

Auch der Leiter des Bezirksamts Mitte, Falko Droßmann (SPD), ist zuversichtlich: „Dieses Großprojekt am Alten Wall ist ein wichtiger Impuls für die Hamburger Innenstadt, auch im Wettbewerb mit Online-Shopping und den Einkaufszentren in der Peripherie.“

Für die Citymanagerin Brigitte Engler steht fest: „Der Alte Wall wird positiv auf die gesamte Innenstadt ausstrahlen, die damit für Kunden aus Hamburg, dem Umland und auch für internationale Kunden noch attraktiver wird.“