Pinneberg
Kreis Pinneberg

Innenstädte müssen um die Kunden kämpfen

Susan Burmester (l.) und Claudia Patt von der Pinneberger Wirtschaftsgemeinschaft versprechen sich viel vom Gutschein

Susan Burmester (l.) und Claudia Patt von der Pinneberger Wirtschaftsgemeinschaft versprechen sich viel vom Gutschein

Foto: Andreas Daebeler / HA

Kreisstadt will mit einem Pinneberg-Gutschein Kaufkraft in der City halten. Elmshorn hat auf diese Weise 2,3 Millionen Euro umgesetzt.

Kreis Pinneberg.  Kaum noch Kunden in der City. Viele leer stehende Geschäfte. Man muss kein Einzelhandelsexperte sein, um den Niedergang einer Kultur zu erkennen. Das über Jahrzehnte gepflegte Konzept der Fußgängerzonen scheint gescheitert. Internethandel und große Vollsortimenter auf der grünen Wiese ziehen Kaufkraft ab. Im Kreis Pinneberg versuchen immer mehr Kommunen gegenzusteuern. Sie setzen dabei auf das Prinzip des City-Gutscheins, das zusätzlich zum generierten Umsatz auch noch die Identifikation der Kunden mit ihrem Wohnort stärkt. Kann funktionieren, wie das Beispiel Elmshorns zeigt. Dort sprang die Wirtschaft auf den Zug auf. Etliche Einzelhändler und Dienstleister in der City nehmen die Gutscheine an. Die Kaufleute in der Kreisstadt wollen nachziehen: Pinneberger sollen Pinneberg-Gutscheine schenken.

Das ist erklärtes Ziel von Susan Burmester und Claudia Patt, die das Projekt zum 1. Juni für die Wirtschaftsgemeinschaft an den Start bringen werden. 28 Annahmestellen haben sie bereits im Boot, darunter Einzelhändler, Tanzschulen, Friseure, Restaurants und sogar ein Tattoo-Studio. Jeder Unternehmer, der sich beteiligen will, zahlt einmalig 50 Euro fürs Marketing. Wird ein Gutschein eingelöst, landen zwischen 3,5 und 4,5 Prozent des Werts bei der Wirtschaftsgemeinschaft, die sich für die verwaltungsaufwendige Abrechnung verantwortlich zeichnet.

Mit dem City-Gutschein Kunden binden? Quickborn verfolgt diese Strategie bereits seit September 2015. In der Eulenstadt konnte kürzlich mit einem Elektrofachhändler der 100. Betrieb präsentiert werden, der sich an der Aktion beteiligt. „Wir freuen uns sehr, dass neben dem Einzelhandel auch immer mehr Dienstleistungsfirmen an unserer kostenlosen Aktion teilnehmen“, so Michael Unger, der sich um das Thema kümmert. Als langfristig angelegtes Projekt solle Kaufkraft in Quickborn gehalten werden. Hinter der Umsetzung steht die Arbeitsgruppe Wirtschaft im Stadtmarketing. In Quickborn gibt es Gutscheine – wie künftig auch in Pinneberg – entweder für zehn oder für 20 Euro. Sie sind im Rathaus sowie in den Filialen der Volksbank erhältlich. Auch in Rellingen gibt es ein vergleichbares Angebot. Dort wird der Gutschein vom Treffpunkt, in dem sich Kaufleute zusammengeschlossen haben, herausgegeben.

Eine Erfolgsgeschichte wird derweil in Elmshorn geschrieben. Dort gibt es den Stadt-Gutschein bereits seit Oktober 2009. Waren es seinerzeit nur rund 40 Geschäfte, die sich bereit erklärten, den Coupon, der nicht nur in der City, sondern im gesamten Stadtgebiet gilt, einzulösen, sind mittlerweile 153 Unternehmer im Boot.

Das für das Konzept verantwortliche Stadtmarketing beziffert den seit Start der Initiative erzielten Umsatz auf rund 2,3 Millionen Euro. Die Bilanz habe alle Erwartungen übertroffen. Es werde in erheblichem Umfang Kaufkraft in der City gehalten, so Manuela Kase, Geschäftsführerin des Stadtmarketings. „Die Verkaufszahlen steigen jährlich an“, sagt sie. „Wir haben einen Nerv getroffen.“ Unterschätzt worden sei der Arbeitsaufwand. Mittlerweile sei eine Teilzeitkraft eingestellt und Computer-Software angeschafft worden. Vom Konzept ist Kase voll überzeugt: „Das ist klassisches Stadtmarketing.“

Pinnebergs Wirtschaftsgemeinschaft, in der die Kaufleute organisiert sind, schultert das Projekt zunächst mit Bordmitteln. Susan Burmester ist überzeugt vom Gelingen: „Bereits mit dem Kauf eines Gutscheins fällt die Entscheidung – dieser Euro bleibt in Pinneberg.“ Es sei Zeit für Rückbesinnung auf regionale Produkte, lokale Angebote und heimische Kompetenz. Kreisstädter könnten ab Juni endlich Flagge zeigen und die örtliche Wirtschaft nachhaltig stärken. „In der Satzung unserer Gemeinschaft ist die Förderung des Standorts festgeschrieben“, so Claudia Patt. Sie hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis zu 200 Händler und Dienstleister vom Konzept zu überzeugen. „Wir sind derzeit in der Akquise, laufen von Geschäft zu Geschäft.“

In der Kreisstadt wird es voraussichtlich vier Verkaufsstellen für die Pinneberg-Gutscheine geben. Neben der Wirtschaftsgemeinschaft werden die Buchhandlung Bücherwurm sowie die Kaufhäuser Kunstmann und Glindmeyer die dank eines Prägedrucks fälschungssicheren Coupons unters Volk bringen.

Dazu gibt es einen Infoflyer, in dem Annahmestellen aufgelistet sind. Claudia Patt hofft darauf, dass die Einführung des Gutscheins zu einem wichtigen Baustein einer positiven Entwicklung der Innenstadt wird. Sie sagt: „Pinneberg ist nicht so schlecht, wie wir selbst es manchmal machen.“