S-Bahn Hamburg

Station Elbbrücken beschädigt – Pendler noch lange betroffen

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Am 8. August war ein Lkw unter der S-Bahn-Station Elbbrücken in Brand geraten.

Am 8. August war ein Lkw unter der S-Bahn-Station Elbbrücken in Brand geraten.

Foto: Roland Magunia

Nach dem Lkw-Brand ist der S-Bahn-Verkehr zwischen Wilhelmsburg und Hammerbrook stark eingeschränkt. Die Reparatur ist sehr aufwendig.

Hamburg. Die durch den Lkw-Brand am 8. August entstandenen Schäden an der S-Bahn-Brücke über der Zweibrückenstraße unter der Station Elbbrücken sind größer als zunächst vermutet. Jetzt soll eine provisorische Stütze eingebaut werden, damit vom 19. September an die Züge der S 3 und S 31 dort wieder rollen können. Die endgültige Wiederherstellung der Brücke wird danach in Angriff genommen. Zuvor müssen die dafür nötigen Teile angefertigt werden.

Es war so etwas wie ein „Worst Case“-Szenario, das sich am Morgen des 8. August unter der Brücke abspielte. Ein Lkw gerät während der Fahrt in Brand. Der Fahrer stoppt das Fahrzeug direkt unter der Brücke, springt aus dem Führerhaus und bringt sich in Sicherheit. Der mit Maschinenteilen beladene 40-Tonner geht in Flammen auf.

Lkw-Brand richtet enormen Schaden an S-Bahn-Brücke an

„Ich bin jetzt 25 Jahre bei der Bahn. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“, sagt S-Bahnchef Kay Uwe Arnecke zu dem Feuer. „Dass der einen so außerordentlichen Schaden hinterlassen hat, ist ein ganz außergewöhnliches Ereignis.“

„Der Brand hat rund eine Stunde gewütet“, sagt Axel Boß, Leiter der DB Netz AG Hamburg. „Dabei entstanden Temperaturen von 600 bis 900 Grad.“ Deutlich sind die Spuren des Feuers zu sehen. Die Brücke ist von unten schwarz vom Ruß verfärbt. Leitungen hängen herab. Beschädigt wurden die Lager der Brücke, die aus einer Konstruktion mit 14 Stahlträgern besteht. „Die Hälfte der Brücke wurde durch die Hitzeentwicklung so in Mitleidenschaft gezogen, dass auf alle Fälle die Lager ausgetauscht werden müssen“, so Boß weiter.

S-Bahn Hamburg: Notmaßnahme macht Vollsperrungen notwendig

Glück im Unglück: Im Bereich der anderen sieben Träger wurde es nicht ganz so heiß. „So konnten wir zumindest eines der beiden Gleise der S-Bahn wieder freigeben.“ Mittlerweile wurden auch an mehreren Stellen Materialproben genommen, die im Labor analysiert worden sind. „Danach bekamen wir die sehr gute Nachricht, dass die Brücke nicht so beschädigt ist, dass wir sie abreißen müssen“, so Boß.

Jetzt wird auf der stark beschädigten nördlichen Seite der Brücke eine Stützkonstruktion eingebaut. „Damit ersetzen wir die Funktion der beschädigten Lager“, so Boß. Das funktioniert bei der Brücke gut, weil die Lager so eingebaut sind, dass man ungewöhnlich gut herankommt und zudem genug Platz für die Stütze hat.

Ohne zusätzliche Behinderungen wird die Notmaßnahme nicht umgesetzt werden können. „Es wird noch einige Sperrpausen geben“, sagt Boß. Allein für den Einbau der Stütze wird der S-Bahn-Verkehr an der Stelle für 24 Stunden komplett unterbrochen sein. „Wir werden für die Maßnahme die Brücke anheben müssen“, so Boß.

S-Bahn-Brücke wird um zwei Zentimeter angehoben

Das passiert hydraulisch, wobei die Brücke nur um die zwei Zentimeter hochgehievt wird. Zuvor muss sie noch durch das Anbringen von Platten stabilisiert werden. Das soll bereits in den nächsten Tagen umgesetzt werden. Das Anheben selbst übersteht die Gleiskonstruktion auf der Brücke, solange es nur wenige Zentimeter sind. Ansonsten müsste auch sie samt Schotterbett überarbeitet werden.

Völlig ohne Behinderungen wird der Verkehr auch nach der Notmaßnahme nicht fahren können. Die um die 300 Tonnen schweren S-Bahn-Züge werden die Brücke auch nach der Freigabe beider Gleise nur im langsamen Tempo überqueren können.

Stahlträger unter Bahnsteig hat sich ausgedehnt und verformt

Die eigentliche Instandsetzung beginnt später. Die Lager müssen völlig neu angefertigt werden. „Allein das wird mehrere Wochen dauern“, so Boß. Unklar ist, inwieweit der neuere Teil der Brücke, auf dem der Bahnsteig der Station Elbbrücken gelagert ist, erhalten werden kann. Der entscheidende Stahlträger in dem Bereich hat sich durch die Hitze ausgedehnt und verformt. „Es laufen noch Analysen, durch die geklärt wird, ob dieser Teil ausgetauscht werden muss“, sagt Boß.

Die 14 Hauptträger, die die eigentliche Brückenkonstruktion bilden, seien besser weggekommen. „Sie können ertüchtigt werden“, sagt Boß. Wie das genau geschehen soll, wird gerade geplant. Überhaupt steckt der Teufel in den vielen kleinen Details. Insgesamt gebe es, so Boß, im Zusammenhang mit der Reparatur der Brücke „noch ganz viele spannende Fragen zu klären“.

Die aktuelle Situation ist für den S-Bahn-Chef Arnecke nicht einfach. „Wir haben zum Glück ein Gleis wieder frei bekommen, sodass wir hier den Pendelverkehr anbieten können. Aber das ist nicht ausreichend für das, was wir hier normalerweise – nämlich Bahnen im Fünfminutentakt – anbieten.“

Um die Fahrgäste bis zum 18. September bedienen zu können, bleiben die bereits bestehenden Maßnahmen – Pendelverkehr im 20-Minuten-Takt zwischen Hammerbrook und Wilhelmsburg – erhalten. Neben dem Pendelverkehr sind zwischen dem Bahnhof Wilhelmsburg und dem Bahnhof Elbbrücken Busse eingesetzt. Fahrgästen aus dem Süden wird empfohlen, in Harburg auf Nahverkehrszüge wie den Metronom auszuweichen. Außerdem dürften Besitzer von Zeitkarten des HVV auch zwischen Harburg und Hauptbahnhof Fernzüge wie den ICE nutzen.

Die Schadenshöhe schätzt Boß auf knapp unter eine Million Euro – mindestens. Es könnte aber auch durchaus teurer werden, vor allem wenn der Bereich der Brücke, die den Bahnsteig trägt, ersetzt werden muss. In welchem Umfang die Versicherung des Lkw dafür aufkommt, ist noch unklar. „Wir haben Experten, die sich darum kümmern“, sagt Boß. Aktuell gehe es für die Ingenieure darum, den S-Bahn-Verkehr wieder zum Laufen zu kriegen.