Weltkulturerbe

St. Pauli bleibt St. Pauli – auch ohne Kulturerbe

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Bettina Mittelacher
Der Verein „Lebendiges Kulturerbe St. Pauli“ gibt das Ziel vom Kulturerbe auf.

Der Verein „Lebendiges Kulturerbe St. Pauli“ gibt das Ziel vom Kulturerbe auf.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Nach langen Diskussionen will sich Hamburger Initiative doch nicht mehr um den Titel der Unesco bemühen. Die Gründe der Entscheidung.

Hamburg. St. Pauli als Weltkulturerbe der Unesco: Lange hat es Diskussionen darüber gegeben, ob der spannende, äußerst lebendige und besondere Hamburger Stadtteil diesen Schritt gehen und sich um den begehrten Titel bemühen soll. Jetzt hat der Verein „Lebendiges Kulturerbe St. Pauli“ entschieden: Man kommt sehr gut ohne die Unesco aus. „Für uns war der Weg das Ziel“, sagt Julia Staron vom Vorstand des Vereins dem Abendblatt. „Aber jetzt ist klar, dass wir den Weg nicht weiter verfolgen werden.“

Die Gründe für diese Entscheidung sind laut Verein, der 2019 gegründet wurde und 40 Mitglieder hat, „die lauten und unüberwindbaren Klischees“. Hierbei geht es konkret um die Frage, ob man sich zum „Kulturraum St. Paulis Gedanken machen und diese äußern könne – also die Identität herauszufinden versuchen, ohne der organisierten Kriminalität und Prostitution eine besondere Rolle zu verleihen?“

Weltkulturerbe für St. Pauli vom Tisch

Die klare Antwort der Initiatorinnen und Initiatoren: „Wir meinen: ja!“ Denn „nichts ist auf St. Pauli wichtiger als das andere“. Das Rotlicht sei zwar Teil des Ganzen, aber „nicht identitätsstiftender als der Schuster oder das Theater“. Diese klare Position würden viele andere Entscheider außerhalb des Vereins aber nicht teilen. Deshalb sei jetzt der Entschluss gefasst worden, den Antrag auf Feststellung St. Pauli als Weltkulturerbe nicht weiter zu verfolgen.

Der Stadtteil wäre auf der Länderliste der Unesco gelandet. „Die wichtigste Botschaft St. Paulis lautet aber ,internationale Solidarität‘. Das klappt für mich nicht mit einer Länderliste“, meint dazu Eva Decker, ehemaliger Vorstand und Expertin für St.-Pauli-Geschichte. Vorstand Sabrina Hirche sagt: „Wir wollen aber immer noch den Diskurs im Viertel anregen.

Wir möchten das große organisierte Engagement St. Paulis sichtbarer machen und miteinander vernetzen. Wir möchten das Bewusstsein schärfen, was für ein besonderer Ort das hier ist und welche wertvolle Art des Miteinander-Lebens und ,Klarkommens‘ daraus entstanden ist. Ein durchaus schützenswertes Kulturgut.“ Der Vereinsvorstand Stefan Sousa ergänzt: „Und wenn wir ehrlich sind, brauchen wir die Unesco dafür nicht. Dann sind wir inoffizielles Kulturerbe. Oder eben einfach St. Pauli. St. Pauli ist eine Haltung.“

„Den Weg zu verfolgen war in jedem Fall eine Bereicherung“, macht Vorstand Julia Staron deutlich. „Wir wollen uns aber nicht verbiegen. Also konzentrieren wir uns als Verein nun darauf, die Auseinandersetzung mit und zu diesem Kulturraum voranzutreiben, den Diskurs und die Vernetzung im Viertel zu fördern und über Projekte das ein oder andere ,typische St. Pauli‘ sichtbarer zu machen.“