Hamburger Kampagne

Mit Aufklärung in vielen Sprachen gegen Impfmuffel

| Lesedauer: 4 Minuten
Lars Hansen
Melanie Leonhard am Infomobil. Über den QR-Code bekommt man Corona-Infos in vielen Sprachen auf das Smartphone.

Melanie Leonhard am Infomobil. Über den QR-Code bekommt man Corona-Infos in vielen Sprachen auf das Smartphone.

Foto: Lars Hansen / xl

In Kirchdorf Süd macht Organisation „Mit Migranten für Migranten“ auf eine Impfaktion aufmerksam - mit prominenter Unterstützung

Wilhelmsburg. Das Corona-Info-Mobil erzeugt Aufmerksamkeit: Viele Leute in Kirchdorf Süd haben schon gehört, dass man sich demnächst wieder im Stadtteil gegen die Pandemie impfen lassen kann. Etwa heute und hier? Nein sagen die ehrenamtlichen Helfer des Infomobils: Am Freitag.

An diesem Donnerstag sind sie nur hier, um schon einmal über den Impftermin, das Impfen und die Pandemie zu informieren. Sie haben Flugblätter in vielen Sprachen dabei, denn in der Großwohnsiedlung haben Menschen mit Wurzeln aus aller Herren Länder ihre Heimat gefunden. Hier ist die Welt zu Hause.

Nicht alle, die hier wohnen, verstehen gut Deutsch

Das bedeutet aber auch ein babylonisches – ja, auch Menschen aus dem Zweistromland leben in Kirchdorf Süd – Sprachgewirr im Stadtteil und nicht alle, die hier wohnen, sprechen und verstehen gut Deutsch. Was wiederum für die gesundheitliche Aufklärung ein Hindernis ist. Kirchdorf Süd ist nicht das einzige Hamburger Quartier, in dem dies der Fall ist. Hier setzt die Organisation „Mit Migranten für Migranten“ (MiMi) mit dem Corona-Infomobil an.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Die Organisation MiMi gab es schon lange vor Corona. In Begegnungsstätten und bei Veranstaltungen klären die MiMi-Helfer, die alle selbst einen Migrationshintergrund haben, bereits seit 15 Jahren über das deutsche Gesundheitssystem im allgemeinen und aktuelle Gesundheitsthemen im Besonderen auf. Beratung und Information sind dabei in vielen Sprachen erhältlich. Gestern in Kirchdorf Süd hatte das Infomobil einen besonderen Gast: Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard informierte sich über die Arbeit. „Es ist wichtig, dass wir möglichst viele Menschen impfen und es ist wichtig, dass Menschen, die noch Scheu vor dem Impfen haben, diese verlieren“, sagt sie, „und da leistet MiMi eine hervorragende Arbeit“.

Die Scheu ist gar nicht so groß, wenn man Kesbanah Klein glaubt, die SPD-Bezirksabgeordnete ist in Kirchdorf Süd aktiv. „Ich werde immer wieder angesprochen und gefragt, wie man an eine Impfung kommt“, sagt sie. „Mit der Terminvereinbarung für das Impfzentrum waren viele schlicht überfordert und auch schnell entmutigt, wenn sie nicht gleich einen Termin bekommen haben.“

Menschen übertragen diffuse Ängste auf Impfangebot

Die mit den Ängsten gibt es allerdings auch, weiß MiMi-Projektleiterin Isabel Marin Arrizabalaga: „Ich habe oft das Gefühl, dass diffuse Ängste, die Menschen schon in sich tragen, dann auf die Impfung übertragen werden“, sagt sie. „Unter Asylbewerbern gibt es beispielsweise das Gerücht, dass man beim Impfen einen Chip implantiert bekommt, mit dessen Hilfe man abgeschoben werden kann. Viele junge Frauen mit Kinderwunsch haben gehört, durch das Impfen werde man unfruchtbar. Wenn wir heute in 14 Sprachen aufklären, dann auch um solche Ängste zu zerstreuen!“

Hier geht es zum Corona-Newsblog

Dem Abschiebungsgerücht tritt Melanie Leonhard entschieden entgegen: „Zu den Impfaktionen im Stadtteil kann jeder kommen und muss nicht einmal Papiere vorlegen“, sagt sie.

Heute, am Freitag, können sich alle Menschen, die wollen, im Freizeithaus Kirchdorf Süd impfen lassen. Für noch offene Fragen ist auch das Infomobil wieder da. Politiker und Sozialarbeiter im Quartier hatten ein solches niedrigschwelliges Impf- und Infoangebot im Stadtteil schon früher gewünscht. „Auf unsere Schreiben im Mai haben wir nicht einmal eine Antwort erhalten“, sagt Freizeithaus-Leiterin Barbara Kopf.