Unfälle in der Innenstadt

E-Scooter: AK St. Georg behandelt immer mehr Verletzte

Schwerer Unfall mit einem E-Scooter in Hamburg (Archivbild)

Schwerer Unfall mit einem E-Scooter in Hamburg (Archivbild)

Foto: Michael Arning

Chefarzt der Chirurgie verzeichnet inzwischen mehr Patienten nach Unfällen mit E-Scootern als nach Fahrradunfällen.

Hamburg. Im Asklepios Klinikum St. Georg sind seit Einführung der E-Scooter in Hamburg insgesamt 35 Verletzte nach Unfällen mit diesen Rollern behandelt worden. Elf Menschen wurden so schwer verletzt, dass sie operiert werden mussten.

„In den vergangenen beiden Monaten haben wir in unserer Klinik mehr Verletzte durch Unfälle mit E-Scootern behandelt als Verletzungen durch Fahrradunfälle“, sagte Prof. Christian Kühne, Chefarzt des chirurgisch-traumatologischen Zentrums der Asklepios Klinik St. Georg auf Anfrage.

Verletzte nach Unfällen mit E-Scootern müssen häufiger operiert werden

„Bei den operationsbedürftigen Verletzungen sind Scooter-Fahrer beziehungsweise Verletzte nach Scooter-Unfällen aktuell sogar fünfmal stärker betroffen“, berichtete Kühne weiter. „Das ist schon erstaunlich, auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist.“ Die Hamburger Innenstadt ist der Hotspot für die Anbieter der elektrisch betriebenen Roller, der erste brachte seine Fahrzeuge am 21. Juni auf die Straßen. Zahlen zu Unfällen mit E-Scootern für ganz Hamburg liegen laut Polizei nicht vor.

Den Angaben zufolge gibt es auch in einigen anderen Asklepios Kliniken E-Scooter-Unfälle – jedoch deutlich weniger als in St. Georg. Dort wurden unter anderem Verletzungen am Schädel oder im Hirnbereich, schwere Gelenkverletzungen und Prellungen behandelt.

Ärzte fordern Helme für Fahrer der E-Scooter

Der Klinikbetreiber geht davon aus, dass „der Zustrom an Verletzten anhalten wird“. Zumal damit zu rechnen sei, dass die Anzahl der E-Scooter zunehme. Mehrere Ärzte der Kliniken appellierten an alle Fahrer dieser Roller, unbedingt einen Helm zu tragen, auch wenn es in Deutschland keine Helmpflicht gebe. Mit den bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnellen Scootern dürfen über 14-Jährige Radwege oder – wenn nicht vorhanden – Straßen befahren.

In Hamburg sind derzeit rund 3000 E-Scooter von fünf Anbietern im Einsatz. In den freiwilligen Vereinbarungen mit der Stadt ist die Flottengröße im innerstädtischen Bereich auf 1000 E-Scooter pro Anbieter begrenzt.

Betrunkene E-Scooter-Fahrer verlieren Führerschein

Nach Angaben der Hamburger Polizei hat allein die Fahrradstaffel 17 Schwerpunktkontrollen durchgeführt (Stand August). Das Befahren des Gehwegs oder der Fußgängerzone sei dabei der häufigste Verstoß von E-Scooter-Fahrern gewesen. In weiteren Fällen sei das Rotlicht missachtet, die falsche Radwegseite genutzt oder ein Mitfahrer mitgenommen worden.

Ein Polizeisprecher erklärte auf Anfrage: „Wir stellen immer wieder fest, dass die Nutzer sich im Vorwege offenbar nicht ausreichend über die im Zusammenhang mit E-Scootern geltenden Regeln auseinander gesetzt haben.“ Jeder solle sich beispielsweise bewusst sein: Wer alkoholisiert auf einem E-Scooter erwischt werde, riskiere seinen Führerschein.