Wandsbeker Marktstraße

Fußgänger bei Unfall getötet: Angeklagter wird verwarnt

Polizisten am 22. August 2018 an der Wandsbeker Markstraße – am Tag des Unfalls wurde der Bereich auch noch für die Entschärfung einer Weltkriegsbombe abgesperrt.

Polizisten am 22. August 2018 an der Wandsbeker Markstraße – am Tag des Unfalls wurde der Bereich auch noch für die Entschärfung einer Weltkriegsbombe abgesperrt.

Foto: Picture Alliance

22-Jähriger Fahrer erfasste 59-Jährigen, der bei Rot über die Straße lief. Fahrer flüchtete, stellte sich aber später der Polizei.

Neustadt. Die Folgen des Unfalls waren tragisch: Der 59 Jahre Fußgänger, der zuvor über eine rote Ampel gelaufen war, verstarb nach der Kollision mit dem Auto des Angeklagten Vladislav K. Zwar trug der 22-Jährige keine Schuld am Tod des Passanten, doch nach dem Unfall flüchtete er – und das ist sehr wohl strafbar. Am Montag stand Vladislav K. deshalb vor dem Amtsgericht Mitte. Er hatte sich nach dem Zusammenstoß der Polizei gestellt, befand sich mehrere Monate in therapeutischer Behandlung. Bis heute würden ihn der Unfall und sein Fehlverhalten bedrücken, so der Angeklagte am Montag.

Es ist der Abend des 22. August 2018. Das spätere Unfallopfer überquert den Fußgängerübergang auf der Höhe des Sportgeschäftes „Runners Point“ an der Wandsbeker Marktstraße – allerdings in einer roten Ampelphase. Vladislav K. sitzt zu diesem Zeitpunkt mit seiner Freundin in seinem Toyota und erfasst den Mann beim Abbiegen. Der Aufprall ist so wuchtig, dass das Unfallopfer 25 Meter weit durch die Luft geschleudert wird. Wenig später erliegt der Mann im Krankenhaus seinen multiplen, schwersten Verletzungen.

Angeklagter erhält Führerschein zurück

Auf die Frage der Richterin, ob er daran gedacht habe, dem Unfallopfer zu helfen, antwortet Vladislav K.: „Ich war total geschockt. Ich habe den Aufprall bemerkt, habe aber nicht gesehen, dass der Mann so weit weggeschleudert wurde. Ich fand es sinnvoller, eine Polizeiwache aufzusuchen.“ Für ihn sei der Unfall mit anschließender Flucht sein erstes Verkehrsdelikt überhaupt. „Ich wusste einfach nicht, wie ich in dieser Situation reagieren sollte.“ Mit einem Freund sei er dann 20 Minuten später in der Polizeiwache am Wandsbeker Markt erschienen und habe die Tat gestanden. „Es tut mir leid, falsch gehandelt zu haben“, räumt Vladislav K. ein.

Die Amtsrichterin verurteilt den 22-Jährigen schließlich zu einer Verwarnung mit Strafvorbehalt. Eine Geldstrafe in Höhe von 2800 Euro würde aber nur fällig werden, wenn sich der Angeklagte in den nächsten zwei Jahren etwas zuschulden kommen ließe. Zudem muss er 300 Euro an ein soziales Projekt zahlen. Seinen Führerschein, den Vladislav K. nach dem Unfall abgeben musste, erhält er nun aber wieder zurück.

Sie glaube dem Angeklagten, dass er in der Situation überfordert war und solch ein Delikt nie wieder begehen werde, sagt die Richterin. Er habe sich bisher rechtstreu verhalten, sei durch den Unfall psychologisch belastet und habe die Tat gestanden. „Nur weil er sich selbst gestellt hat, konnte der Beschuldigte in diesem Fall ausfindig gemacht werden“, so die Richterin. Für das Unfallopfer wäre ohnehin jede Hilfe zu spät gekommen.